Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 01.11.2016, 13:28h           12      Teilen:   |

Urteil

Sydney: Keine Haft für Salzsäure im Gleitgel-Spender

Artikelbild
Das "Aarows" ist ein rund um die Uhr geöffneter Club, in dem sich laut Eigenwerbung "Schwule und Bisexuelle in relaxter Atmosphäre treffen" (Bild: Aarows Sydney)

Ein Mann, der Säure in einen Gleitgel-Spender eines Gay-Clubs geschüttet hatte, habe nicht aus Hass gehandelt, fand das Gericht.

Ein Gericht in Sydney hat am Dienstag eine Bewährungsstrafe gegen einen 62-Jährigen verhängt, der im August einen Anschlag mit Salzsäure auf Besucher des Gay-Clubs "Aarows" der Stadt verüben wollte.

Der Mann hatte die Säure in einen Gleitgel-Spender des Clubs, der laut Eigenwerbung "drei Ebenen Abenteuer für Erwachsene" anbietet, geschüttet, dabei allerdings einen Alarm ausgelöst – die Spender waren bereits zuvor von Unbekannten manipuliert worden, weswegen der Club im Industriegebiet im Vorort Rydalmere eine Sicherung eingebaut hatte. Der Mann wurde noch vor Ort vom Sicherheitsdienst des Clubs festgehalten und an die Polizei übergeben (queer.de berichtete).

Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann daraufhin wegen versuchter Körperverletzung und Sachbeschädigung angeklagt und von einem strafverschärfenden Hassverbrechen gesprochen: Das Motiv sei "ein Lehrbuchbeispiel" für Menschenhass, so eine Vertreter der Staatsanwaltschaft während der Verhandlung im September, der Mann habe gewusst, dass sich im "Aarows" Männer zum Sex treffen.

Fortsetzung nach Anzeige


Richterin folgte medizinischen Gutachen

Die Anwälte des Mannes hatten erklärt, ihr Mandant habe an einer psychischen Erkrankung gelitten und dazu entsprechende Gutachten eines Arztes und eines Psychologen samt eines umfassenden Behandlungsprogramms vorgelegt. Es habe sich um eine "irrationale, uncharakteristische Handlung" gehandelt.

Auch ein Hassverbrechen wiesen die Anwälte zurück: Der Mann habe den Anschlag nicht aufgrund der sexuellen Orientierung der Besucher ausführen wollen, sondern weil er sauer war, dass er Anfang des Jahres aus dem Club geworfen worden war. Den Medienberichten über die Verhandlung lassen sich keine Informationen über die sexuelle Orientierung des Mannes bzw. den Grund seines Rauswurfs entnehmen; zugleich war er aber als regelmäßiger Besucher des "Aarows" bezeichnet worden.

Richterin Beverly Schurr folgte der Einschätzung, dass der Mann nicht aufgrund von Homohass, sondern wegen einer "Zurückweisung" gehandelt habe und zudem von einer Erkrankung beeinflusst gewesen war. Das Gericht in Sydneys Vorort Parramatta belegte ihn mit einem zweijährigen "good behaviour bond".

Der Club war bereits 2013 in die Schlagzeilen geraten, weil auf dem Parkplatz ein Mann angeschossen und schwer verletzt worden war. Der damals 23-jährige Täter, ein berüchtigter Islamist, war dieses Jahr wegen versuchten Mordes schuldig gesprochen worden. Er war nicht wegen eines Hassverberechens angeklagt worden: Das Opfer der Tat hatte den Mann und zwei Freunde zufällig bei einem Einbruch in eine angrenzende KFZ-Werkstatt gestört.

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 12 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 172       9       4     
Service: | pdf | mailen
Tags: australien, aarows club, sydney, gleitgel
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Sydney: Keine Haft für Salzsäure im Gleitgel-Spender"


 12 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
01.11.2016
13:54:04
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von Alex


Aha, wenn man nicht aus Hass handelt, darf man sowas...

Wenn es irgendwann Opfer gibt, ist doch egal, ob der aus Hass, Wahn, Langeweile oder weshalb auch immer gehandelt hat...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
01.11.2016
14:54:13
Via Handy


(+3, 9 Votes)

Von janx
Antwort zu Kommentar #1 von Alex


Genau deswegen sehe ich die Einführung eines separaten Straftatbestands "Hassverbrechen" in Deutschland, der auch von vielen LGBTQ-Verbänden gefordert wird eher kritisch. Und ebenso kritisch sehe ich die Tatsache dass ein Versuch nach wie vor oft nicht genauso hoch wie eine erfolgreiche Tat bestraft wird. Es ist für mich eine schwere Körperverletzung. Wie man da ohne Haftstrafe davon kommen kann ist für mich nicht nachvollziehbar - egal um wen oder was es im Detail ging.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
01.11.2016
15:41:14


(+3, 5 Votes)

Von priamos11
Aus Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.07.2016
Antwort zu Kommentar #2 von janx


"Es ist für mich eine schwere Körperverletzung."

