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Entscheidung des Höchstgerichts

Italien: "Du Homosexueller" ist keine Beleidigung


Der oberste Gerichtshof Italiens ist im römischen Justizpalast am Tiberufer untergebracht (Bild: Blackcat / wikipedia)

Auch wenn man einen Hetero als Homosexuellen bezeichnet, ist das nach Ansicht des höchsten italienischen Gerichtes nicht beleidigend. LGBTI-Aktivisten sind mit dem Urteil nicht glücklich.

Der oberste Gerichtshof Italiens hat in einer am Dienstag bekannt gegebenen Entscheidung geurteilt, dass das Wort "omosessuale" (homosexuelle) kein Schimpfwort mehr ist. Damit verwarf das Gericht in Rom die Verurteilung eines 60-jährigen Mannes, der diesen Begriff in einem Streit einem heterosexuellen Mann an den Kopf geworfen hatte. Er war daraufhin wegen Beleidigung verklagt und 2015 von einem Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Dieses Urteil ist nun nach der Entscheidung des Höchstgerichts aufgehoben.

Im gegenwärtigen historischen Zusammenhang sei das Wort nicht beleidigend oder ehrverletzend, entschieden die Richter: "Andere Worte mit der selben Bedeutung werden als Beleidigung genutzt, aber dieses Wort hat nun eine neutrale Bedeutung." Man könne daher eine Person als homosexuell bezeichnen, "selbst wenn es sich dabei um eine heterosexuelle Person handelt".

Urteil ein Freibrief für homophobe Beleidigungen?

LGBTI-Aktivisten waren mit der Entscheidung des "Corte Suprema di Cassazione" nicht zufrieden. Fabrizio Marrazzo vom "Gay Center" in Rom kritisierte, das Urteil lasse "mehrdeutige Interpretationen" zu und erwecke den Eindruck, dass Mobbing gegen Homosexuelle rechtmäßig sei. "In Italien gibt es kein Gesetz gegen Homophobie, das diskriminierende Beleidigungen unter Strafe stellt, so wie es in anderen Ländern üblich ist", sagte Marrazzo. Gerade an Schulen seien homophobe Ausdrücke an der Tagesordnung. Viele Homo-Hasser könnten sich durch das Urteil bestärkt fühlen, Homosexuelle zu mobben.

In Italien gibt es immer wieder Übergriffe auf Schwule und Lesben: Im Juni sorgte etwa ein brutaler Überfall in der Region Piemont auf ein junges schwules Paar für Aufregung. Täter war offenbar der Vater eines der Opfer (queer.de berichtete). Im Mai hatten Rechtsextremisten in der italienischen Hauptstadt das "Gay Center" gestürmt (queer.de berichtete). Die gewaltbereiten Rechten waren offenbar erzürnt darüber, dass kurz zuvor ein Gesetz zur Einführung von eingetragenen Partnerschaften im Parlament beschlossen worden war (queer.de berichtete). (dk)



#1 Tommy0607Profil
  • 30.11.2016, 18:02hEtzbach
  • Das Urteit ist schon Richtig . Denn Homosexuell wie auch Heterosexuell ist keine Beleidigung .
    Egal welche Sexualität man hat , es ist ein normale Veranlagung :
    So oder So .
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#2 ErwinAnonym
  • 30.11.2016, 20:02h
  • Es ist spannend, wie alt bestimmte Diskussionem um Homosexualität mitunter sind:
    Vor mehr als hundert Jahren vertrat Eugen Wilhelm die These, dass die Bezeichnung als homosexuell
    eine Beleidigung nicht ausschließe, wenn man auch wie er der Meinung war, dass die Homosexualität einer Person weder in
    intellektueller noch in moralischer Beziehung seinen Träger herabmindert. Es käme aber halt ganz darauf an, in welchem Sinne das Wort
    gebraucht wurde. Vgl. hierzu "Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform" 6 (1909/1910) S. 340-346 und "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" 11
    (1910/11) S. 420-422.
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#3 IllokutorAnonym
  • 01.12.2016, 11:38h
  • Antwort auf #1 von Tommy0607
  • Nein. Das Gericht lässt offenbar einen der grundlegendsten Aspekte der Sprachwissenschaft unbeachtet: die Sprecherintention.

    Wenn jemand will, kann er das Wort "Blondschopf" als Beleidigung verwenden und es wird beim Empfänger auch als solche ankommen.

    Dass das Gericht dieses Einmaleins der Kommunikation negiert, legt die Vermutung nahe, dass das Gericht wissenentlich und evtl. gezielt in homophober Absicht geurteilt hat.

    Das sollte im vatkianhörigen Italien nicht weiter verwundern.
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#4 JustusAnonym
  • 01.12.2016, 12:27h
  • Das ist ein zweischneidiges Schwert.

    Einerseits wollen wir ja, dass das keine Beleidigung ist, weil Homosexualität nichts verwerfliches sein soll, also folglich auch keine Beleidigung sein kann.

    Aber es ist natürlich auch klar, dass manche das abwertend meinen, wenn sie jemanden "Du Homosexueller" nennen.

    Es kommt immer auf den Kontext an.
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