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  • 03.11.2016, 06:23h               Teilen:   |

Kinostart "Transit Havana"

Nein zur Transphobie, ja zum Sozialismus

Artikelbild
Die Doku "Transit Havana" begleitet drei transsexuelle Menschen in der kubanischen Hauptstadt Havanna (Bild: Rise & Shine Cinema)

Die neue Doku "Transit Havana" taucht ein in Kubas Transgender-Community. Ein Interview zum Kinostart mit Regisseur Daniel Abma.

Einmal im Jahr kommen zwei Ärzte aus Holland und Belgien nach Havanna und führen dort auf Initiative von Fidel Castros Nichte kostenlos geschlechtsangleichende Operationen durch. Mariela Castro organisiert dies im Sinne der sozialistischen Revolution.

Feinfühlig erzählt, wunderbar fotografiert und als Kinoerlebnis montiert, interessiert sich der neue Dokumentarfilm "Transit Havana" dafür, wie es Menschen geht, die an Wendepunkten ihres Lebens stehen. So wie die Protagonisten Malú, Odette und Juani, die für ein Leben im richtigen Körper kämpfen.

Im Interview spricht Regisseur Daniel Abma über seine Doku, die abseits von Klischees und mit einem queeren Blick tief in die kubanische Gesellschaft eintaucht. (cw)

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Daniel Abma studierte Regie an der Filmuniversität Konrad Wolf Babelsberg. In 2015 gewann sein Abschlussfilm "Nach Wriezen" den Grimme-Preis. "Transit Havana" ist sein zweiter abendfüllender Dokumentarfilm
Daniel Abma studierte Regie an der Filmuniversität Konrad Wolf Babelsberg. In 2015 gewann sein Abschlussfilm "Nach Wriezen" den Grimme-Preis. "Transit Havana" ist sein zweiter abendfüllender Dokumentarfilm

Was hat Sie dazu inspiriert, "Transit Havana" zu drehen? Welche Geschichte über Kuba wollten Sie erzählen?

Als ich vor längerer Zeit hörte, dass das Transgender-Thema in Kuba so progressiv angegangen wird, war ich sehr überrascht. Um so mehr, dass das unter der Führung der Tochter des Staatspräsidenten geschieht. Das hatte ich in Kuba nicht erwartet, da ich bei der Insel die üblichen Stereotypen von Castro, Katholizismus, Sozialismus und Machismo vor Augen hatte. Gleichzeitig scheint sich Mariela Castro dabei völlig treu zu bleiben und verknüpft ihre sexuelle Revolution mit sozialistischen Botschaften. Ihr Credo ist: "Homophobia no, socialismo si!".

Es ist ein sehr progressives Programm, immer kombiniert mit Propaganda und Rhetorik. Wir zeigen im Film, wie Castro dem Gestalt gibt. Kuba ändert sich gerade immens, und es ist spannend zu sehen, in welche Richtung sich das Land entwickelt. Die Annäherung mit den Vereinigten Staaten ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich etwas tut auf der Insel. Wir zeigen in "Transit Havana" mit unseren drei Hauptprotagonisten, wie deren Leben im aktuellen Kuba ausschaut. Unsere Charaktere stecken in einem Prozess des Wandels. Genau wie Kuba selbst.

Beschreiben Sie uns bitte die drei Protagonisten, die neben Mariela Castro den Film tragen. Was repräsentieren sie für Sie?

Malú repräsentiert eine neue Generation KubanerInnen. Sie ist eine Aktivistin, die in ihrer Community Anerkennung bekommt, voller Energie und Tatendrang. Aber trotzdem sind alle Entscheidungsprozesse, die "von oben" kommen, für sie intransparent. Obwohl sie ganz nah dran ist als Leiterin der TransCuba-Gruppe, weiß sie auch nicht, wie es weiter geht mit ihr und ihrer ersehnten geschlechtsangleichenden Operation. Sie ist und bleibt abhängig vom System.


Malú ist eine respektierte und auch etwas gefürchtete Anführerin der kubanischen Transgender-Community


Malú trägt eine schwere Vergangenheit mit sich herum, sie musste lange kämpfen um selbstständig zu werden; sie hat es aber geschafft und tut nun alles um die Menschen aus ihrer TransCuba-Gruppe auch soweit zu bekommen. Malú repräsentiert darüber hinaus auch die Subkultur der Transfrauen, so wie sie auf Kuba existiert, und in der Prostitution eine große Rolle spielt. Es gibt nur sehr wenige Transgender-Personen, die offen und freizügig auf Kuba leben.

