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  • Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer von queer.de und seit 25 Jahren in schwul-lesbischen Medien zu Hause. Normalerweise schreibt er vor allem Konzepte, Angebote, Rechnungen und Mahnungen, in dieser Kolumne aber immer wieder auch Emails an Leute und Organisationen, über die er einfach nur den Kopf schütteln kann.

    12. November 2016, 14:29h, 78 Kommentare

Die ehemalige CDU-Familienministerin Kristina Schröder beschwert sich, dass Gegner der Ehe für alle homophob genannt werden. Ja wie denn sonst, fragt Micha Schulze.

Liebe Frau Schröder,

in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" beschweren Sie sich über zuviel "politische Korrektheit" in der westlichen Welt. "Wer gegen die Homo-Ehe ist, gilt sofort als homophob", beklagen Sie gar angebliche Sprechverbote in Deutschland.

Mit Verlaub, Frau Schröder, allein diese Aussage finde ich ziemlich homophob. Sie zeichnen das Bild einer angeblich lauten und einflussreichen Minderheit, die quasi nur darauf wartet, mit der angeblichen Homophobie-Keule die Meinungsfreiheit zu torpedieren. Das ist homophob, weil sie damit Vorurteile schüren – und Ursache und Wirkung verdrehen. Würde Ihre Partei, die CDU, Lesben und Schwule nicht bewusst diskriminieren, würde es auch keine entsprechenden Vorwürfe geben.

Aber ich bin doch schon beim CSD mitgefahren, werden Sie einwerfen. Ich habe schwule Freunde, ich kann doch gar nicht homophob sein. Doch. Selbst homosexuelle Menschen sind vor internalisierter Homophobie nicht gefeit.

Homophobie zeigt sich in der Ungleichbehandung


Die CDU-Politikerin Kristina Schröder war von 2009 bis 2013 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (Bild: medienmagazinpro / flickr)

Natürlich müssen wir unterscheiden zwischen Menschen, die Schwule vom Hausdach schmeißen, Lesben auf der Straße zusammenschlagen, im Landtag die Wiedereinführung des Paragrafen 175 fordern oder "nur" das Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare verteidigen – und das machen wir auch. Aber der Hintergrund dieser Taten und Einstellungen ist ein und derselbe: Homophobie, oder wir können es gerne auch Heterosexismus nennen. Mal stärker, mal deutlich schwächer ausgeprägt.

Nun gibt es keine allgemeingültige Definition, aber es hat sich durchgesetzt, den Begriff Homophobie nicht etwa als krankhafte Störung, sondern – wie Rassismus und Sexismus – als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber Lesben und Schwulen zu beschreiben. Eine Haltung, die sich unter anderem in einer Ungleichbehandlung äußert.

Wer mit Menschen nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung anders umgeht als mit allen anderen, ist für mich nicht nur latent homophob. Wer Menschen gar bestimmte Rechte verweigert, nur weil sie Menschen des gleichen Geschlechts lieben, ist für mich eindeutig homophob. Frau Schröder, erwarten Sie allen Ernstes von der LGBTI-Community, dass wir Diskriminierung schönreden?

Ein Staat schützt seine homosexuellen Bürger am besten, wenn er sie gleichbehandelt. Wer jedoch als Politiker öffentlich dafür wirbt, die Ungleichbehandlung im Eherecht beizubehalten statt endlich zu beenden, begünstigt weitaus gefährlichere Folgen von Homophobie.

Mit freundlichen Grüßen
Micha Schulze



#1 Patroklos
#2 goddamn liberalAnonym
  • 12.11.2016, 14:41h
  • Täter-Opfer-Umkehr im Land des rosa Winkels. Wer will Frau Schröder das Reden denn verbieten? Niemand!

    Und: Man sollte auch mal den Begriff 'politische Korrektheit' kritisieren.

    Die Verfassungen demokratischer Staaten lesen sich wie Kataloge der angeblichen 'politischen Korrektheit'.

    Und es ist ja auch so:

    Menschenwürde und Gleichheit vor dem Gesetz sind politisch richtig und rechtens , also korrekt!
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#3 ursus
  • 12.11.2016, 15:11h
  • im "übermedien"-podcast streiten stefan niggemeier und sascha lobo über "political correctness". recht anregend, wenn man sich darüber mal ein paar tiefere gedanken machen möchte. vielleicht ist das ja was für den samstagnachmittag auf dem sofa:

    uebermedien.de/9529/wort-und-totschlag/

    dort taucht u.a. der gedanke auf, man könne "political correctness" einfach durch "anstand" ersetzen. dem schließe ich mich an. "political correctness" ist ein politischer kampfbegriff der neuen rechten, um eigentlich (bisher) relativ unstrittige verhaltensregeln der höflichkeit, der menschlichkeit und des respekts und bisweilen sogar unsere verfassungsgesetzlichen grundwerte zu diskreditieren.

    dass schröder, die gleich zu beginn ihrer ministeriellen nicht-karriere mit dem schlagwort "deutschenfeindlichkeit" daherkam, sich nochmals in diese unselige täter_innen-opfer-umkehr einreiht, verwundert mich nicht.
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#4 truthAnonym
  • 12.11.2016, 15:12h
  • Sie ist in der CDU und hat laut eigener Aussage als Mädchen Poster von Helmut Kohl in ihrem Zimmer aufgehängt.

