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  • 08.11.2016, 14:29h               Teilen:   |

Jugendgeschichtsprojekt Engagement-Schmiede

Queere Geschichten aus Halle: "Ich bin doch nicht allein"

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Plattenbauten in Halle: In Wirklichkeit ist die Saale-Stadt bunter als viele denken (Bild: (cc) Jonas Bergmeier / flickr)

Im Rahmen der Hirschfeld-Tage wurden berührende Erfahrungsberichte aus dem lokalen Sammelband "Auf anderen Wegen" vorgestellt.

Von Katharina Menzel

"Ein rundum gelungener Abend voller witziger, anrührender und nachdenklich stimmender Geschichten und Interviews, perfekt abgemischt durch ein kleines Büffet und den Empfang der herzlichen Gastgeber", fasst eine Besucherin die Veranstaltung zusammen. Im Rahmen der Hirschfeld-Tage fand am Montag in Halle (Saale) die Lesung "Auf anderen Wegen … schwul-lesbische Vergangenheit – vielfältige Gegenwart und gemeinsame Zukunft" in den Franckeschen Stiftungen statt.

Einige der ehrenamtlichen jungen Erwachsenen des durch die Aktion Mensch geförderten Projekts "Engagement-Schmiede" des BBZ lebensart trugen Auszüge aus dem entstandenen Sammelband vor. "Ich bin so stolz auf meine Ehrenamtler, die in so kurzer Zeit ein so umfangreiches Werk zusammengestellt und möglich gemacht haben", verrät die Verantwortliche, Marlen Weller-Menzel, gerührt.

Nach der Begrüßung durch BBZ-Vorstandsmitglied Stefan Fiebig, in der er eine kurze Einführung ins Thema des Abends gab sowie einige Worte zum Leben Magnus Hirschfelds sagte, leitete seine Mitarbeiterin Weller-Menzel zum eigentlichen Veranstaltungsinhalt über. Der Sammelband "Auf anderen Wegen" entstand im Rahmen des medienpädagogischen Jugendgeschichtsprojektes. Das Buch solle anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Halle dabei helfen, durch die Auseinandersetzung mit Vergangenem und Erfahrungen von anderen die eigene Identität besser zu verstehen, zu akzeptieren und zu sehen, dass sie nicht allein sind.

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Erfahrungsberichte und Interviews

Erster Cover-Entwurf des vorgestellten Sammelbandes – im Buchhandel ist das spannende Werk leider noch nicht erhältlich
Erster Cover-Entwurf des vorgestellten Sammelbandes – im Buchhandel ist das spannende Werk leider noch nicht erhältlich

Mit dem Text "Ich bin doch nicht allein" begann Franziska Nüsch die Lesung mit einer spritzigen Geschichte über eine Jugendliche, die immer dachte, sie sei die einzige lesbische junge Erwachsene auf der Welt oder zumindest in der Stadt, in der sie lebte. Letzlich erfuhr sie von einer Auswärtigen, dass sie nur einmal richtig hätte hinsehen müssen, denn ihre Heimatstadt gilt zumindest als kleine "Homo-Hochburg".

Emotionaler reagierten die Zuhörer bei den vorgetragenen Interviews, für Matthias zum Beispiel war zu seiner Schulzeit klar: "Ich kann nicht schwul sein." Die Probleme, die sich daraus ergeben würden, wollte und konnte er nicht ertragen, war er doch auch so, ungeoutet, bereits Zielscheibe bösartiger Jugendstreiche, wurde mit Essensresten beworfen oder als "Schwuchtel" beschimpft.

Auch die eingereichte Geschichte einer Mutter von vier Kindern, vorgetragen von Nadine Böttcher, sorgte für ein Raunen im Publikum. Sie erzählte von ihrer Verzweiflung und ihrer Angst, was denn die anderen, die Nachbarn und Verwandten, nur von ihr denken müssen, haben sich doch drei ihrer vier Kinder als homosexuell geoutet. Der Weg sei lang gewesen, bis sie endlich eingesehen habe, dass das einzige, was wirklich zählte, das war, dass ihre Kinder glücklich seien. Sie beteuerte: "Aber eines kann ich mit absoluter Sicherheit sagen: es gab keinen einzigen Tag, an dem ich sie auch nur ein ganz kleines bisschen weniger geliebt habe."


Lasen aus dem Sammelband (v.l.n.r.): Sandra Wettekamp, Franziska Nüsch und Nadine Böttcher (Bild: Katharina Menzel)


"Ich wusste schon immer, dass irgendetwas an mir anders ist"

Das Interview mit dem Transmann Samuel beleuchtete noch einmal einen ganz anderen Aspekt der gel(i)ebten Vielfältigkeit, für die die Hirschfeld-Tage stehen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs stand er noch ganz am Anfang seiner Hormonbehandlung und berichtete von seinem Glück, im BBZ lebensart mit der Jugendgruppe Queerulanten neue Freunde gefunden zu haben, die ihm Rat, Unterstützung und Raum für seine Identität boten. Anderen transsexuellen Menschen möchte er Mut machen: "Traut euch mehr zu und zweifelt euch nicht selbst an! Gebt euch nicht den gesellschaftlich konstruierten Konventionen hin, wenn ihr mit ihnen nicht konform geht."

Strahlend empfingen die Vortragenden nach der Lesung den Applaus der Zuhörer. Fragen, wann der Sammelband veröffentlicht werde und ob ein zweiter Band geplant sei, beantwortete Marlen Weller-Menzel: "Erstmal gibt es nur diesen Band, zusätzlich entstehen in dem Projekt aber noch ein Film sowie eine Wanderausstellung, die ebenfalls im BBZ lebensart vorgestellt wird." Vorrangig für Jugendliche und junge Erwachsene konzipiert, sei das Ziel des Projektes auch, die Exponate vor allem Schulen zur Verfügung zu stellen.

  Hirschfeld-Tage 2016
Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen bis zum 19. Dezember bei den dritten Hirschfeld-Tagen 115 Veranstaltungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf dem Programm. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld als Veranstalterin kooperiert dabei mit neun regionalen Partnern aus der Community. Weitere Infos zum Programm auf hirschfeld-tage.de.
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Tags: halle, engagement-schmiede, bbz lebensart, hirschfeld-tage
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