Begrifflich haut das nicht hin. Wenn kein Körper verletzt wurde, kann es schlechterdings keine Körperverletzung sein, sondern stellt den Versuch einer Körperverletzung dar. Im deutschen Strafrecht heißt es dann oft: Der Versuch ist strafbar.
Mir scheint, dass es sich bei einem "good behaviour bond" wohl um eine Art Bewährungsstrafe handelt.
Angesichts der möglichen Folgen seiner Tat halte ich dies allerdings auch für unangemessen milde.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
01.11.2016
17:02:09
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von janx
Antwort zu Kommentar #3 von priamos11


Hm. Textverständnis? Genau die Tatsache dass ein Unterschied gemacht wird kritisierte ich ja und schrieb daher auch "für mich" ist es schwere Körperverletzung. Mir ging es nicht um eine Beschreibung des Ist-Zustands sondern des Soll-Zustands.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
01.11.2016
18:41:10


(+3, 3 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #1 von Alex


Wenn das so ist, wie es die Anwälte darlegen, dann hat die Richterin richtig entschieden!

Tja Hass, das ist ein menschliches/gesellschaftliches Merkmal, auf das die Menscheit verzichten könnte.

Hass und Hass ist nicht gleich, obwohl, ohne Wenn und Aber gefährlich ist, ganz klar.
Als Beispiel, wenn ich jetzt von Jemandem, warum auch immer zurückgewiesen werde und ihm verbal eine Schelle verabreiche muß das nicht unbedingt Hass sein, sondern Wut. Aber wenn eine Person, oder Gruppe ständig gegen irgendeine Menschengruppe vorgeht, das ist eindeutig Hass und sollte als eine der gefährlichsten Straftaten auf der ganzen Welt geahndet werden!!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
01.11.2016
19:25:58


(+2, 4 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Das Urteil ist absolut nicht nachzuvollziehen. Ein Hass-Verbrechen ist und bleibt ein Hass-Verbrechen - und muss auch als solches geahndet werden!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
01.11.2016
20:59:46


(+4, 4 Votes)

Von priamos11
Aus Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.07.2016
Antwort zu Kommentar #4 von janx


Du hast natürlich Recht: Ich verstehe diesen einen Satz in Deinen Text wirklich nicht. Für mich ist es sprachlich nicht logisch von einer Körperverletzung zu sprechen, wenn keine Körperverletzung vorliegt. Ich habe also lediglich ein begriffliches Problem mit dieser einen Formulierung.
Wenn Du den Satz "Es ist für mich eine schwere Körperverletzung" weggelassen, sondern nur geschrieben hättest, dass vollendete und versuchte Tat immer die gleichen Rechtsfolgen haben sollten, hätte ich es verstanden.
Wenn ich da noch auf dem Laufenden bin, kann in Deutschland diesbezüglich ein Unterschied gemacht werden (§ 23 Abs. 2 StGB); es kann also beim Versuch zu einer milderen Strafe kommen, es muss aber nicht. Deinem ursprünglichen Text entnehme ich, dass Du diese Rechtslage auch so siehst.
Es ist demnach vom Einzelfall abhängig und dies bedingt, dass man beide Begrifflichkeiten sauber auseinanderhält. Ich persönlich finde diese Rechtslage gut und würde es bedauern, wenn man die besonderen Umstände des Einzelfalles bei einer Urteilsfindung nicht mehr würdigen könnte.
Du bist in diesem Punkt offensichtlich anderer Auffassung, das ist Dein gutes Recht und ich respektiere das selbstverständlich.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
01.11.2016
23:02:42


(+4, 4 Votes)

