Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?27465

Ein Porträt aus der Serie von Yvonne Most. Ihre Ausstellung "Er.Sie.Es." ist noch bis zum 30. November im Rathaus Halle zu sehen (Bild: Yvonne Most)

Im Rathaus Halle wurde im Rahmen der Hirschfeld-Tage die beeindruckende Fotoausstellung "Er.Sie.Es." von Yvonne Most eröffnet.

Von Katharina Menzel

Mit der feierlichen Eröffnung der Fotoausstellung "Er.Sie.Es." im Rathaus fanden am Donnerstag die dritten Hirschfeld-Tage ihren Anfang in Halle (Saale). Um 18 Uhr begrüßten die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Susanne Wildner und Elke Prinz als Vertreterin des Dornrosa e.V. die zahlreichen Gäste im Ratshof.

Die Porträtserie der Fotografin Yvonne Most setzt sich mit der Thematik von Geschlechterrollen und Identität auseinander, stellt diese infrage und ruft den Betrachtenden zur Reflexion von Klischees auf. Bis zum 30. November können die Bürger die Ausstellung, die in Kooperation von Dornrosa mit dem Gleichstellungsbüro organisiert wurde, auf der dritten Etage des städtischen Rathauses besuchen. Die hallesche Band "Stilbruch" sorgte für stimmgewaltige Untermalung des Abends.

Ausstellung passend zum Motto "Wir l(i)eben die Vielfalt"

Nicht ohne Grund wurde die fotografische Spurensuche als Auftakt der Veranstaltungsreihe gewählt, spiegelt diese das Motto der diesjährigen Hirschfeld-Tage "Wir l(i)eben die Vielfalt" doch in jedem einzelnen der 25 Porträts wider. Dem Betrachter wird es mitunter schwerfallen, die abgebildeten Personen eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuzuordnen.

Entsprechende Mutmaßungen werden durch die Bildtitel weder bestätigt oder widerlegt. Gerade diese Problematik möchte Yvonne Most mit ihrer Arbeit beleuchten: Menschen sind Menschen und der Rezipient soll dazu angehalten werden, ebendiese nicht nach der konditionierten Herangehensweise, es gebe nur das eine oder das andere, zu beurteilen.


Die Fotografin Yvonne Most (links) im Gespräch mit Elke Prinz von Dornrosa e.V.

Was bleibt übrig, wenn es dem Betrachter nicht möglich ist, seine ersten und ursprünglichsten Gedanken bestätigt zu wissen, Vergleiche und Beurteilungen vorzunehmen? Irritation und Unsicherheit. Das wiederum zwingt ihn zum genaueren Hinsehen, zum Hinauswachsen über Rollen- und Geschlechterklischees, zu einem Blick auf das Individuum – auf ein Individuum frei von fremder Zuschreibung, frei vom Zwang, etwas und jemand sein zu müssen, der den Normen einer gesellschaftlichen Meinung entspricht.

Rollenklischees haben Yvonne Most schon immer gestört

Im Gespräch mit der gebürtigen Thüringerin Yvonne Most, die ihren Master of Photography an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle absolviert hat, erfahren wir, dass die Fotoserie 2012 im Rahmen ihrer Masterarbeit entstanden ist. Auf die Frage nach dem "Warum" erzählt sie, die typischen Rollenklischees hätten sie schon immer gestört und sie habe stets alle sogenannten grundsätzlichen gesellschaftlichen Annahmen hinterfragt. Zudem habe sie damals einen erfolglosen Aufruf für die Modelsuche gestartet und dann letztlich jedes einzelne der 25 Foto-Modelle ganz direkt, mitten im Alltag, persönlich gefragt.


Gäste beim Sektempfang zur Ausstellungseröffnung

Mit einem Lächeln berichtet Most, wie schwierig es manchmal für sie gewesen sei, die Leute ohne ein "er" oder "sie" anzusprechen, da sie nicht abschätzen konnte, wie diese reagieren würden. Mit jedem der Menschen verbrachte sie schließlich mindestens eine Stunde im Fotostudio. Diese Zeit, so sagt sie, sei nicht nur mit fotografischer Arbeit verbracht worden, sondern mit sehr intimen Gesprächen und Offenbarungen.

Viel Gesprächsstoff im Rathaus

Ein Porträt zeige auch immer ein Stück Heimat, das Zuhause im eigenen Körper, das Empfinden und Wohlfühlen in sich und der Umwelt. Einige der Porträtierten hätten einen langen, beschwerlichen Weg hinter sich zum Gefühl der eigenen, inneren Heimat, andere seien von Anfang an in sich zu Hause gewesen und wieder andere noch auf der Reise, berichtet Most.

In ihrer Begrüßungsrede unterstrich die Gleichstellungsbeauftragte Susanne Wildner die Intention der Fotografin, Diskussionen anzuregen. Seit dem Aufhängen der Bilder vor wenigen Tagen hätten diese bereits für viel Gesprächsstoff in der Stadtverwaltung gesorgt. Sie hoffe zudem, dass noch viele weitere Menschen kommen werden, um sich mit dem Spannungsfeld von Zuordnung und Irritation auseinanderzusetzen.

Galerie:
Er.Sie.Es.
12 Bilder


#1 LarsAnonym
  • 04.11.2016, 16:59h
  • Eine interessante, faszinierende Porträtreihe von sehr schönen Menschen, die in sich ruhen, faszinierend, aber auch ein wenig unnahbar erscheinen. Leider fehlt den Bildern das, was die Fotografin erleben konnte: Der Dialog, das Kennenlernen das Öffnen der eigenen und fremden Persönlichkeit im Gespräch - und die Erfahrung, wie und als was man selber wahrgenommen wird.

    Ich hoffe, es wird in Zukunft auch Projekte geben, die den Aspekt der Kommunikation mit all ihren Irrtümern, Irritaionen und Lernprozessen behandeln.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 tti3_allianceProfil
  • 04.11.2016, 18:54hWashington State
  • ... überaus positiv das auch Menschen aus allen Bereichen, die nicht der 2 Geschlechterideolgie angehören oder zugehörig fühlen, ein Bild in der Öffentlichkeit gegeben wird.

    .

    Jedes Geschlecht verdient Resepkt
  • Antworten » | Direktlink »