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  • 14.11.2016, 15:19h           7      Teilen:   |

Robert-Koch-Institut

HIV-Neuinfektionen bleiben in Deutschland stabil

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Über 60.000 HIV-Positive werden laut den nun veröffentlichten Zahlen in Deutschland mit antireroviralen Medikamenten behandelt (Bild: flickr / bark / cc by 2.0)

Auch 2015 steckten sich hierzulande 3.200 Menschen mit HIV an. Um die Zahlen zu senken, müsse endlich die Pille zum Schutz von HIV auf den deutschen Markt kommen, fordert die Aids-Hilfe.

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland und bei Menschen deutscher Herkunft stagniert 2015 laut einer am Montag veröffentlichten Schätzung des Robert-Koch-Instituts wie in den Vorjahren bei 3.200. Auch der Anteil der Männer, die sich beim Sex mit Männern infiziert haben (MSM), liegt mit 2.200 Infektionen unverändert – betrachtet man die letzten zehn Jahre, ist die Entwicklung sogar leicht rückläufig. Trotzdem machen MSM weiterhin gut zwei Drittel aller Fälle aus. 750 Infektionen wurden laut diesen Zahlen auf heterosexuellem Wege übertragen, 250 bei intravenösem Drogenkonsum. Im Jahr 2015 gab es geschätzte 460 Todesfälle bei HIV-Infizierten. Diese Zahlen stellte das RKI in seinem "Epidemiologischen Bulletin" (PDF) vor.

Demnach lebten Ende 2015 rund 84.700 Menschen in Deutschland mit HIV. 54.100 von ihnen sind Männer, die sich beim Sex mit Männern angesteckt haben. Das entspricht einem Anteil von 64 Prozent. 9.000 dieser Männer wissen der Schätzung zufolge noch nichts von ihrer Infektion.

"HIV/Aids ist weiterhin ein Gesundheitsrisiko in Deutschland", betonte RKI-Präsident Lothar H. Wieler anlässlich der Schätzung. Er begrüßte aber, dass die Zahlen seit Jahren stabil seien: "Das ist eine auch im Vergleich zu vielen anderen Staaten positive Nachricht, aber andererseits ist der ausbleibende Rückgang ein Beleg dafür, dass die HIV-Präventionsstrategie der Bundesregierung weiterhin konsequent umgesetzt werden muss", unterstreicht Wieler. Die Zahlen sind zirka halb so hoch wie die Schätzungen aus Frankreich oder Großbritannien, obwohl die Einwohnerzahl in diesen Ländern geringer ist als in Deutschland.

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Verbesserte Erfassung führt zu mehr Neudiagnosen

Im August hatte das RKI in seinem "Infektionsepidemiologischen Jahrbuch" von einer höheren Zahl der tatsächlich gemeldeten HIV-Neudiagnosen berichtet, ebenso wie von einem Anstieg bei Syphilis (queer.de berichtete). Diese Zahlen für 2015 richten sich, anders als die aktuell vorgelegte Schätzung, nach dem Zeitpunkt der Diagnose.

Die Zunahme sei auf eine verbesserte Erfassung der HIV-Positiven zurückzuführen, heißt es im aktuellen "Epidemiologischen Bulletin". Außerdem steigerten die verbesserten Testangebote die Zahl der Schwulen und Bisexuellen, die sich testen ließen. Ein dritter Grund für den Anstieg bei Diagnosen sei ein Anstieg der im Ausland erworbenen Infektionen, die zwar hier diagnostiziert werden würden, aber nicht in die Berechnung der HIV-Neuinfektionen aus Deutschland einfließen würden.

Aids-Hilfe fordert PrEP

Für die Deutsche Aids-Hilfe ist der stabil niedrige Wert der HIV-Neuinfektionen ein Erfolg der Präventionsarbeit. "Die Zahl könnte aber noch niedriger sein", schränkte Vorstandsmitglied Sylvia Urban ein. "Denn zurzeit sind einige hoch wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von HIV-Infektionen in Deutschland nicht zugänglich. Wer Neuinfektionen senken will, muss alle wirksamen Mittel verfügbar machen!"

Als wichtigstes nicht genutztes Instrument nannte Urban die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), also die vorbeugende Einnahme eines Medikamentes durch gefährdete HIV-Negative. Die Europäische Kommission hatte im August die Einführung des derzeit einzigen PrEP-Mittels Truvada auf Antrag der Pharmafirma Gilead Sciences bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur zugelassen (queer.de berichtete). In Deutschland gibt es allerdings über die Finanzierung bislang keine Einigung, wie Urban beklagte: "Der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen äußert sich nicht, der Hersteller Gilead beharrt auf dem hohen Preis von über 800 Euro pro Monat. Die Folge sind vermeidbare HIV-Infektionen."