Von janx
Antwort zu Kommentar #7 von priamos11


Ah verstehe jetzt, OK, es geht dir also um die Begrifflichkeit. Ich bin da allerdings ebenfalls anderer Auffassung. Rechtsbegriffe weichen ja auch bislang schon nicht gerade selten von dem ab, was die Allgemeinsprache darunter versteht. Um die Veränderung der allgemeinen Sprache ging es mir aber gar nicht. Meine Forderung bezog sich darauf, dass vor Gericht eben genau dieser Unterschied schlicht überhaupt nicht mehr gemacht werden sollte. Einfach gar nicht. Das Wort "Versuch" sollte in den Gesetzen gar nicht mehr vorkommen (meine Meinung!). Die im Artikel genannte Tat sollte somit nach meiner Meinung schlicht eine schwere Körperverletzung sein. Und auch genau so behandelt werden. Ich finde nämlich nicht, dass es vom Zufall abhängen darf, welches Urteil ich für eine bestimmte *Tat* X bekomme. Wenn ich eine bestimmte Sache tue (etwa "Stein von Autobahnbrücke werfen"), dann ist das für mich Mord unabhängig davon, was in den folgenden Minuten *rein zufällig* passiert oder auch nicht passiert. Mir ist klar, dass ich da von dem bisherigen Rechtsverständnis und auch deiner Meinung (die ich ebenfalls natürlich respektiere - wir diskutieren ja hier nur in kleinem Kreis ;-) ) abweiche.

Meine Ansicht begründet sich hingegen darauf, dass bei den meisten Taten die möglichen Konsequenzen vorher exakt so eingeplant wurden. Ausnahme sehe ich nur, wenn die Auswirkungen einer Tat vom Täter nicht vorhergesehen werden konnte. Etwa wenn ich jemandem eine Ohrfeige gebe und der fällt dann Tot um. Werfe ich einen Stein von einer Autobahnbrücke oder nutze Salzsäure wie oben im Artikel angegeben, dann nehme ich im ersten Fall den Tod von Opfern und im zweiten Fall die schwere Körperverletzung billigend in Kauf. Warum da eine Minderung der Strafe in Frage kommt ist mir persönlich völlig schleierhaft.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
02.11.2016
01:23:14


(+4, 4 Votes)

Von priamos11
Aus Hürth (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.07.2016
Antwort zu Kommentar #8 von janx


"Rechtsbegriffe - Allgemeinsprache"

Da liegst Du wohl richtig - das ist sicher häufig Ursache von Missverständlichkeiten und gerade die Juristensprache bietet dazu reichlich Gelegenheit.

Ich verstehe durchaus was Du meinst, halte aber die im StGB gewählte Formulierung "Der Versuch ist strafbar" für sprachlich präziser.
Um Dein Ziel zu erreichen, müsste also vielmehr die Regelung, dass der Versuch milder bestraft werden kann, gestrichen werden.
Bei Deiner Variante würde es nicht zu einer Verurteilung kommen, weil es ja gar nicht zu einer Körperverletzung gekommen wäre, der Straftatbestand wäre ja nicht erfüllt.

Ich hoffe im Übrigen sehr, dass Richter in unserem Lande auch nach der jetzigen Rechtslage in den von Dir aufgezeigten Fallstellungen nicht zu milderen Urteilen kommen. Aber sicher bin ich mir da durchaus nicht.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
02.11.2016
14:48:47


(+5, 5 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Ich finde es auch nicht toll, aber in dem Fall kommen wohl Komponenten zusammen, die nicht für ein drastisches Urteil hin reichen.

Keiner wurde verletzt. Vermutlich wird eine Art Sachbeschädigung festgestellt, der Versuch der Körperverletzung bzw. das Hass-Motiv standen zunächst nahe. Bis das mit der Krankheit und den ärztlichen Gutachten hervor kam.

Wenn jemand krank (genug) ist, haben die oft so eine Art längere Leine am Handlungsfreiraum, denn man bescheinigt ihnen eine geminderte Zurechnungsfähigkeit oder geistige Eingeschränktheit darin, ihr Handeln bewusst zu steuern, die Beherrschung unter Kontrolle zu halten und Ähnliches.

Bekloppt genug, und dann gehen sogar Morde glimpflich aus oder man kann sich damit herausreden, "Gott" oder "Dämon" so und so häte das befohlen zu tun oder eine schwarze Katze hat das Zeichen gesandt undsoweiter.

Dabei kann es Hassverbrechen oder Affekthandlung gewesen sein, wenn er damit nicht klar kam, da rauszufliegen. Hängt letztlich davon ab, was Ärzte und Richter draus machen.

Manchmal ist es wirklich ein Bekloppter. Manchmal einer, der sich gut als Bekloppter gibt ... Die genuinen 'Player' dürften aber seltener sein.
Strafmildernde Umstände können kompliziert sein. In dubio mitius oder In dubio pro reo gilt wahrscheinlich auch in Australien.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12  vor »


 BOULEVARD - INTERNATIONAL

Top-Links (Werbung)

 BOULEVARD



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Volker Beck: "Ich bin noch lange nicht weg" Leander Haußmann will Merkel wählen – wenn sie die Ehe öffnet Bis zum Jahr 2000 durften Schwule keine Berufssoldaten werden Volker Beck: Der Beste wurde kaltherzig abserviert
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt