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  • 25.11.2016, 19:29h           5      Teilen:   |

Hirschfeld-Tage 2016

Homosexualität im Sport: "Nicht-Sichtbarkeit ist Diskriminierung"

Artikelbild
Warten aufs Coming-out der Profispieler: Mit diesem Plakatmotiv wurde schon vor einigen Jahren Homophobie im Fussball thematisiert (Bild: aktion-libero.de)

Auf einer Podiumsdiskussion in Halle wurde am Donnerstagabend über das Thema Geschlecht und sexuelle Identität im Sport diskutiert.

Von Sophie Herrmann

Es sei "nicht wegzudiskutieren", dass Diskriminierung sowohl im Freizeit- als auch im Spitzensport präsent sei. Dabei sollte eigentlich "Leistung zählen, der Einsatz für die Mannschaft, nicht das Geschlecht und die sexuelle Orientierung. Diese Veranstaltung leistet einen Beitrag dazu."

Diese Worte formuliert Hubert Böning, CDU-Staatssekretär im Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, zur Eröffnung der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Halle (Saale). Eine der hochkarätigen Veranstaltungen im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2016.

Wie der weit gefasste Titel "Schneller, höher, stärker – unsichtbar. Geschlecht und sexuelle Identität im Sport" schon erahnen lässt, schließt sich der Eröffnungsrede eine breite Themenvielfalt an.

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Sexismus im Fußball: "Ich habe das falsche Geschlecht"

Schnell lässt sich auf dem Pult die Person ausmachen, die wohl am meisten von der Thematik persönlich betroffen ist. Tanja Walther-Ahrens war ehemals Bundesliga-Fußballspielerin und lebt ihre Homosexualität offen. Als weibliche Fußballspielerin fühlt sie sich der Unterstellung ausgesetzt, den Männern "nur etwas nachzumachen". Männer würden in der Öffentlichkeit als "die wahren Sportler" wahrgenommen. Dabei könnten Frauen "locker mithalten", Männerfußball würde ganz anders inszeniert.

Im Sport würden generell noch "furchtbar alte Rollenbilder" vermittelt und Homosexualität als etwas Komisches dargestellt. Das äußere sich auf der Sprachebene an Sätzen wie: "Renn' hier nicht so schwul rum!"

Homophobie – die "härteste Nuss" für die Wissenschaft

Professor Martin Schweer bringt auf den Punkt, warum Sexismus und Homophobie überhaupt möglich sind. Es sei den Menschen eigen, in Kategorien zu denken. Vor allem das Geschlecht sei eine wichtige Kategorie. Was den Sport anbelange, wäre in den Köpfen noch immer ein Denken verankert, wonach Sport etwas Männliches sei. In dieses Bild passe Homosexualität nicht rein.

Ungefähr an diesem Punkt bewegt sich der aktuelle Forschungsstand. Zwar fange man langsam an, "das Thema zu erkennen", dennoch sei bisher nur wenig zum Thema Homosexualität und Homophobie im Sport erforscht. Bisher wisse man auch nicht viel über den konkreten Leidensdruck homosexueller Sportlerinnen und Sportler.

Deshalb wurde die Initiative "Fußball für Vielfalt" gegründet, deren wissenschaftlicher Leiter Schweer ist. Über die drei Säulen Bildung, Forschung und Beratung sollen verschiedene Akteure erreicht und etwas "im Kopf angestoßen" werden. Einbezogen werden neben Spielern, Fans und Funktionären auch die Trainer.


Auf dem Podium (v.l.n.r.): Moritz Müller-Wirth, Tanja Walther-Ahrens, Dr. Klemens Ketelhut, Silke Renk-Lange, Prof. Dr. Martin Schweer (Foto: Sophie Herrmann)


Thomas Hitzlsperger – ein Einzelfall?

