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Schlomo Amar ist als Homohasser bekannt: Im Sommer forderte er eine öffentliche Entschuldigung von Premierminister Benjamin Netanjahu für dessen Eintreten für den CSD in Jerusalem (Bild: Itzik Edri / wikipedia)

Schlomo Amar bezeichnete die LGBT-Community in einem Interview als "Kult des Gräuels" – es hagelt Rücktrittsforderungen und Strafanzeigen.

Der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem, Schlomo Amar, hat erneut mit einer homofeindlichen Äußerung für Empörung gesorgt. In einem Interview mit der Zeitung "Israel Hayom" teilte der 68-Jährige am Donnerstag kräftig gegen die modernen Zeiten aus und bezeichnete unter anderem das Reformjudentum als "teuflisch".

Zudem nannte er die LGBT-Community einen "Kult des Gräuels". Die hebräische Version des letzten Wortes wird in den Büchern Mose u.a. in Bezug auf Homosexualität verwendet – in einer Leviticus-Passage zur dazu fälligen Todesstrafe, auf die sich Vertreter alle drei Weltreligionen beziehen.

Unter Bezug auf eine Holocaust-Überlebende, die sich wegen eines schwulen Sohnes an ihn gewandt habe, fuhr Amar dann auch fort: "Es ist klar, dass dies ein Gräuel ist. Die Tora bestraft das mit dem Tod. Das ist an der vordersten Front schwerer Sünden."

Das sei die Realität, er könne nicht die Tora ändern, so Amar weiter. Bei der Homosexualität handele es sich letztlich um Lust und diese könnte man überwinden. Der Rabbiner erzählte weiter, er habe es abgelehnt, an einer Gedenkfeier für die beim letztjährigen CSD von einem ultraorthodoxen Fanatiker erstochene 16-jährige Shira Banki teilzunehmen, da dies einer Entehrung Gottes gleichgekommen wäre. Er kritisierte auch, dass die Veranstalter eine Grußbotschaft nicht vollständig vorlesen wollten, in der er die Tat verabscheute, aber zugleich Anwesende gebeten hatte, von "teuflischen Wegen" abzukommen.

Jahrelange Hetze gegen Lesben und Schwule

Amar hatte sich in den letzten Jahren immer wieder abwertend über Homosexualität geäußert. Im letzten Jahr hatte er behauptet, sie sei unnatürlich und die Bevölkerung fände sie "ekelhaft". Bei einer Pressekonferenz mit den führenden Vertretern aller Glaubensrichtungen hatte er 2005 eine Absage des geplanten World Pride in Jerusalem gefordert und gemeint, Homosexuelle fügten ihren Eltern viele Schmerzen zu (queer.de berichtete).

Zu der Zeit war Amar einer der beiden Oberrabbiner ganz Israels; sein sephardischer Nachfolger im Amt, Yitzhak Yosef, hatte dagegen Opfer des CSD-Anschlags im letzten Jahr im Krankenhaus besucht und die Tat wie sein aschkenasischer Amtskollege öffentlich verurteilt.

In dem Interview mit "Israel Hayom" erwähnte Amar offenbar erstmals die Todesstrafe. Als Reaktion schlugen die Wellen hoch: Zwei LGBT-Aktivisten stellten noch am gleichen Tag Strafanzeige wegen Anstiftung zur Gewalt. Die Behörden müssten "den nächsten Mord" verhindern, meine Oded Fried von der Organisation Aguda. Die Aktivistin Shirley Kleinman forderte zudem eine Entfernung Amars aus seinem Amt.

Auch aus der Politik gab es Kritik: Die Vorsitzende der linken Meretz-Partei, Zehava Galon, meinte, der Rabbi trage Dunkelheit und nicht die Tora in seiner Seele. Es sei an der Zeit, ihm das staatliche Gehalt zu entziehen. Mitglieder eines parteiübergreifenden Arbeitskreises der Knesset zu LGBT-Rechten forderten in einem Brief an den Premierminister ebenfalls eine Abberufung Amars: "Eine öffentliche Person, die die Sicherheit der Bürger Israels durch Ausschluss und Aufhetzung gefährdet, sollte sofort gefeuert werden."

Bischof Huonder lässt grüßen

In Deutschland hatte zuletzt vor gut einem Jahr der Schweizer Bischof Vitus Huonder bei einem Kongress des "Forums Deutscher Katholiken" in Fulda die Todesstrafen-Passage aus Leviticus zitiert, ohne Distanzierung oder Einordnung in einem Vortrag zur "göttlichen Ordnung" der Sexualität (queer.de berichtete).

Während das in Deutschland weder große Medien noch Staatsanwälte interessierte, hatte das Zitat für tagelange Negativ-Schlagzeilen in der Schweiz geführt. Die LGBT-Organisation Pink Cross stellte eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung, musste aber nach Einstellung des Verfahrens und der Ablehnung einer Rechtsbeschwerde dagegen dem Bischof sogar noch Entschädigung zahlen (queer.de berichtete). (nb)



#1 panzernashorn
  • 19.11.2016, 07:15h
  • Ein absoluter "Gräuel" ist für mich die religiöse Verblödung mit all ihren Auswüchsen, wie man sie im Fall dieses Obergestörten überdeutlich erkennen kann.

    Wehret den Anfängen - raus aus diesen Vereinen!

