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  • 10.11.2016, 13:58h           2      Teilen:   |

"Der Ost-Komplex"

Ein schwules Stasi-Opfer wartet auf Entschuldigung

Artikelbild
Eine schwule Liebesgeschichte ist der Ausgangspunkt für das persönliche und politische Drama des "DDR-Zeitzeugen" Mario Röllig (Bild: Basis-Film)

Jochen Hicks Doku "Der Ost-Komplex" erzählt die Geschichte von Mario Röllig, der Besuchern des ehemaligen Berliner Stasi-Gefängnisses seine frühere Zelle zeigt.

Mehr als 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist der Kampf um die Deutungshoheit über Geschichte und Bedeutung der DDR in vollem Gange. Mario Röllig, Jahrgang 1967, aus SED-treuem Elternhaus und offen schwul, ist einer der jüngsten und viel gefragter "DDR-Zeitzeuge". Er macht Führungen in dem zur Gedenkstätte umgewandelten ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, in dem er selbst 1987 einsaß.

Der ehemalige Kellner am Ost-Berliner Flughafen und spätere Zigarrenverkäufer im West-Berliner KaDeWe hält Vorträge vor Schulklassen, an US-Universitäten und vor der konservativen Partei, in der er heute selbst Mitglied ist. Röllig macht sein Schwulsein bei seinen Auftritten stets auch zum Thema, was bisweilen zu Irritationen führt. Denn eine schwule Liebesgeschichte ist der Ausgangspunkt seines Dramas: 1985 lernte Röllig auf einer Reise nach Ungarn in einem Budapester Thermalbad einen Politiker aus West-Berlin kennen, der in Röllig die Lust auf den Westen weckte.

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Gescheiterte Flucht in den Westen

Poster zum Film: In Berlin startet "Der Ost-Komplex" am 10. November 2016, im Rest der Republik erst am 19. Januar 2017
Poster zum Film: In Berlin startet "Der Ost-Komplex" am 10. November 2016, im Rest der Republik erst am 19. Januar 2017

Zwei Jahre lang trafen sich die beiden immer wieder in Ost-Berlin – unter fortwährender Beobachtung der Stasi. 1987 versuchte Röllig auf eigene Faust über die grüne Grenze von Südungarn nach Jugoslawien zu fliehen, um von dort nach West-Berlin und zu seinem Freund zu gelangen. Doch der Fluchtversuch misslang. Über Umwege und mit Verzögerungen gelangte Röllig schließlich doch in den Westen. Doch die Liebesgeschichte endete mit einer herben Enttäuschung – so seine immer wieder vorgetragene Geschichte.

Heute diskutiert Röllig mit Politikern, beteiligt sich an Mahnwachen und Demonstrationen und stößt dabei mit Sympathisanten der ehemaligen DDR sowie Befürwortern sozialistischer und kommunistischer Gesellschaftsentwürfe zusammen. Diese sehen in Menschen wie Röllig Geschichtsverfälscher und Kommunistenhasser im Auftrag des herrschenden Systems. Doch der Zeitzeuge habe eben immer Recht. Er sei der größte Feind des Historikers, denn man könne ihn so schwer widerlegen.

Das Minenfeld deutsch-deutscher Geschichtsaufarbeitung

Mario Röllig ist kein Intellektueller. Er spricht viel über die DDR. Seine Geschichte habe ihn politisch und zum Verneiner gesellschaftlicher Utopien gemacht. Den Begriff "Freiheit" verwendet er oft. Auch spricht Röllig über die Vorzüge des Kapitalismus, doch was versteht er darunter? Rölligs Gegenspieler dagegen beharren auf gesellschaftlichen Utopien. Aber sie sprechen erstaunlich wenig über die ehemalige DDR.


Mario Röllig im Gespräch mit dem Berliner Linken-Chef Klaus Lederer (Bild: Basis-Film)


Wie funktionieren Zuhören, Gespräch, Verständigung, Streit und Konfrontation auf dem Minenfeld deutsch-deutscher Geschichtsaufarbeitung, welches noch heute mit Tabus und Redeverboten durchsetzt scheint? Und was macht dies mit einem Menschen wie Röllig, der seine für ihn traumatisierende Geschichte bereits mehr als tausend Mal vorgetragen hat? Einer, der auf Entschuldigungen von seinen ehemaligen Peinigern aber auch von seinem damaligen Liebhaber wartet, während sich diese nicht schuldig fühlen. Und welchen persönlichen oder sozialen Gewinn bezieht Röllig für sich daraus?

Jochen Hicks Doku "Der Ost-Komplex" beobachtet Rölligs Führungen und Begegnungen. Der Film begleitet ihn zu seiner Familie, zu ehemaligen Kollegen und Gegenspielern und erzählt ganz nebenbei die dramatische Lebensgeschichte, aus der er seine Antriebskraft bezieht. (cw/pm)

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

  Infos zum Film
Der Ost-Komplex. Die Geschichte des Mario Röllig. Dokumentarfilm. Deutschland 2016. Regie: Jochen Hick. Laufzeit: 90 Minuten. Mitwirkende: Mario Röllig. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Basis-Film. Kinostart in Berlin: 10. November 2016. Bundesstart: 19. Januar 2017
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Tags: der ost-komplex, ddr, stasi, jochen hick, mario röllig
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Reaktionen zu "Ein schwules Stasi-Opfer wartet auf Entschuldigung"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
10.11.2016
17:11:15


(+2, 2 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


Wieder stehen (1987)

Lang genug auf Eis gelegen,
lang genug umsonst geheult,
muss die starren Glieder regen,
eh der Frost ins Herz sich beult.

Hoffnung kommt nicht vor der Trauer,
Rettung kommt von Ohnmacht nicht,
Leben ist von kurzer Dauer,
keine Zeit mehr für Verzicht.

In den Wirren deiner Strähnen
muss ich dir nicht widerstehn,
abgestürzt vom Rand der Tränen
kann ich in dir untergehn.

(Stephan Krawczyk)

Youtube-Video:


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#2
10.11.2016
18:22:24
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von markusbln11


Super Film! Empfehlenswert. Und das gerade weil nicht theoretisch von einem unrechtsstaat erzählt wird, sondern von einem menschen und seiner leidensgeschichte in einem solchen staat.

Fantastisch auch das von der redaktion gewählte foto. Klaus Lederer, Linken-Chef in Berlin und schwul, reicht die hand über alte gräben hinweg. Verebnet diese, gegen das Leugnen und Vergessen zugleich.

Einfach bewegend.

Auch eine lebensstory gerichtet an jüngere menschen aus der community, um mehr über die ddr, schwulsein in der ddr zu erfahren, über dinge zu hören, die heute in der ostalgie-welle gerne ausgeblendet werden.


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