Auf dem Podium vertreten war auch der Journalist Moritz Müller-Wirth, der das Coming-out des ehemaligen Fußballprofis Thomas Hitzlsperger im Januar 2014 begleitete. Entgegen der Befürchtungen, habe es im Großen und Ganzen "keine negative Resonanz" in Medien, Politik, bei den Mitspielern und den Fans gegeben. Dennoch merkt Müller-Wirth an: "Thomas steht immer noch alleine da. Es ist krass, dass ihm niemand folgt."

Müller-Wirth weiß aus internen Quellen, dass Hitzlsperger bei seinem Coming-out von seinen Fußball-Kollegen Unterstützung erhielt, "aber es fehlt der Mut, sich zu bekennen." Dem pflichtet auch Tanja Walther-Ahrens bei. Es fehle an Statements: "Ich finde Schwule und Lesben gut." Dem schließt sich auch Martin Schweer an: "Es würde ausreichen, wenn die Spieler sagen: 'Das ist klasse, es ist überhaupt kein Problem'". Stattdessen werde nicht ausreichend über das Thema gesprochen. Das zeige, "dass noch sehr viel Arbeit zu leisten ist."

Mannschaftssport als Coming-out-Hemmnis?

Thematisiert wird auch, inwiefern die Scheu sich zu outen mit der Sportart zusammenhängt. Walther-Ahrens merkt an, dass es in den Einzelsportarten die meisten Coming-outs gibt. Dies kann Silke Renk-Lange bestätigen. Sie war früher Leistungssportlerin in der Leichtathletik, 1992 holte sie Gold im Speerwurf. Sie habe den Umgang mit der sexuellen Orientierung innerhalb der Leichtathletik als "sehr offen" erlebt. Offen gelebte Homosexualität seien keine Seltenheit gewesen – auch wenn sie selbst dies nur bei Frauen erlebt habe.

Das Thema der Transsexualität im Sport wird nur angeschnitten. Weil die Ratlosigkeit über den besten Umgang mit Transsexuellen im Sport überwiegt, kann dazu nicht viel gesagt werden. Professor Martin Schweer stellt die These auf: "Das Problem lässt sich nicht medizinisch lösen, sondern sozial." Bis zu dieser Lösung stellt er noch viele kontroverse Diskussionen in Aussicht.


Aufsteller neben dem Podium: Die Diskussion fand im Rahmen der Hirschfeld-Tage statt (Bild: Sphie Herrmann)


Geschlecht als etwas Soziales

An diesem Punkt scheint sich eine Essenz der Diskussion zu formieren. Der Moderator Dr. Klemens Ketelhut, Mitarbeiter am Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, formuliert als Zwischenergebnis, das alle Themen einschließt: "Geschlecht hat nichts mit Biologie zu tun, sondern ist was Soziales." Dieses Bewusstsein könne "so viel im Denken und Handeln ändern", ergänzt Professor Martin Schweer.

Silke Renk-Lange bringt die Lage der Frauen im Sportbund Sachsen-Anhalt zur Sprache. Dort ist sie zuständig für Frauen und Gleichstellung. Angesprochen, ob sie das Amt ausführen will, habe man sie deshalb, weil "die Männer still" seien, wenn sie spreche. Bisher hatten Frauen im Landessportbund nur wenig Mitspracherechte. Dagegen macht sie sich nun stark.

Momentan werde noch ein mühseliger Überzeugungskampf ausgerungen, so Renk-Lange. Man müsse sich vernetzen und "in einer ansprechenden Weise" erzielen, dass die Männern zugestehen: "Da hast du eigentlich recht." Durch die Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamt seien solche Erfolge möglich, wie beispielsweise die Überarbeitung der Satzungen.

Einiges erreicht, noch viel zu tun

Schließlich verständigt man sich darauf, dass in den vergangenen Jahrzehnten schon einiges im Kampf gegen Diskriminierung erreicht wurde. Man hoffe, dass sich das Tempo des Fortschrittes fortsetze, wie es Müller-Wirth formuliert. Renk-Lange beschreibt die aktuelle Lage als "zitterndes Gefüge". Man solle sich davon nicht entmutigen lassen.

