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Selbst wenn man auf einer Bremer Wache eine homophobe Straftat anzeigt, findet sie nicht automatisch ihren Weg in die Polizeistatistik (Bild: Metropolico.org / flickr)

Seit 2011 wurden in Bremen nur sieben aus Homophobie begangene Straftaten dokumentiert – dabei gab es seit 2015 allein fünf Anschläge auf das "Rat&Tat"-Zentrum.

Eigentlich wird im rot-grünen Bremen eine ganze Menge unternommen, um Gewalt- und andere Straftaten gegen LGBTI zu bekämpfen. Bei Polizei und Staatsanwaltschaft gibt es eigene Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und eine zentrale Bearbeitung der Fälle, es gibt eine offizielle Handlungsanleitung "Bekämpfung homophober Straftaten" sowie ein Polizei-Merkblatt "Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung". Doch in der Polizeistatistik tauchen LGBTI-feindliche Straftaten fast nicht auf.

Das offensichtlich noch immer mangelnde Problembewusstsein brachte jetzt die Kleine Anfrage "Homo-, trans- und interfeindliche Straftaten in Bremen" der Linksfraktion in der Bürgerschaft ans Licht. Seit 2011 wurden in der Hansestadt nur sieben "Straftaten gegen die sexuelle Orientierung" erfasst, heißt es in der Antwort des Senats vom 8. November (PDF) – davon eine in diesem und drei im vergangenen Jahr.

Eine völlig unrealistische Zahl: Seit 2015 gab es allein fünf Angriffe auf das Bremer "Rat&Tat"-Zentrum. Zuletzt war es im September zu zwei Buttersäure-Attacken auf den queeren Treffpunkt gekommen (queer.de berichtete). Die Vorfälle hatten die Kleine Anfrage der Linksfraktion ausgelöst.

Polizei hat Probleme bei "Erkennung einer homophoben Straftat"

"Ich weise bei jeder Anzeige die Polizei auf den homophoben Hintergrund hin", erklärte "Rat&Tat"-Vorstand Reiner Neumann gegenüber der "taz" – dennoch wurde in der Statistik nur eine der Sachbeschädigungen den "Straftaten gegen die sexuelle Orientierung" zugeordnet. Insgesamt ist das Zentrum erstaunt über die angeblich so geringe Zahl der Delikte: "Allein wir vom 'Rat&Tat'-Zentrum kennen mehr Fälle als die, die in dieser Statistik stehen."

Dass die Statistik das tatsächliche Ausmaß nicht widerspiegelt, räumt allgemein auch der Senat ein: "Probleme liegen in der Erkennung einer homophoben Straftat", heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage, verursacht "durch unzureichende Hinweise beim Anzeigenden" oder Fehler bei der Anzeigenaufnahme. Bei LGBTI gebe es "fehlendes Vertrauen in die Polizei" und "Angst vor ungewolltem Outing", auf den Polizeidienststellen "Unkenntnis über die Handlungsanleitung homophobe Straftaten". Auch eine "falsche Steuerung innerhalb der Polizei" könne der Grund sein, dass homophobe Delikte nicht an die zentrale Ermittlungsstelle gemeldet werden.

Bessere Schulungen zum Umgang mit LGBTI-feindlichen Straftaten soll es in Bremen vorerst jedoch nicht geben, heißt es in der Antwort des rot-grünen Senats: "Nachdem die Funktion des Ansprechpartners für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (AgL) in der Polizei eingerichtet wurde und eine Verzahnung im Bereich der Fortbildung erfolgt, wird derzeit keine Notwendigkeit von weiteren Fortbildungsmaßnahmen in der Polizei gesehen." (cw)



#1 la_passanteAnonym
#2 SebiAnonym
  • 18.11.2016, 10:41h
  • Das Problem ist, dass es (im Gegensatz zu anderen Staaten) in Deutschland keine Regelung gibt, dies zu erfassen. Und das ausgerechnet in dem Staat, der dafür verschrieen ist, ansonsten jeden Fliegenschiss statistisch auszuwerten.

    Es gibt zwar regelmäßig Anträge von Grünen und Linkspartei, dies zu ändern, aber die werden jedes mal von CDU/CSU und SPD abgeschmettert.

    Warum man das nicht wissen darf und warum hierzulande ein Problem sein soll, was anderswo gut funktioniert, kann aber niemand von CDU/CSU und SPD erklären.

    Nur in Berlin wird dank Maneo und der Berliner Polizei entsprechend ausgewertet. Und da sieht man ja auch, wie nötig das ist.

    Meine Vermutung ist, dass CDU/CSU und SPD das wahre Ausmaß homo- und transphober Gewalt vertuschen wollen, weil sonst klar würde, wie groß das Problem ist und man zum Handeln gezwungen wäre. Schwarz-Rot will das aber so weiterlaufen lassen wie bisher...
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#3 sanscapote
#4 tobiasProfil
  • 18.11.2016, 12:09hbremerhaven
  • ...ich wurde in bremerhaven wegen meiner homosexualität verprügelt!
    da ich auch beraubt wurde, war das also kein "hass-verbrechen"!
    taucht somit also in der raub-, aber NICHT in der "hass-" statistik auf!!!
    ...ich glaube, die bremerhavener kollegen sollten einfach mehr geschult werden, um sensibler mit der thematik umzugehen.
    auch wenn wir hier nur ne sehr, sehr kleine (bis keine) szeene haben.
    schwule gibt es überall!!!
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#5 Patroklos
  • 18.11.2016, 14:17h
  • In Bremen regiert Rot-Grün! Da sollten doch sicher Gelder vorhanden sein, damit die Polizei und ihre Angestellten und Beamten besser auf das Thema "aus Homophobie begangene Straftaten" besser zu sensibilisieren!
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#6 Robby69
  • 18.11.2016, 18:30h
  • Die "gravierenden Lücken" in der Bullen-Statistik wundern absolut nicht. Denn Fakt ist nun mal, dass die Bullen nicht die "Abhilfe" des Homophobie/Transphobie-Problems in unserem Land sind, sondern selbst ein Teil des Problems. - Bekomme ich ja selbst hier in Regensburg jeden Tag aufs Neue zu spüren...
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#7 loikuAnonym
  • 19.11.2016, 13:18h
  • Rechte Gewalt wird seit eh und je verharmlost.

    Gab auch schon genug fälle, wo offen rechtsextreme Täter aus politischer Motivation Taten begangen und danach nur von "Kneipenschlägerei" die Rede war.

    Oder es wird eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben, so wie in Bautzen, wo Nazis Flüchtlinge jagen und daran die Flüchtlinge schuld sein sollen und danach mit ausgangssperren belegt werden, Damit die Nazis feiern können.

    Ist eben so wenn die Blauen selber Braun sind.
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