    "Principiis obsta sero medicina paratur!
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 19.11.2016, 08:21h
  • Dass er gleichzeitig das Reformjudentum 'teuflisch' nannte, passt zum Minderwertigkeitskomplex mancher sephardischer Juden, die ja in den letzten Jahrhunderten nicht allzu viel zur sehr beeindruckenden Erfolgsgeschichte des jüdischen Volkes auf allen Gebieten beigetragen haben.

    Die oft orientalischen Sepharden verharren in alten Traditionen und verstehen die moderne Welt nicht, die die Aschkenasen geschaffen haben. Und weiter schaffen.

    Auch aus diesem Grund ist man in Israel wacher gegenüber homophober Menschenfeindlichkeit als in unserer Pastorenrepublik, wo man vor jedem Geistlichen jeder Religion in zitternder Ehrfurcht erstarrt.

    Und wo lesbische Journalistinnen wie Friedenspreisträgerin Frau Emcke pastörlich betroffen von 'Zwangsatheismus' faseln, wo es ganz einfach um Modernität geht.

    www.dreigliederung.de/essays/2010-03-004
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#3 SoziologeAnonym
  • 19.11.2016, 09:49h
  • JEDE Religion basiert im Kern auf Unterdrückung, Bevormundung und dem Schüren vor Hass.

    Religion braucht immer ein Feindbild, um ihre Anhänger auf Linie zu bringen.

    Bei Licht betrachtet ist Religion das Krebsgeschwür der Menschheit, das den Geist vernebelt und das Miteinander vergiftet.

    "Die beiden größten Gefahren für den Weltfrieden und den Fortbestand der Menschheit sind Waffenindustrie und Religion."
    (Albert Einstein)
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#4 Petrillo
  • 19.11.2016, 09:56h
  • Schön, dass dem vorhautlosen Spinner eines bronzezeitlichen Kultes bereits im eigenen Land heftiger Gegenwind ins Gesicht bläst und ihm der Verlust staatlicher Gelder droht.

    So konsequent wünscht man sich auch bei uns die Trennung von Staat und Sektenanhängern, die meinen, ihre Meinung über das Gesetz stellen zu können!
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#5 RücktrittAnonym
  • 19.11.2016, 10:06h
  • "es hagelt Rücktrittsforderungen und Strafanzeigen."

    Das ist der Unterschied:
    in Israel haben solche Äußerungen reale Konsequenzen, während in allen umliegenden Staaten genau dies die offizielle Linie des Staates ist, die auch von den Bürgern geteilt wird... In den umliegenden Staaten wäre eine Strafanzeige gegen Hassprediger undenkbar.

    Jetzt hoffe ich nur, dass das auch wirklich mal strafrechtliche Konsequenzen hat. Es kann nicht sein, dass Religion ständig über dem Gesetz steht und nach Lust und Laune hetzen kann und selbst Mordaufrufe verbreiten darf.
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#6 ollinaieProfil
  • 19.11.2016, 10:25hSeligenstadt
  • Es ist klar, dass es ein Gräuel ist, wehrlosen Kindern ungefragt an ihren Sexualorganen herumzuschnippeln!

    Aber Menschenrechte interessieren Theofaschisten aller couleur nicht!

    Auch wenn die sich wegen jeder Kleinigkeit bekriegen, da ist Mann sich einig.
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#7 SebastianoAnonym
#8 AnalyseAnonym
  • 19.11.2016, 10:44h
  • "Kult des Gräuels"

    1. Kult:

    Man braucht nur mal in den Duden zu sehen um zu erfahren, dass der Ausdruck "Kult" rein gar nichts mit Liebe zwischen Menschen zu tun hat, sondern nur auf Religion und andere okkulte Riten zutreffend ist.

    2. Gräuel:

    Was soll an Liebe ein Gräuel sein? Die Hetze der diversen Religionen und Verweise, dass jeder, der sich nicht diesen okkulten Gemeinschaften beugt, mit dem Tode zu bestrafen ist, sind ein Gräuel.

    Fazit:

    Die Bezeichnung "Kult des Gräuels" passt schon rein definitorisch (geschweige denn inhaltlich) nicht auf Liebe, sondern nur auf Religion.
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#9 PeerAnonym
  • 19.11.2016, 10:47h
  • Nahezu identische Aussagen wie beim katholischen Bischof Huonder, der ja auch gerne mal auf die biblische Todesstrafe für Homosexuelle verweist (in der Hoffnung, dass andere seine Aufforderung ausführen).

    Für Bischof Huonder hatte das bisher keinerlei Konsequenzen - weil Deutschland eben kein echter demokatischer Rechtsstaat ist, sondern ein Gottesstaat, wo Religion über dem Gesetz steht.

    Jetzt wird sich zeigen, ob Israel auch ein Gottesstaat deutscher Prägung ist oder ein demokratischer Rechtsstaat...
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#10 FelixAnonym
  • 19.11.2016, 10:53h
  • Was sind das nur für Menschen, die Liebe verachten und Hass predigen oder sogar zu Gewalt aufrufen?!

    Bei solchen Hasspredigern geht es immer nur um persönliche Vorteile. Für ihren Business-Plan müssen die Hass verbreiten.

    www.youtube.com/watch?v=7gqFZjfFGuM
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