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Sachsens größtes Erlebnisbad "Aqua Marien" in Marienberg belohnt kinderreiche Familien: Beim Familientarif muss nur für das erste Kind gezahlt werden, alle weiteren Kinder sind frei (Bild: Stadtwerke Marienberg)

Im "Aqua Marien" erhielten homosexuelle Paare mit Kindern keine rabattierte Familienkarte. Andere mussten nachweisen, dass sie wirklich zusammenleben.

Auf der Facebookseite des Freizeit- und Erlebnisbads "Aqua Marien" im sächsischen Marienberg kann man die Beschwerden und Demütigungen von Regenbogenfamilien noch immer nachlesen. So schrieben dort homosexuelle Paare mit Kindern, dass sie – anders als heterosexuelle – einen Nachweis vorlegen mussten, dass sie auch wirklich zusammenleben. Andere queere Familien berichteten, ihnen sei die rabattierte Familienkarte komplett verweigert worden.

"Wir mussten nachweisen, dass wir eine Familie sind! Das ist schon diskriminierend! Eine Frau mit Mann und Kindern müssen nichts erklären oder gar beweisen, wenn sie eine Familienkarte wollen. Aber wir!", schrieb eine Besucherin am 16. Juli. Am 14. Oktober heißt es in einer anderen Facebook-Bewertung des Bades im Erzgebirge: "Da will man einen schönen Ausflug mit Frau und Kindern machen und kann sich nicht einmal ein Familienticket kaufen, da ich nicht das richtige Geschlecht hatte. Dachte aus dieser Zeit sind wir raus." Sämtliche Beschwerden endeten mit der Ankündigung, das Bad nie wieder zu besuchen.

Das Freizeitbad reagierte erst auf eine Anfrage der "Freien Presse"

Das "Aqua Marien" ignorierte die negativen Facebook-Kommentare und nahm erst Stellung, nachdem die Regionalzeitung "Freie Presse" in der Sache nachhakte. "Der Vorfall, sofern er sich tatsächlich so ereignet hat, ist selbstverständlich sehr bedauernswert", erklärte Stadtwerke-Sprecher Stephan Baier zur Verweigerung der Familienkarte im Oktober, sprach jedoch von einem "Einzelfall". In dem Freizeit- und Erlebnisbad hätten Vorbehalte gegenüber "sexueller Identität und Geschlecht keinen Platz". Bei Stichproben müssten auch heterosexuelle Familien ihre Ausweise zeigen, so Baier.

Eine Entschuldigung gab es vom Stadtwerke-Sprecher nicht. Dem lesbischen Paar warf er stattdessen vor, sich nicht sofort an die Badleitung gewandt zu haben, um das "Missverständnis" aufzuklären. Der betroffenen Familie will er nun ein persönliches Gespräch anbieten. Zudem kündigte Baier an, dass die Angestellten des "Aqua Marien" für den Umgang mit Regenbogenfamilien sensibilisiert werden sollen.

Familienrabatt wurde auch anderswo schon verweigert

Diskriminierungen bei der Abgabe von rabattierten Familienkarten kommen immer wieder vor: So hatte der Leipziger Zoo bis 2013 ebenfalls nur Hetero-Paare und deren Kinder als Familien angesehen (queer.de berichtete). Der Klagenfurter Miniaturenpark "Minimundus" akzeptierte erst nach einer Welle des Protestes auch Regenbogenfamilien für sein Familienticket (queer.de berichtete). Im vergangenen Jahr hatte das Wabach-Bad im westfälischen Bad Laasphe einem homosexuellen Paar mit Kindern den Familienrabatt verwehrt (queer.de berichtete).

In diesem Jahr sorgte das Freibad Hermeskeil in Rheinland-Pfalz gleich zweimal für Schlagzeilen. Als Reaktion auf die erfolgte Diskriminierung eines lesbisches Paares mit Kindern kam es auf die Idee, den Familienrabatt ganz abzuschaffen, weil die Mitarbeiter mit dem Erkennen von Regenbogenfamilien überfordert seien (queer.de berichtete). (cw)



#1 ToliAnonym
  • 17.11.2016, 09:01h
  • Ehrlich gesagt, weiß nicht was an einer Überprüfung Diskriminierung sein soll. Warum sollten sobald zwei Erwachsene ein Bad betreten und ein Kind dabei haben, diese ungeprüft als Familie angesehen werden?
    Diese Empörungsheischerei geht mir auch auf dem Senkel. Hauptsache bei Facebook und der Presse ein Fass aufmachen aber nicht die Eier in der Hose einfach mal vor Ort ein Gespräch zu führen.
    Zu Diskriminierung wird es frühestens wenn eine nachweisliche Familie aufgrund der Zusammensetzung anders gegenüber anderen behandelt wird. Doch genau dafür gibt es als ultima ratio den Rechtsweg. Also ist der Fall abgefangen.
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#2 TheDad
  • 17.11.2016, 09:44h
  • Antwort auf #1 von Toli
  • ""Warum sollten sobald zwei Erwachsene ein Bad betreten und ein Kind dabei haben, diese ungeprüft als Familie angesehen werden?""..

