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  • 01.12.2016, 17:05h           21      Teilen:   |

Verfahren in München

Kein Sex: Rentner sticht Untermieter nieder

Artikelbild
Die Münchner Richter müssen über das Schicksal des 71-jährigen Rentners entscheiden (Bild: flickr / Jack Pearce / cc by 2.0)

Mit einer 25 Zentimeter langen Klinge attackierte ein 71-jähriger Münchner seinen 30 Jahre jüngeren Untermieter, weil dieser keinen Sex haben wollte.

Vor dem Münchner Landgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen einen 71-Jährigen begonnen, der offenbar aus Wut über Sex-Verweigerung seinen 40-jährigen Untermieter niedergestochen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft Alfred S. versuchten Totschlag vor. Der Rentner erklärte vor Gericht aber, dass er bei der Tat am 10. Januar so betrunken gewesen sei, dass er sich nicht mehr an Details aus der Auseinandersetzung erinnern könne. "Mein Mandant räumt den Sachverhalt ein. Er bestreitet aber jegliche Tötungsabsicht", erklärte der Verteidiger nach Angaben der "Bild"-Zeitung.

Bei der ersten Verhandlung sagte der Angeklagte, dass er aus schwierigen Familienverhältnissen komme. Er wurde laut "Süddeutsche Zeitung" als uneheliches Kind geboren, sei zeitweise im Heim aufgewachsen und habe bereits mit 15 Jahren begonnen zu trinken. Der Alkohol habe ihn später nicht mehr losgelassen: Er habe deswegen in den Sechzigerjahren seinen Arbeitsplatz als Fahrer verloren, später als Küchenhilfe gejobbt und sei immer wieder arbeitslos gewesen. Diese Zeit habe er meist in Kneipen verbracht. Heute lebe er von Grundsicherung.

Aus finanziellen Gründen habe der Rentner den Untermieter aufgenommen, einen 40-jährigen Altenpfleger. Dieser habe nur einmal die Miete von 150 Euro bezahlt, danach habe der Bisexuelle laut dem Staatsanwalt "gelegentlich sexuelle Gefälligkeiten" als Bezahlung angeboten.

Fortsetzung nach Anzeige


"Ihr habt immer Spaß, ich bin seit sieben Jahren solo"

Wie die SZ aus dem Prozess berichtet, seien beide Männer am Tatabend nach Schnaps- und Bierkonsum sehr betrunken gewesen, als ein Bekannter des Untermieters in der Wohnung vorbeikam. Der Angeklagte soll gesagt haben: "Ihr habt immer Spaß, ich bin seit sieben Jahren solo" – und habe danach einen Dreier gefordert.

Der Bekannte lehnte das allerdings ab und verabschiedete sich. Auch dass der 40-Jährige anders als zuvor Sex ablehnte, habe den Rentner wütend gemacht, so dass er ein Messer mit einer 25 Zentimeter langen Klinge geholt habe. Er habe dann den Untermieter attackiert und nach mehreren Fehlversuchen im Bauch getroffen. Das Tatopfer berichtete, er habe den Stich nicht gespürt, aber "etwas Flüssiges, das sich auf meiner Haut ausbreitete" – sein eigenes Blut. Anschließend habe der Rentner sich geweigert, den Rettungsdienst zu alarmieren.

Der Untermieter wurde schließlich ins Schwabinger Krankenhaus eingeliefert. Seine drei Zentimeter tiefe Wunde wurde genäht, nach zwei Tagen konnte er wieder entlassen werden. Inzwischen ist der 40-Jährige aus München weggezogen. Er erklärte, dass er noch heute unter der Tat leide.

Ein Urteil wird kommende Woche erwartet, dem Angeklagten droht ein langjährige Haftstrafe. (cw)

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Tags: münchen, gericht
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Reaktionen zu "Kein Sex: Rentner sticht Untermieter nieder"


 21 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
01.12.2016
17:31:44


(+1, 3 Votes)

Von Laurent
Aus Heidelberg (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 27.12.2015


Wenn Alkohol im Spiel war, wird von einer langjährigen Haftstrafe keine Rede sein können.

Der Vater eines Freundes wurde vor Jahren unter ähnlichen Umständen (Streit ums Geld unter Wohnungsnachbarn) im Suff erstochen, nicht nur verletzt.

Urteil: 6 Jahre


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#2
01.12.2016
19:35:35


(-5, 7 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Ich bin kein Jurist, aber ich könnte mir vorstellen, dass schon die Einforderung der Miete in Form von Naturalien strafbar ist. Wenn man böswillig ist, könnte man das als Zwangsprostitution auslegen (Ausnutzung einer Zwangslage, da der Untermieter das Geld offenbar nicht hatte). Aber ich nehme an, die Richter urteilen da anders als bei einer Frau. So nach dem Motto, die Schwulen haben doch sowieso ständig Sex mit wechselnden Partnern, da ist das dann nicht so gravierend. Im Sinne unserer Gleichstellung hoffe ich daher auf eine harte Strafe


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#3
01.12.2016
20:31:16


(+2, 6 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Dont_talk_about


""aber ich könnte mir vorstellen, dass schon die Einforderung der Miete in Form von Naturalien strafbar ist.""..

