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Informierte sich in den Räumen der Rosa Linde: Sachsens Staatsministerin Petra Köpping (re.) mit Mitgliedern des Queer Refugees Network Leipzig (Bild: Rosa Linde Leipzig)

Im Rahmen der Hirschfeld-Tage wird auch die Situation von LGBTI-Flüchtlingen thematisiert. Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) informierte sich in Leipzig.

Sachsens Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (SPD) besuchte am Dienstag das Projekt "Queer Refugees Network Leipzig" im Verein Rosa Linde. Das Projekt unterstützt derzeit 20 bis 30 queere Geflüchtete aus Leipzig und Umgebung.

Bei dem Netzwerk erhalten sie Unterstützung bei der Suche einer sicheren Unterkunft und Beratung bei rechtlichen und behördlichen Fragen sowie psychosozialen Themen. Nicht zuletzt bieten die Räumlichkeiten den Geflüchteten die Möglichkeit zu Treffen und Vernetzung. Seit Mai 2016 arbeitet das "Queer Refugees Network" mit der hauptamtlichen Koordinatorin Sabrina Latz.

Nach einer Führung durch die neu bezogenen Räumlichkeiten berichtete Latz der Ministerin, die auch Schirmfrau der Hirschfeld-Tage für Sachsen ist, über die besonderen Herausforderungen für queere Geflüchtete. So konnten viele, aber nicht alle dank einer engen Kooperation mit dem CSD Dresden, dem Sozialamt Leipzig, Projekten wie der "Kontaktstelle Wohnen" und nicht zuletzt engagierten Mitmenschen dezentral untergebracht werden. Die anderen mussten im ländlichen Raum bleiben, wo es keine Unterstützungsstrukturen gibt.

Probleme bei Anhörungen und mit Übersetzern

Die Geflüchteten beklagten zudem lange Wartezeiten bei der Bearbeitung ihrer Asylbescheide. Auch bei Anhörungen tauchten immer wieder Schwierigkeiten auf. So machte das Netzwerk die Erfahrung, dass interviewende und urteilende Personen stereotype Erwartungen über die Lebensweise von LSBTI-Menschen haben. Dies habe gravierende Auswirkungen für die verfolgten Personen, etwa dass ihnen nicht geglaubt wird und sie die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt bekommen, folglich abgeschoben werden.

Ein 29-jähriger Geflüchteter aus Tunesien berichtete von seinen Erfahrungen in Leipzig. Er sei glücklich hier, wohne in einer WG und besuche einen Deutschkurs. Obwohl er von Verfolgung in Form von körperlicher und psychologischer Gewalt betroffen war, wurde sein Asylgesuch abgelehnt; er soll nach Tunesien abgeschoben werden. "Ich kann nicht wieder nach Tunesien zurück. Ich habe Angst davor, wieder geschlagen zu werden oder dass ich getötet werde", erklärte der Mann. "In Tunesien leben Homosexuelle wie Tiere. Ich kann nicht wieder in dieses Leben mit den vielen Problemen. Ich möchte so sein können wie ich bin."

Schulungsmaßnahmen und Abschiebestopp gefordert

Das Netzwerk wünschte sich von der Politik Schulungsmaßnahmen für Sachbearbeiter und Dolmetschende zu queeren Themen. Die besondere Schutzbedürftigkeit von queeren Geflüchteten müsse anerkannt werden, forderte Sabrina Latz: "Queere Menschen dürfen nicht in Staaten abgeschoben werden, in denen sie verfolgt werden. Hierzu zählen speziell die Maghreb-Staaten aber auch EU-Mitgliedsstaaten wie Ungarn."

Die Erfolge des Netzwerks, ganz besonders die sichere Unterbringung der queeren Geflüchteten und die Vernetzung und Unterstützung untereinander, sieht Sabrina Latz ganz klar in der engen Zusammenarbeit mit den Partnervereinen CSD Dresden, Gerede Dresden und dem LSVD Chemnitz. Die Koordinatorin dankte aber auch der Staatsministerin, die sich schon früh für die Schaffung sachsenweiter unterstützender Strukturen für queere Geflüchtete eingesetzt habe. Köpping und ihr Mann hatten 2015 vorübergehend sogar selbst zwei schwule Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen (queer.de berichtete).

Um den Umgang mit queeren Geflüchteten und der Erarbeitung von Handlungsmöglichkeiten in der Praxis geht es auch am Freitag bei einer Veranstaltung der Rosa Linde im Rahmen der Hirschfeld-Tage. Bereits am Donnerstag gibt es um 19 Uhr bei Frauenkultur Leipzig den Vortrag "Geschlechter- und Sexualitätsnormen im Asylverfahren". Am Samstag von 10 bis 19.30 Uhr findet im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden der überregionale Fachtag "Refugees and Queers. Zur Verschränkung von Geflüchteten- und LSBTTIQ-­Emanzipationspolitiken" statt. (cw/pm)

Hirschfeld-Tage 2016

Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen bis zum 19. Dezember bei den dritten Hirschfeld-Tagen 115 Veranstaltungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf dem Programm. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld als Veranstalterin kooperiert dabei mit neun regionalen Partnern aus der Community. Weitere Infos zum Programm auf hirschfeld-tage.de.