    Warum sollten sobald ein Mann und eine Frau mit einem Kind zusammen ein Bad betreten diese ungeprüft als Familie angesehen werden ?
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#3 kuesschen11Profil
  • 17.11.2016, 10:19hDarmstadt
  • Das Erlebnisbad wird wohl ständig von Familien mit Kindern als Mann und Frau betreten und keiner wird von denen einen Nachweis als Familie erbringen müssen.

    Kommt jedoch ein gleichgeschlechtliches Paar mit Kind in das Bad, müssen sie sich als eingetragene Familie auch noch rechtfertigen. Darin liegt schon eine Diskriminierung.

    Unfassbar. Wo leben wir denn?
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#4 ToliAnonym
#5 andreAnonym
  • 17.11.2016, 10:54h
  • Die hätten aber wirklich zur Badleitung gehen können, anstatt das in den Medien breitzutreten. So macht man sich unbeliebter, wie man eh schon ist (leider). Liest man aber ständig solche Meldungen. Ob Freizeitbad oder Hotel macht da keinen Unterschied. Für mich, keine Meldung wert.

    "Kaum hat mal einer ein bissel was,
    gleich gibt es welche, die ärgert das." (Wilhelm Busch )
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#6 TheDad
  • 17.11.2016, 11:00h
  • Antwort auf #4 von Toli
  • ""Steht doch explizit im Artikel, dass es auch bei Männlein und Weiblein nicht automatisch angenommen wird.""..

    Steht in dem Artikel auch etwas darüber ob dann bei der Gewährung eines Familien-Rabattes immer ein Mann mit vor Ort sein muß, oder erhalten den auch Alleinerziehende mit ihren Kindern zusammen ?

    ""Zudem bist du auf meine Frage gar nicht eingegangen. Was soll das?""..

    Doch bin ich..
    Denn Dein Statement lautet :
    Ich bezweifle die Diskriminierung die andere Menschen erlebt haben !
    Und das machst Du an einer "Überprüfung" fest, der sich offensichtlich Regenbogenfamilien unterziehen müssen, "herkömmliche Familien" aber nicht !
    Denn so haben es die Menschen vor Ort erlebt :

    "" "Wir mussten nachweisen, dass wir eine Familie sind! Das ist schon diskriminierend! Eine Frau mit Mann und Kindern müssen nichts erklären oder gar beweisen, wenn sie eine Familienkarte wollen. Aber wir!", schrieb eine Besucherin ""..

    "" "Da will man einen schönen Ausflug mit Frau und Kindern machen und kann sich nicht einmal ein Familienticket kaufen, da ich nicht das richtige Geschlecht hatte. Dachte aus dieser Zeit sind wir raus." ""..
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#7 randomNumberAnonym
  • 17.11.2016, 11:10h
  • Antwort auf #4 von Toli
  • "Wir mussten nachweisen, dass wir eine Familie sind! Das ist schon diskriminierend! Eine Frau mit Mann und Kindern müssen nichts erklären oder gar beweisen, wenn sie eine Familienkarte wollen. Aber wir!"
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#8 ToliAnonym
  • 17.11.2016, 11:38h
  • Antwort auf #7 von randomNumber
  • "Wir mussten nachweisen, dass wir eine Familie sind! Das ist schon diskriminierend! Eine Frau mit Mann und Kindern müssen nichts erklären oder gar beweisen, wenn sie eine Familienkarte wollen. Aber wir!"

    Man möchte ihr sagen: Nein ist es nicht.
    Wir sollten aufhören bei jeder privaten Aussage und Befindlichkeit sofort in den großen Diskriminierungschor einzustimmen. Um es klar zu sagen, es ist durchaus möglich, dass der Schwimmbareinlass unterschiedlich genau kontrolliert, vielleicht aus Gründen, dass schon viele versucht haben eine Familienkarte zu erhalten, ohne dafür berechtigt zu sein oder auch weil die Kassierer gleichgeschlechtliche Familien mehr auf den Zahn fühlen, wir wissen es nicht. Dennoch ist es keine Diskriminierung. Eine Diskriminierung ist vorhanden, sobald jemanden etwas verwehrt wird was anderen gewährt wird.
    Ganz davon abgesehen können wir keine Momentaufnahme, die auf einer einzelnen Aussage beruht, zu einem generellen Fall erheben, zumal die Aussage, dass Mann und Frau mit Kindern grundsätzlich keine Nachweise liefern müssen, schon von der Schwimmbadleitung als nicht richtig beschrieben wurde. Ihre Aussage hat schon verkehrte Prämissen.
    Und da wir gerade bei dem Punkt Diskriminierung sind, diejenigen die tatsächlich diskriminiert werden, sind diejenigen, für die überhaupt gar keine Rabatte angeboten werden.
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#9 AlexAnonym
  • 17.11.2016, 12:58h

  • Ein weiteres Beispiel, warum wir endlich einen besseren gesetzlichen Diskriminierungs-Schutz brauchen.
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#10 PeerAnonym