In Juani hatten wir uns sofort verliebt. Er ist 63 Jahre alt und lebt zusammen mit seinem Bruder in einem sehr kleinen Ort. Juani ist der kubanischen Revolution und insbesondere Mariela Castro treu ergeben. Er steht für das "alte" Kuba. Juani hatte schon in den 1980er Jahren seine ersten Operationen (mit Hilfe von Mariela Castros Mutter); das macht ihn zum ersten Transsexuellen Kubas und er ist dadurch sogar ein bisschen berühmt auf der Insel.


Juani bekam erst mit 63 Jahren einen Penis


Juani ist quasi das "Maskottchen" von Mariela, fährt auch hin und wieder mit ihr auf Kongresse und ist immer bereit sich zu engagieren, damit Castro ihre Ziele erreichen kann. Bei ihm spürt man im Film deutlich, wie das Leben im kubanischen Sozialismus funktioniert: Rationierte Lebensmittelzuteilung, Staatspropaganda im Fernsehen, ein Leben in einfachsten Verhältnissen. Wir bekommen über Juani einen sehr intimen und direkten Eindruck in das alltägliche Leben normaler Kubaner in ihrem sozialistischen Staat.

Odette ist offen, temperamentvoll und begeisterungsfähig. Sie kommt aus einer Militärfamilie. Und bei ihr spüren wir, wie groß der Einfluss der Religion und der familiäre Druck auf Kuba sein können – und welche Konsequenzen das speziell für Transgender haben kann. Ihre Mutter und Großmutter, mit denen sie auf dem Land zusammen lebt, wollen ihren Sohn/Enkel Osmany behalten – und zwar so wie er geboren wurde.


Odette wird von ihrer Familie nicht als Transfrau akzeptiert


Hier sieht man am besten den Spagat zwischen den familiären Beziehungen (gleichzeitig begleitet die Mutter aber Odette ins Krankenhaus) und der Norm der Kirche und der kubanischen Gesellschaft, wo Transgender noch ein Tabu ist und kaum akzeptiert wird. Odettes Geschichte zeigt uns sehr emotional, welche traurigen und weitgehenden Folgen es für einen Menschen haben kann, wenn er nicht so akzeptiert wird, wie er selbst gerne sein möchte.

Poster zum Film: "Transit Havana" läuft seit 3. November in deutschen Kinos
Poster zum Film: "Transit Havana" läuft seit 3. November in deutschen Kinos

Wie einfach oder schwierig war es, Teil des Alltagslebens ihrer Protagonisten zu werden?

Der Ko-Autor unseres Films Alex Bakker ist selbst Transgender. Er forscht als Wissenschaftler zu diesem Thema und er hatte auch den direkten Kontakt zu den Chirurgen, die auf Kuba die Operationen durchführen. Er war aufgrund seiner eigenen Geschichte auch ganz entscheidend dafür, dass uns die Transgender-Community sehr offen begrüßt hat.

Jeder verstand sofort, dass wir diesen Film mit guten Absichten für die Community machen wollen, und so hatten wir sehr schnell einen intimen Zugang zu unseren Charakteren. Es gibt eine Szene im Film, in der wir Malú filmen während sie auf ihrem Bett liegt. Irgendwann schlief sie ein. Das zeigt ein bisschen, welches Vertrauen uns entgegengebracht wurde.

Was hat Sie während Ihrer Dreharbeiten auf Kuba am meisten überrascht?

Es war uns von Anfang an sehr wichtig, dass wir immer unabhängig bleiben können. Wir hatten erwartet, dass wir und unser Material während der Dreharbeiten kontrolliert würden und es war uns wichtig, das zu verhindern. Tatsächlich blieben Kontrollen aber komplett aus.

Eine große Überraschung und ein großes Geschenk für unseren Film war dann die unerwartete Ankündigung von Raoul Castro und Barack Obama live im kubanischen Staatsfernsehen, dass sich beide Länder diplomatisch annähern wollen. Wir haben mit der Kamera festhalten können, wie unsere ProtagonistInnen auf diese Nachricht reagieren und konnten unmittelbar ihre ersten Emotionen und Gefühle einfangen. Man sieht davon einiges im Film. Das war ein sehr besonderer Moment.

Vimeo / Rise and Shine | Offizieller deutscher Trailer zum Film

  Infos zum Film
Transit Havana. Dokumentarfilm. Deutschland/Niederlande/Kuba 2016. Regie: Daniel Abma. Mitwirkende: Malú Caño Valladeres, Giselle Odette Diógenes Domínguez Rodríguez, Juani Santos Peréz, Mariela Castro Espín, Stan Monstrey, Marlon Buncamper. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Rise & Shine. Kinostart: 3. November 2016
Links zum Thema:
» Deutsche Homepage zum Film mit allen Kinoterminen
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Tags: transit havana, kuba, daniel abma, mariela castro
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