Der Moderator waltet seines Amtes und hält als Fazit fest: "Das Wichtigste ist Sichtbarkeit, sensibel sein, das Ansprechen." Denn "Nicht-Sichtbarkeit ist Diskriminierung."

  Hirschfeld-Tage 2016
Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen bis zum 19. Dezember bei den dritten Hirschfeld-Tagen 115 Veranstaltungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf dem Programm. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld als Veranstalterin kooperiert dabei mit neun regionalen Partnern aus der Community. Weitere Infos zum Programm auf hirschfeld-tage.de.
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Tags: sport, halle, hirschfeld-tage
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Reaktionen zu "Homosexualität im Sport: "Nicht-Sichtbarkeit ist Diskriminierung""


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
26.11.2016
10:24:20


(+2, 2 Votes)

Von 23fed


Ich finde es sollte sich endlich mal ein schwuler Fußballprofi in der Bundesliga outen und sein Versteckspiel mit Scheinfreundin in die Mülltonne werfen, wo dieses unsägliche Versteckspiel auch hingehört.

Und ich wette es wird dem geouteten schwulen Fußballprofi dann sehr viel besser gehen als vorher. Endlich keine Lügen mehr. Endlich kein Verstecken mehr. Einfach offen so sein wie man ist.

Es muss schrecklich grausam sein sich selbst zu verleugnen, seine eigene Identität mit einer falschen Scheinidentität zu verschleiern.

Ich würde wetten, dass von den Medien und den Fans überwältigend positiv aufgenommen würde, wenn sich endlich jemand aus der Fußballbundesliga outet und sagt "Ja, ich bin schwul." Denn es stimmt einfach, es ist dann einfach die Wahrheit und keine Lüge mehr. Er ist schwul, der Ball ist rund und der Rasen ist grün!


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#2
26.11.2016
14:42:02
Via Handy


(+2, 2 Votes)

Von _PMB


Durchaus glaubwürdigen Gerüchten zufolge gibt es auch in der "Mannschaft" (und deren Entourage) Schwule. Der perfekte Zeitpunkt für ein Outing wäre unmittelbar nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft gewesen auch, weil der sportliche Erfolg sofort viele Klischees Lügen gestraft hätte. Leider wurde dieses Moment vertan.


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#3
27.11.2016
05:10:12


(+3, 3 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Nicht-Sichtbarkeit ist eher der beste Schutz, wenn man seine Sport-Karriere auch durchgehend erleben möchte.

""Dabei sollte eigentlich "Leistung zählen, der Einsatz für die Mannschaft, nicht das Geschlecht und die sexuelle Orientierung.""

Das ist auch der Grund, warum das ziemlich egal sein sollte. Soll jedem/jeder selbst überlassen bleiben, ob oder wie weit oder auch nicht sie/er im Sport unbedingt auch noch die sexuelle Orientierung vor sich her tragen will.

Vielleicht sollten sich manche das auf die Stirn tätowieren lassen, damit man es überall klar erkennen kann.
Und noch schneller aus dem Team geekelt werden kann. Überlasst das doch der Entscheidung der einzelnen Leute.


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#4
27.11.2016
10:52:10


(+2, 2 Votes)

Von Clementine


Selbst in der als ach so schwul geltenden Sportart Eiskunstlaufen sind bisher sehr wenige während der Karriere aus dem Schrank gekommen. Aber immerhin gab es in den letzten zwei Jahren eine Wellchen, zwei sind Eric Radford mittlerweile gefolgt, Adam Rippon und Javier Raya. Andere machen es zwar nicht öffentlich, gehen aber locker damit um und wer es sehen will sieht es auch. Und als bisher einzige Frau hat sich Fumie Suguri 2014, also nach ihrer Karriere, als bi geoutet.


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#5
27.11.2016
13:30:21
Via Handy


(0, 2 Votes)

Von So ist das
Antwort zu Kommentar #2 von _PMB


Absolut Richtig.


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