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  • 08.11.2016, 11:09h           2      Teilen:   |

"Die Florence Foster Jenkins Story"

Emanzipation der schiefen Töne

Artikelbild
Auftritte wie eine campe Travestieshow: Im Dokudrama voon Ralf Pleger schlüpft die Mezzosopranistin Joyce DiDonato in die Rolle von Florence Foster Jenkins (Bild: Edition Salzgeber)

Das Dokudrama "Die Florence Foster Jenkins Story" setzt der vielleicht schlechtesten Opernsängerin aller Zeiten ein Denkmal voller Brüche, Spekulationen und schrägem Camp. Ab Donnerstag im Kino.

Von Carsten Moll

Schon als Kind sang die 1868 in Pennsylvania geborene Florence Foster für ihr Leben gern. Ihre wohlhabenden Eltern spendierten der Tochter zunächst zwar Klavierstunden, aber rieten ihr doch entschieden von einer Gesangskarriere ab. Denn Florence Foster Jenkins, wie sie sich nach der Heirat mit einem älteren Arzt nennen sollte, mangelte es zwar nicht an Leidenschaft, aber dafür umso mehr an musikalischem Talent. Ohne jegliches Taktgefühl sang sich die Sopranistin am liebsten durch bekannte Opernarien und ergänzte diese dabei um allerlei schiefe Töne.

Für ihre eigene Unfähigkeit war Florence erstaunlicherweise jedoch vollkommen taub, sie selbst hielt sich zeit ihres Lebens für eine begnadete Sängerin. So begann sie nach dem Tod ihres Vaters endlich die lang erträumte Gesangskarriere und eroberte mit ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein sowie unfreiwillig komischen Auftritten die New Yorker Konzertsäle. Mit 76 Jahren, kurz vor ihrem Tod, sollte die vielleicht schlechteste Opernsängerin aller Zeiten schließlich sogar vor ausverkauftem Haus in der berühmten Carnegie Hall auftreten.

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Verspieltes Dokudrama

Poster zum Film: "Die Florence Foster Jenkins Story" startet am 10. November 2016 im Kino
Poster zum Film: "Die Florence Foster Jenkins Story" startet am 10. November 2016 im Kino

Bevor die unglaubliche Lebensgeschichte der Florence Foster Jenkins Ende November als Spielfilm im Kino zu sehen ist, stellt der Filmemacher Ralf Pleger die untalentierte Diva in einem Dokudrama genauer vor. Im Gegensatz zu Stephen Frears' Biopic mit Meryl Streep in der Hauptrolle wirkt Plegers Zugang dabei um einiges verspielter und gibt sich gern Spekulationen hin.

Die zahlreichen Ungewissheiten und Uneindeutigkeiten in Foster Jenkins' Lebenslauf werden in Interviews von Experten wie dem Musikwissenschaftler Kevin Clarke oder der Schauspielerin April Woodall nämlich höchst unterschiedlich gedeutet: Mal wird aus der miserablen Opernsängerin da eine Ikone des Camp, manche sehen in ihr hingegen eine Feministin, während andere Foster Jenkins wiederum vor allem als eitle Exzentrikern wahrnehmen.

Dass "Die Florence Foster Jenkins Story" seine schillernde Protagonistin nie ganz zu fassen bekommt, ist dabei kein Makel des kurzweiligen Porträts und raubt dem Phänomen nichts von seiner Faszination. Im Gegenteil, es gelingt Pleger erst durch diese Widersprüche sowie Brüche in der Inszenierung der Strahlkraft von Foster Jenkins nahezukommen und der Diva ein würdiges Denkmal zu setzen.

Verschmelzung von Realität und Selbstwahrnehmung

Zu den Höhepunkten des Dokudramas gehören dabei sicherlich die Spielszenen, in denen die gefeierte Mezzosopranistin Joyce DiDonato Foster Jenkins verkörpert. In an eine Travestieshow erinnernden, von den Auftritten der echten Foster Jenkins inspirierten Performances verschmilzt Pleger dabei auf gekonnte Weise die Realität mit Foster Jenkins' gestörter Selbstwahrnehmung: DiDonato imitiert nämlich einerseits den schrägen Gesang der Titelheldin, führt aber im Wechsel hierzu auch vor, wie diese sich selbst gehört hat – nämlich als technisch perfekte Sängerin.

Als so grotesk und aberwitzig diese Camp-Inszenierungen auch erscheinen mögen, in ihnen verbergen sich dennoch Kraft und Schönheit. Florence Foster Jenkins mag die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten gewesen sein, ein außergewöhnlicher Mensch war sie sie ganz sicherlich. Und das zeigt Pleger in seinem Film auf eindrucksvolle Weise.

Direktlink | Original-Trailer zum Film

  Infos zum Film
Die Florence Foster Jenkins Story. Doku-Drama. Deutschland 2016. Regie: Ralf Pleger. Darsteller: Joyce DiDonato, Adam Benzwi, Jan Rekeszus. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: englisch-deutsche Originalfassung. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 10. November 2016
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Die Florence Foster Jenkins Story

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Tags: florence foster jenkins, ralf pleger, oper, edition salzgeber
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Reaktionen zu "Emanzipation der schiefen Töne"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
10.11.2016
12:06:36


(0, 2 Votes)

Von Lars


Schade, dass kulturelle Themen so wenig deiskutiert werden, dabei sagen sie meiner Erachtens sehr viel aus über den Stand der queeren Emanzipation und des Selbstverständnisses.

Die glorreiche, tragische oder lächerliche "Diva" scheint nach wie vor selbstverständliche Identitfikationsfigur schwuler Männer zu sein, egal ob das Vorbild hetero, lesbisch oder queer war.

Ich finde es spannend, dass hier eine Figur thematisiert wird, die weder bewusst "camp" war, nicht subversiv, noch erfolgreich in ihrer grandiosen Selbstinszenierung auf der Bühne - und die man aus irgendeinem Grunde doch als wahr und authentisch empfinden kann.

Die Jenkins ist da irgendwie besonders. Irgendwie hat sie es geschafft, trotz ihrer schrillen Töne rüberzurbingen, was sie "meint", was sie innerlich hörte - Nur weil man von dieser erkennbaren Absicht irgendwie angerührt wird, weil ihr stimlich-musikalisch-technisches Versagen ihre Musikalität nicht verleugnet, weil man es mithören kann, ist sie auch im tragikomischen Scheitern an ihren Sehnsüchten eine ernst zu nehmende und auf ihre Art unsterbliche Künstlerin geworden.

Ich weiß nicht, wie weit man - bei aller identifikatonsbereitschaft - ihre Innenwelt queer vereinnahmen kann, ohne das zu thematisieren. Ob die Jenkins als Heteroweib von athletischen Männern in roten Höschen im Glitzernebel geträumt hat? Diese Art Vision scheint mir dann doch eher ein spezifisch queerer Traum zu sein, der für einer absichtlich queeren Diva passender wäre.


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#2
10.11.2016
23:52:44


(-1, 1 Vote)

Von Patroklos
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Da ziehe ich doch das Biopic mit Merryl Streep vor:

Youtube-Video:


Die Frau kann einfach ALLES spielen!


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