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Die Polizei glaubt, die Mörder von Patrick P. gefunden zu haben – für eine Bestrafung ist es allerdings zu spät (Bild: Marco / flickr)

1999 war ein 18-jähriger Schwuler an einer Bundesstraße in Württemberg tot aufgefunden worden. Erst jetzt konnte die Polizei drei mutmaßliche Täter identifizieren, von denen allerdings keiner mehr am Leben ist.

Der Mord am 18-jährigen Schwulen Patrick P. aus Marbach am Neckar (Landkreis Ludwigsburg) ist weitgehend aufgeklärt. Das teilte das Polizeipräsidium Reutlingen am Dienstag mit. Nach den Ermittlungsergebnissen ist der junge Mann im Sommer 1999 erschlagen worden. An der Tat waren drei Männer beteiligt. Alle Verdächtigen sind bereits wegen exzessiven Drogenmissbrauchs vor Jahren gestorben.

Die drei Täter seien zum Tatzeitpunkt 26, 33 und 36 Jahre alt gewesen und stammten aus dem östlich von Stuttgart gelegenen Rems-Murr-Kreis. Laut Polizei hatten sie "offenbar Ende der Neunzigerjahre zur Finanzierung ihrer Drogensucht Homosexuelle und Personen, die sich in dieser Szene aufhielten, ausgeraubt". Das sei auch das Motiv dieser Tat gewesen. Die beiden älteren Verdächtigen seien bereits im September 1999 nach Spanien ausgewandert, kurz bevor die Leiche entdeckt worden war. Die Ermittler konnten bestätigen, dass mehrere am Fundort des Opfers bei Pfullingen aufgefundene Gegenstände von dem damals 26-jährigen Verdächtigen stammten.

Die drei Männer, bei denen es sich um zwei deutsche und einen griechischen Staatsangehörigen handelte, seien über viele Jahre von harten Drogen abhängig gewesen. Während der zur Tatzeit 33-Jährige nach Polizeiangaben in Spanien blieb, kehrte der 36-Jährige im Jahr 2000 wieder nach Deutschland zurück. Die drei Männer starben nach Polizeiangaben 2001, 2002 und 2009 an den Folgen ihrer Drogensucht.

Fall ist abgeschlossen

Der Fall steht damit vor dem Abschluss. Aufgrund des Todes der Tatverdächtigen werde es kein weiteres justizielles Verfahren geben, teilte die Polizei mit. Damit neigen sich langjährige Ermittlungsarbeiten dem Ende zu. Sie hatten am 15. September 1999 begonnen, als im Wald südlich der Bundesstraße 312 zwischen Pfullingen und Unterhausen im sogenannten "Lippental" ein fast vollständiges menschliches Skelett aufgefunden worden war. Die Ermittlungen ergaben, dass das Opfer getötet und unbekleidet im Wald verscharrt wurde.

Die Arbeit der bei der damaligen Polizeidirektion Reutlingen eingerichteten Sonderkommission "Schönberg" konzentrierte sich zunächst auf die Identifizierung des unbekannten Toten. Die aufwändigen Ermittlungen und eine breite Öffentlichkeitsfahndung, bei der u.a. ein mit Hilfe einer Weichteilrekonstruktion angefertigtes Bild veröffentlicht worden war, führten aber nicht zum Erfolg. Auch Berichte in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" 2001 und dem RTL-II-Magazin "Ungeklärte Morde" 2011 brachten den Ermittlern keine weiteren Erkenntnisse.

Erst durch Abgleich von DNA-Proben der Familienangehörigen mit der DNA des aufgefundenen Skeletts sowie weiteren rechtsmedizinischen Begutachtungen konnte der Getötete zweifelsfrei im Herbst 2014 identifiziert werden. Es handelte sich dabei um den 18 Jahre alten Patrick P., der nach seinem Schulabschluss 1998 seinen Lebensmittelpunkt offenbar nach Stuttgart verlagert hatte. Dort ging er verschiedenen Tätigkeiten in Modegeschäften nach und soll in der schwulen Szene verkehrt haben. Laut "Bild"-Zeitung habe Patrick auch als Kellner gearbeitet und Kontakte ins "Rotlicht-Milieu" gehabt. Am 31. Juli 1999 brach der Kontakt zu den Familienangehörigen ab.

Der Durchbruch bei den Ermittlungen kam nach einem erneuten Bericht in "Aktenzeichen XY" im Jahr 2015. Ein Zeuge konnte nach der Sendung konkrete Angaben zu den drei Tatverdächtigen aus der Stuttgarter Drogenszene machen. (dk)



#1 VerrecktAnonym
  • 29.11.2016, 15:15h
  • "Alle Verdächtigen sind bereits wegen exzessiven Drogenmissbrauchs vor Jahren gestorben."

    Hoffentlich hatten diese drei Ekel einen möglichst grausamen Tod.
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#2 LaurentProfil
  • 29.11.2016, 16:09hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Antwort auf #1 von Verreckt
  • Was mich an diesem Fall erschüttert, ist
    dass 1. dieser junge Mann wegen der Drogensucht Dritter sterben musste, 2. er unbekleidet und wie ein Tier im Wald verscharrt wurde, 3. es Jahre dauerte bis die Angehörigen Gewissheit hatten und 4. die Verantwortlichen ungestraft davonkommen.
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#3 BerlinerProfil
  • 30.11.2016, 07:30h Berlin
  • Antwort auf #2 von Laurent

  • "Am 31. Juli 1999 brach der Kontakt zu den Familienangehörigen ab."

    Es scheint also, als ob die Familie noch nicht einmal wusste, dass er vermisst wurde. Das ist einfach schrecklich
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#4 markusbln11Anonym
  • 30.11.2016, 08:51h

  • Ist das ein roter faden??

    Gerade ganz junge schwule zwischen 18 und 22 werden oder wurden häufiger opfer von kapitalen straftaten, so zumindest aus der medienselektion der letzten wochen zu schliessen. Also die jüngsten mit wenig erfahrung dazu, was alles schief gehen kann.

    Wenn dem so ist, sehe ich auch die community in der pflicht, hier zusammen mit der polizei zielgruppenspezifisch gegenzusteuern.
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#5 RaceXYProfil
#6 seb1983
#7 Homonklin44Profil
  • 30.11.2016, 20:20hTauroa Point
  • Tragische Geschichte.

    Wenigstens hat man im Nachhinein klären können, was da im Genaueren passierte. Das haben wir den heutigen kriminaltechnisch versierten Methoden zu verdanken, die in anderen Fällen auch zu zügigen Ergebnissen führen.

    Es sollte alles dadfür getan werden, dass junge Menschen nicht erst in der Situation landen, wo sie evtl. wegen Unverständnis der Eltern oder aus Verunsicherung, Angst oder sonstwelchen Gründen keine Vertrauenspersonen oder Ansprechpartner finden.
    Wenn man nicht weiß, wie mit sich umgehen, wo hin, wem vertrauen, dann ist die Gefahr erhöht, den "falschen" Leuten in die Hände zu fallen.

    LGBTIQ-Akzeptanz und eine vernünftige Aufklärung, auch an den Schulen, könnten da auch manches bewegen.
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