    Sagt doch schon alles.

    Wer einer Minderheit gleiche Rechte abspricht ist schlicht und einfach ein Arschloch.

    Frau Schröder gehört dazu.

    Ich möchte gar nicht wissen wie sie ihren Doktortitel bekommen hat.
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#5 LorenProfil
  • 12.11.2016, 15:17hGreifswald
  • Der Begriff "politische Korrektheit" ist ein von Rechten in den gesellschaftichen Diskurs getragener politischer Kampfbegriff um eigene menschenfeindiche Positionen diskussionswürdig erscheinen zu lassen (vgl. Metapolitik von de Benoist). Frau Schröder zeigt mit der Verwendung dieses Begriffs, dass es ihr bestenfalls an Wissen über Politik fehlt. Die schlechtere Variante ist, dass sie sich bewusst im Arsenal der politischen Rechten bedient und sich damit dort verortet.

    Ansonsten halte ich es für erwägenswert, in der direkten politischen Auseinandersetzung das Handeln zu bewerten und nicht die Person, also die Aufrechterhaltung von Diskriminierung und Ungleichheit vor dem Gesetz als homofeindlich (oder homophob) zu brandmarken.
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#6 Alice
  • 12.11.2016, 15:17h
  • Ich finde es _immer_wieder_ "lustig", dass noch extra betont wird, dass etwas nicht homophob sei (irgendwie hat man ja dann schon so ein Bauchgefühl - oder).
    Es ist aber ganz einfach zu erkennen indem man etwa die (politisch korrekte) Haltung der Deutschen gegen/für den jüdischen Bevölkerungsanteil zu rate zieht:
    Wie würde eine Regierung da stehen, wenn sie etwa für jüdisch-jüdische "Heiraten" eine extra Lebenspartnerschaft erfinden würde, sich aber weigert dieser jüdisch-jüdischen-Partnerschaft die "normale" Ehe zu erlauben. Und anderen, die da etwa behaupten dadurch wäre die Ehe und/oder die Gesellschaft gefährdet, damit auch noch indirekt recht gäbe?
    Hier spräche man dann nicht von "Judophobie", sondern von Antisemitismus: Zu recht täte man das und nur ganz wenige würden _so_etwas_ als "doch nicht Antisemitisch" hinstellen !!
    Es ist noch ein weiter Weg - auch manchmal in unseren Köpfen.
    Panti : "But I do sometimes hate myself!
    I hate myself because I fucking check myself when standing at pedestrian crossing. And sometimes I hate you for doing that to me. But not right now."
    cf.
    www.youtube.com/watch?v=WXayhUzWnl0
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#7 MarcAnonym
  • 12.11.2016, 15:29h

  • Treffender Kommentar, kurz und bündig. Ob die ehemalige Ministerdarstellerin allerdings in der Lage ist, ihn zu begreifen, wage ich zu bezweifeln. Aber das macht ihn nicht weniger wertvoll, sondern allenfalls sie noch bemitleidenswerter.
    Ärgerlich nur, mit welcher Selbstverständlichkeit solchen schlichten, unreflektiert-heterosexistischen Argumentationsmustern immer wieder Foren geboten werden ("Welt"...), ohne dass sie gezwungen würden, die eigene Begrenztheit mal stärker zu hinterfragen.
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#8 JoelAnonym
  • 12.11.2016, 15:38h
  • Kristinchen fiel schon ihr ganzes politisches Leben durch höchst einfältige Ignoranz auf. Die ist so blöd. Die weiß auch nicht, was sie sagt. Die ist so richtig schrecklich! War sie schon immer; auch bereits vor dieser Aussage.
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#9 TrumpistanAnonym
  • 12.11.2016, 16:15h
  • Die Elitenmedien sind jetzt natürlich so richtig heiß, wenn sie sehen, wie gut das mit ihrer immergleichen Hetze und Ideologie der Ungleichwertigkeit(en) im Krisenkapitalismus überall funktioniert, solange ihm niemand eine klare, soziale und menschliche Alternative und eine ebenso deutliche Kampfperspektive für diese gegenüberstellt.

    So geht es also noch frecher, noch dreister und aggressiver weiter mit dem rechten Dauergerülpse, das - dort wie hier - Neofaschisten den Weg ebnet. Und die feinen HerrInnen, die die Untertanen spalten, gegeneinander ausspielen, ihnen gleiche Lebensrechte verweigern und rassistische, sexistische, homophobe Kampfbegriffe und Aggressionen verbreiten, sind keinen Deut besser als diejenigen, die sich dadurch zu körperlicher Gewalt an den so gewollten Untermenschen ermutigt fühlen.
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#10 paoloAnonym
  • 12.11.2016, 17:21h
  • JA WIE DENN SONST..
    Eine perfekte antwort auf eine klare situation,so muss es sein!!
    Obwohl die hier nicht der fall ist wird es zeit aggressiver vorzugehen..
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