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Szene trifft Politik: Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen und Schirmherr der Hirschfeld-Tage, wurde im Theater Erfurt von Schwestern der Perpetuellen Indulgenz umrahmt (Bild: Christian Fischer / Bild13.com)

Mit einem glanzvollen und politischen Festakt im Theater Erfurt wurden am Samstagabend die 3. Hirschfeld-Tage offiziell eröffnet.

Eine solche starke Geste hatte es weder 2012 in Berlin noch 2014 in NRW gegeben: Wer am Samstag aus dem Erfurter Hauptbahnhof schritt, wurde mit einem großen Banner "Willkommen zu den Hirschfeld-Tagen 2016" begrüßt. Das Transparent hing zudem an einem historischen Gebäude: Im ehemaligen Hotel Erfurter Hof fand 1970 das erste deutsch-deutsche Gipfeltreffen zwischen Willy Brandt und Willi Stoph statt, hier sprach der SPD-Bundeskanzler zu den Erfurter Bürgern.


Willkommens-Banner gegenüber vom Erfurter Hauptbahnhof (Bild: TSK / Benjamin Krüger)

Zahlreiche Gäste aus ganz Deutschland waren zum Festakt am Samstagbend im Theater Erfurt angereist, mit dem die dritten Hirschfeld-Tage feierlich eröffnet wurden. Erstmals findet die Veranstaltungsreihe mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in drei Bundesländern gleichzeitig statt. Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen noch bis zum 19. Dezember insgesamt 115 Veranstaltungen auf dem Programm.

"Wir brauchen noch viele Hirschfeld-Tage", sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in seiner Eröffnungsrede – neben Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) und Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) hat er auch die Schirmherrschaft übernommen.

"'L(i)ebe die Vielfalt' ist ein Motto, das kaum besser in diese Zeit passen könnte. Es bedeutet auch, sich jeden Tag auseinanderzusetzen mit Stigmatisierung, Hass, Rassismus und Ausgrenzung und immer wieder für genau diese Vielfalt in unserer Gesellschaft einzutreten!", sagte Ramelow. Das beginne bei der Bildung in Kita und Schule und ende im Unternehmen oder Verein. "Deswegen sind gerade die Hirschfeld-Tage wichtig, sie sind lebendiger Ausdruck der Vielfalt, die unser Gemeinwesen bereichert."

Das Motto der Hirschfeld-Tage als Ermunterung und Mahnung

Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) bezeichnete in ihrer Rede das Motto der Hirschfeld-Tage als Ermunterung und Mahnung zugleich: "Es ist eine Ermunterung dazu, etwas sichtbar zu machen und zu feiern, was im Leben aller Menschen einen zentralen Platz hat: Liebe und Partnerschaft. Und zwar Liebe und Partnerschaft zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher sexueller Orientierung."

Bei der Akzeptanzförderung sei jedoch noch viel zu tun, so Keding: "Während Ballungsgebiete wie Berlin und Nordrhein-Westfalen, wo die Hirschfeld-Tage zuletzt ausgerichtet wurden, sicherlich als 'alte Hasen' auf dem Gebiet der Gleichstellungspolitik für LSBTTI gelten können, stehen wir in Bundesländern mit einem hohen Anteil an ländlichen Regionen in vielen Bereichen noch am Anfang."

Engagement und Politik für Vielfalt und Akzeptanz von sexueller Vielfalt sei keine Klientelpolitik, stellte Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) in ihrem Grußwort klar. "Sie ist ein Gewinn für die Gesellschaft als Ganzes. Nur wenn jeder Einzelne sich in seinem individuellen Lebensentwurf angenommen und akzeptiert fühlt, kann er seine Potentiale in Beruf, Gesellschaft und Familie entfalten. In diesem Sinne trägt die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen zur Stärkung unseres demokratischen Gemeinwesens, seiner kreativen Potentiale und eines respektvollen Miteinanders bei."

In ihrer Rede konnte sich Köpping einen Seitenhieb gegen EU-Kommissar Günther Oettinger nicht verkneifen: "Wer von Zwangshomoehen spricht, sollte wirklich darüber nachdenken, ob er in seinem Job richtig ist. Da muss nichts mehr erklärt werden. Sondern da gehört eine glaubwürdige und ehrliche Entschuldigung ausgesprochen."

Staatssekretär Ulrich Kelber fordert Kollektiventschädigung


Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium, vertrat Schirmherr Heiko Maas (Bild: Christian Fischer / Bild13.com)

In Vertretung von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) war Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) nach Erfurt gereist. In seinem Grußwort sprach er den Gesetzentwurf zur Rehabilitierung der nach 1945 verfolgten Schwulen an, konnte jedoch noch keine Neuigkeiten verkünden: "Ich hoffe, dass wir hier schnell eine Zustimmung auch der anderen Bundesministerien und des Bundeskanzleramts erhalten. Dann wollen wir das eigentliche Gesetzgebungsverfahren einleiten. Ich wünsche mir, dass wir ein entsprechendes Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschieden können, und dass wir uns im Deutschen Bundestag zusätzlich zu einer Kollektiventschädigung im Interesse auch der vielen Unbekannten entschließen werden, die unter § 175 StGB gelitten haben!"

Jörg Litwinschuh, der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die die Hirschfeld-Tage mit regionalen Partnern veranstaltet, hob die politische Bedeutung der Veranstaltungsreihe hervor: "Gerade in diesen Tagen bedeuten Antidiskriminierungsarbeit und das Sichtbarmachen von LSBTTIQ-Lebensweisen auch ein Auseinandersetzen mit denjenigen Menschen, Ideologien und gesellschaftlichen Strukturen, die Repression in der Vergangenheit ermöglicht haben und aktuell wieder vorantreiben."

Mehr Beifall als für die Reden gab es nur für das Kulturprogramm im Theater Erfurt. Moderatorin Griseldis Wenner bat den Leipziger Chor Die Tollkirschen, das Kulturduo Spass bei Saite und als Stargast Marianne Rosenberg auf die Bühne. (cw)



#1 ggagagastAnonym
  • 07.11.2016, 08:31h
  • Kann mir mal jemand erklären, wie dieser Satz genau zu verstehen ist: "Und zwar Liebe und Partnerschaft zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher sexueller Orientierung."

    Danke
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#2 superdikeAnonym