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Geknutscht wird auch in "Spa Night" – doch die Lust steht in diesem Sauna-Drama ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt (Bild: Pro-Fun Media)

Andrew Ahns Kinodebüt "Spa Night" begleitet einen verschlossenen Jugendlichen durch die Koreatown von Los Angeles, mitten hinein ins homoerotische Treiben der traditionellen Schwitzbäder.

Von Carsten Moll

David lebt mit seinen aus Korea stammenden Eltern in Los Angeles. Hier führt die Familie ein kleines Restaurant, in dem auch der zurückhaltende Sohn tatkräftig mitarbeitet. Als Davids Vater Jin sein Geschäft jedoch eines Tages aus finanziellen Gründen aufgeben muss, sieht sich die Familie gezwungen, einen Neuanfang zu wagen. Während Davids Mutter Soyoung schnell als Kellnerin im Restaurant einer Bekannten eine neue Stelle findet, tut sich Jin bei der Arbeitssuche schwer und tröstet sich mit Alkohol.

Für David wünschen sich die Eltern ein besseres Leben und drängen den Sohn daher, sich mit Hilfe teurer Intensivkurse auf ein Universitätsstudium vorzubereiten. Aber anstatt zu lernen, nimmt der Jugendliche heimlich eine Stelle in einem koreanischen Badehaus an, um seine Eltern finanziell unterstützen zu können. Hier, zwischen Schwitzräumen und Duschen, entdeckt der junge Mann eine geheime Welt voller Homoerotik und verborgener Sehnsüchte, die David schließlich in eine Identitätskrise stürzen soll.

Nachdenkliches Porträt eines jungen Amerikaners


Poster zum Film: "Spa Night" startet ab 10. November in einigen wenigen deutschen Kinos

Eine Inhaltsangabe zu Andrew Ahns Langfilmdebüt "Spa Night" muss wohl zwangsweise in die Irre führen. Denn was so ausformuliert nach einer dramatischen Coming-of-Age-Story voller schwülstigem Erotismus klingt, erweist sich beim Ansehen rasch als nachdenkliches Porträt des jugendlichen Protagonisten.

An der Seite des von Joe Seo einfühlsam gespielten Helden erkundet der Film L.A.s Koreatown und das von großer Nähe geprägte Familienleben Davids. Die Lebenswelt sowie die Figuren erscheinen dabei zu keinem Zeitpunkt eindimensional, sondern sind komplex gezeichnet. Klare Feindbilder sowie einfache Lösungen vermeidet Regisseur und Drehbuchautor Ahn ebenso wie die Formelhaftigkeit eines typischen Coming-out-Films.

Keine krassen Brüche oder jugendliche Rebellionen machen "Spa Night" aus, sondern Davids behutsames Entdecken seiner Umwelt. Sein oftmals schmerzhafter Reifeprozess vollzieht sich dabei lediglich in kleinen Schritten: Ahns Drama spürt subtilen Entwicklungen nach statt eine vollkommene Emanzipation oder einen gesellschaftlichen Befreiungsschlag zu illustrieren.

Seelenleben statt sexueller Spannung


Die eher langsam kreisende, nie nach vorne stürmende Dramaturgie von "Spa Night" dürfte so manchen Zuschauer sicherlich genauso enttäuschen wie die an sexueller Spannung desinteressierten Streifzüge durch die Badeanstalt. Ahn erzählt hier keine schwule Erweckungsgeschichte, sondern breitet ebenso geduldig wie neugierig einen filmischen Kosmos aus, der präzise das Seelenleben der Hauptfigur auslotet.

So wirkt Andrew Ahns Kinodebüt oberflächlich vielleicht genauso verschlossen, unnahbar und auf der Stelle tretend wie es der junge Held oft tut. Ein genauer, unvoreingenommener Blick auf "Spa Night" lohnt sich allerdings und bringt ganz unvermutete Freuden und Erkenntnisse zum Vorschein.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Spa Night. Drama. USA 2016. Regie: Andrew Ahn. Darsteller: Joe Seo, Haerry Kim, Youn Ho Cho, Tae Song, Ho Young Chung, Linda Han, Eric Jeong, Janice Pak. Laufzeit: 97 Minuten. Sprache: englisch-koreanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Pro-Fun. Kinostart: 10. November 2016
Galerie:
Spa Night
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