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Aids-Aktivisten kritisierten die Verfolgung der 30 Männer scharf (Bild: Sébastien Avenet / flickr)

Mehrere HIV-positive Männer, die von einer Prager Behörde wegen angeblichem Barebacking angeschwärzt worden waren, werden nicht angeklagt.

Die Polizei hat diese Woche nach Angaben der Nachrichtenagentur ČTK Ermittlungen gegen insgesamt 30 HIV-positive Männer eingestellt, denen ungeschützter Sex vorgeworfen worden war. Es gebe keine Beweise dafür, dass eine Straftat stattgefunden habe, erklärte Polizeisprecher Jan Daněk.

Die Anzeige gegen die Männer hatte Anfang des Jahres zu scharfen Protesten von Aids-Aktivisten in ganz Europa, auch von der Deutschen Aids-Hilfe, geführt (queer.de berichtete). Die Männer waren nicht von Sexualpartnern beschuldigt worden. Vielmehr hatte das Hygieneamt von Prag die Männer angezeigt, nachdem es bei ihnen sexuell übertragbare Krankheiten festgestellt hatte. Das Amt schloss daraus, dass die HIV-Positiven Sex ohne Kondom gehabt hätten. Diese Informationen wurden an die Polizei weitergegeben. Die Behörde rechtfertigte das Einschalten der Polizei mit dem Gesetz gegen die "Verbreitung ansteckender Krankheiten". Darauf stehen in Tschechien bis zu zehn Jahre Haft.

Aids-Aktivisten kritisierten, die Ermittlungen würden die Präventionsarbeit torpedieren, weil nun weniger Menschen einen HIV-Test machen würden. Außerdem habe die Anzeige auf einer fachlichen Fehleinschätzung beruht, da man sich mit den meisten sexuell übertragbaren Krankheiten auch anstecken kann, wenn man ein Kondom benutzt. Zudem hätten sich die Männer laut der tschechischen Aids-Hilfe mehrheitlich in einer HIV-Therapie befunden; ihre Viruslast habe unterhalb der Nachweisgrenze gelegen. Damit ist eine HIV-Ansteckung auch bei unsafem Sex praktisch unmöglich.

Auch in Deutschland beklagen sich Aids-Aktivisten immer wieder über die Kriminalisierung von HIV-Positiven. So kritisierte die DAH 2014 die Verurteilung einer positiven Sexarbeiterin, die ungeschützten Sex gehabt hatte (queer.de berichtete). Die Verantwortung für den Schutz von HIV dürfe nicht alleine Positiven auferlegt werden, so die Aids-Hilfe. (cw)



#1 markusbln11Anonym
  • 18.11.2016, 18:19h

  • Wie ist das denn so mit polizei-schulung und (sexuell) übertragbaren krankheiten? Ob NRW oder tschechien, irgendwie scheint es allen orten am nötigen medizinischem fachwissen zu mangeln.

    Vorschlag: Die aids-hilfen werden staatlich-offizielle polizeiberater in hinblick auf den umgang mit infektiösen krankheiten - insbesondere hiv - und ansteckungsrisiken im polizeihandeln bei ermittlung und einsatz.

    Die für die polizei zuständigen stellen, so etwa bund und länder in deutschland, finanzieren

    So liessen sich fehlentscheidungen aus unwissentheit vermeiden.
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#2 pkojiAnonym
  • 19.11.2016, 13:15h
  • Nur mal so als Frage: Wenn die jeden, der ansteckende Krankheiten verbreiten könnte, einsperren wollen, dann gilt das ja wohl sicher auch für Grippe und der gleichen?

    "Die Behörde rechtfertigte das Einschalten der Polizei mit dem Gesetz gegen die "Verbreitung ansteckender Krankheiten". Darauf stehen in Tschechien bis zu zehn Jahre Haft." Es geht da wohl nicht explizit um SEXUELL ÜBERTRAGBARE Krankheiten...
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#3 Crikkie
  • 20.11.2016, 18:58h
  • Antwort auf #1 von markusbln11
  • "Ob NRW oder tschechien, irgendwie scheint es allen orten am nötigen medizinischem fachwissen zu mangeln."

    Nicht nur bei der Polizei, auch in Krankenhäusern oder bei niedergelassenen Ärzten, im Rettungsdienst, bei Eltern, Nachbarn, Lehrern, usw. mangelt es oft noch an Wissen... Generell ist die Aufklärung über STI, insbesondere HIV/AIDS, nicht so weit fortgeschritten, wie man im Jahre 2016 meinen möchte...
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