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Das Berliner Ehrengrab für Hilde Radusch wurde am Sonntagnachmittag auf dem Alten St.-Matthäus Kirchhof feierlich eingeweiht (Bild: Carsten Schatz)

  • 7. November 2016, 11:57h, Noch kein Kommentar

Späte Ehrung für die antifaschistische Widerstandskämpferin Hilde Radusch, die sich seit den Siebzigerjahren in lesbischen Projekten engagierte.

Auf dem Alten St.-Matthäus Kirchhof in Berlin wurde am Sonntag ein Ehrengrab für die antifaschistische Widerstandskämpferin, linke Politikerin und lesbische Aktivistin Hilde Radusch (1903-1994) eingeweiht. Für die Ehrung hatte sich unter anderem das Frauengeschichtsnetzwerk "Miss Marples Schwestern" starkgemacht.

Radusch war von 1929 bis 1932 Stadtverordnete der KPD, nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde sie für ein halbes Jahr inhaftiert. Zusammen mit ihrer Freundin Else Klopsch führte sie ab 1941 ein Restaurant im Berliner Scheunenviertel, das auch als Unterschlupf für Illegale diente. Im August 1944 musste das lesbische Paar untertauchen und lebte bis Kriegsende versteckt in einer Gartenlaube.

1948 trat Radusch in die SPD ein. Seit den Siebzigerjahren engagierte sie sich in der Neuen Frauenbewegung. Sie war unter anderem Mitbegründerin von L74, einer Berliner Gruppe älterer Lesben. Von ihr ist der Satz überliefert: "Ich will ja nur mein Menschenrecht, das Recht auf meinen Schatz!"


Gedenktafel für Hilde Radusch am Haus Eisenacher Straße 15 in Berlin-Schöneberg (Bild: OTFW, Berlin / wikipedia)

"Erstmals bekommt eine frauenliebende, eine lesbenpolitische Akteurin ein Ehrengrab", erklärte Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, in einer Ansprache auf dem Friedhof. "Hilde Radusch gehört für mich in eine Reihe mit Persönlichkeiten wie Karl Heinrich Ulrichs, Magnus Hirschfeld, Johanna Elberskirchen und Lili Elbe."

Mit einem Ehrengrab werden in der Hauptstadt unter anderem Verstorbene geehrt, "die sich um Berlin besonders verdient gemacht oder über Berlin hinaus hervorragende Leistungen vollbracht haben". Die aus öffentlichen Mitteln finanzierten Grabstätten werden mit roten Steinen gekennzeichnet, die die Aufschrift "Ehrengrab Land Berlin" über dem Stadtwappen tragen. (cw)