Andere Länder sind in dieser Frage schon weiter: So hat Norwegen vergangenen Monat angekündigt, PrEP künftig kostenlos Personen mit erhöhtem HIV-Risiko anzubieten (queer.de berichtete).

Des weiteren setzt sich die Deutsche Aids-Hilfe dafür ein, dass in deutschen Haftanstalten saubere Spritzen verfügbar sein sollten, um HIV- und Hepatitis-Übertragungen von Häftlingen zu senken, die intravenös Drogen konsumierten. Zudem seien weitere anonyme Angebote für HIV-Tests notwendig. (dk)

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Tags: hiv, robert-koch-institut
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Reaktionen zu "HIV-Neuinfektionen bleiben in Deutschland stabil"


 7 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
14.11.2016
15:29:34


(-1, 3 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Die Zahl der Neuinfektionen ist immer noch viel zu hoch und es wäre wünschenswert, wenn sie in den nächsten Monaten endlich mal deutlich zurückgeht!


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#2
14.11.2016
15:59:14
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #1 von Patroklos


Wenn ich eine Neuinfektion sehe, werde ich ihr sagen, dass Foxxy gesagt hat, dass sie zurückgehen soll.

Passieren muss was ganz anderes: Die Hemmschwelle, sich testen zu lassen, muss verschwinden, denn gefährlich sind die Infizierten, die nichts von ihrer Infektion wissen(wollen). Sobald jemand unter Therapie ist, hat sich das mit der Infektiosität erledigt. In diesem Zusammenhang würde auch die Prep helfen, die zwingt u.a. auch zu regelmäßigen Terminen beim Arzt.

Wohin das alleinige "Kondome" schützen führt, liest man im Artikel. Irgendwann geht die Rate der Neuinfektionen nicht weiter runter.


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#3
14.11.2016
16:25:32


(+6, 6 Votes)

Von WillyMuc


Dazu kommt die Dunkelziffer, die es nicht wissen. So wie ich, bis vor 4 Monaten. Gleich mit AIDS eingestiegen, HIV, wenn man so will übersprungen, den Werten nach. Hätte ich keinen schwarzen dunkelroten Fleck am Arm bekommen (Kaposi-Sarkom) und der Hautarzt keine Probe ins Labor geschickt hätte, weil er nicht mehr weiter wußte, wäre mir das bis heute unbekannt. Im Krankenhaus sagte man mir, den Werten nach, schleppe ich das schon mindestens 10-15 Jahre, mit mir herum. Ich denke, die Dunkelziffer ist sehr hoch.


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#4
14.11.2016
17:12:21


(-3, 5 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #3 von WillyMuc


""den Werten nach, schleppe ich das schon mindestens 10-15 Jahre, mit mir herum.""..

Und immer noch ist das Wisse um diese Infektion und Erkrankung sehr gering..

""Gleich mit AIDS eingestiegen, HIV, wenn man so will übersprungen, den Werten nach.""..

Wäre das so, dann wäre die Erkrankung AIDS schon vor 10-15 Jahren ausgebrochen..

In der Zwischenzeit ist man HIV+..
Und vor allem weil unbehandelt infektiös für andere Menschen..


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#5
14.11.2016
21:51:01


(+4, 4 Votes)

Von WillyMuc
Antwort zu Kommentar #4 von TheDad


Lies erst einmal richtig. Während der HIV Phase, die ich natürlich auch hatte, habe ich es nicht gewußt und war nicht in Behandlung. So meinte ich das. Nun begriffen ? Ich bin überzeugt, das wissen viele andere auch nicht, daß sie eigentlich das Virus haben.

Bild-Link:
1332795484768_5547684.png


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#6
14.11.2016
22:52:18


(-3, 3 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von WillyMuc


""Lies erst einmal richtig. Während der HIV Phase, die ich natürlich auch hatte, habe ich es nicht gewußt und war nicht in Behandlung.""..

Das habe ich schon richtig gelesen..
Nur so wie du es formulierst stimmt es eben nicht, denn Du hast den HIV+Status nicht "übersprungen", zumal der immer noch besteht, auch während der Erkrankung von AIDS..

Du hast diesen Status nicht gewußt, was etwas anderes ist..


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#7
24.11.2016
22:34:05


(+2, 2 Votes)

Von JuMee
Antwort zu Kommentar #3 von WillyMuc


Hat es in den 10-15 Jahren keine Gelegenheit gegeben, in der es eine Option gewesen wäre, mal einen HIV-Test zu machen?


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