Das ist tatsächlich nicht so, denn in der BRD herrscht Vertragsfreiheit, und wenn das Angebot vom Mieter ausgeht, liegt keine "Sittenwidrigkeit" bei der "Abgeltung des Mietzinses in Naturalien" vor..

Das könnten dann auch Lebensmittel oder Alkohol sein..

""Wenn man böswillig ist, könnte man das als Zwangsprostitution auslegen""..

Mit ein bisschen weniger Böswilligkeit kommt man auf den realen Vorwurf, der sich dann gegen den Vermieter richtet :
Vergewaltigung..


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#4
01.12.2016
21:30:38


(-5, 7 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014
Antwort zu Kommentar #3 von TheDad


Es ist interessant, mit welcher Gewissheit der Kollege unwahre Behauptungen aufstellt. Sex gegen Geld ist nicht pauschal durch Vertragsfreiheit abgedeckt.

Aber selbst wenn es prinzipiell legal wäre (was es zur Zeit nicht ist), käme der steuerliche Aspekt dazu. Sex wäre dann eine Dienstleistung und kein Zahlungsmittel. Also fallen Steuern an


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#5
01.12.2016
21:58:05


(+1, 5 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Dont_talk_about


""Sex gegen Geld ist nicht pauschal durch Vertragsfreiheit abgedeckt.""..

Nicht ?
Das wäre neu..

Zumal es hier gar nicht um "Geld gegen Sex" geht, sondern um "Wohnen gegen Sex"..

""Aber selbst wenn es prinzipiell legal wäre (was es zur Zeit nicht ist), käme der steuerliche Aspekt dazu. Sex wäre dann eine Dienstleistung und kein Zahlungsmittel. Also fallen Steuern an""..

Tatsächlich entfallen auf den Mietzins Einkommenssteuern..
Zur Zahlung dieser Steuern ist aber der VERmieter verpflichtet, und nicht der Mieter..
Auch bei einem Untermietvertrag..


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#6
01.12.2016
22:16:01


(+8, 8 Votes)

Von Gurkenhobel


Prostitution ist in Deutschland sehr wohl legal (s. Prostitutionsgesetz). Um Prostitution handelt sich bei sexuellen Dienstleistungen gegen Entgelt, was Geld, aber auch mietfreies Wohnen, Essen etc. sein kann.

Und mit dem Vorwurf der Vergewaltigung wäre ich vorsichtig, wenn das Angebot zum Sex vom Mieter kommt.

Aber mal ehrlich: ich steche mit einer 25cm-Klinge auf einen ein, weigere mich den Rettungsdienst zu rufen und soll keinen Tötungsvorsatz gehabt haben? Das bedürfte schon einiger Erklärung.

Was mich nur wieder ankotzt ist das mit dem "schwierigen Familienverhältnissen". Man kann nicht immer dem Elternhaus die Schuld geben, ansonsten hätten wir vermutlich fast nur noch Kriminelle. Er ist ein erwachsener Mann und als solcher befähigt, sich zu entscheiden, ob man den richtigen oder den falschen Weg geht (zumindest sollte man das unterstellen können). Bei einem 16-jährigen lasse ich die schwierigen Familienverhältnisse ja noch gelten, aber mit 71?!


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#7
01.12.2016
22:21:58


(0, 4 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #6 von Gurkenhobel


""Und mit dem Vorwurf der Vergewaltigung wäre ich vorsichtig, wenn das Angebot zum Sex vom Mieter kommt.""..

Der Mieter hat das Angebot offenbar zurückgezogen, was zur Eskalation der Situation beigetragen hat..


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#8
01.12.2016
22:53:23


(-3, 5 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014
Antwort zu Kommentar #6 von Gurkenhobel


@Gurkenhobel

Immerhin hast Du im Gegensatz zu meinem Kollegen erkannt, dass es sich hier um Prostitution handelt.
Die ist zwar nicht grundsätzlich verboten, allerdings gibt es hierfür sehr wesentliche Einschränkungen , gerade in Bayern (Sperrgebietsverordnung etc.)

@Kollege The Dad

Der Vermieter muss Steuern auf den Mietzins zahlen, ja. Allerdings muss der Untermieter auch Steuern auf seine Dienstlesitung zahlen. Das Finanzamt müsste dazu einen hypothetischen Gegenwert für die Dienstleistung angeben, damit die Höhe beider Zahlungen klar ist


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#9
02.12.2016
10:09:21


(0, 4 Votes)

Von GeorgFalkenhagen
Aus Bremen
Mitglied seit 21.05.2010


Mein erwartetes Urteil: 2 Jahre Gefängnis (Freiheitsentzug) mit einer Frist von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Bewährungsauflage: Der Angeklagte hat für sich eine Alkohol-Entziehungs-Therapie durchzuführen, was durch den Bewährungshelfer strengstens zu überwachen ist.

Ferner hat der Verurteilte dem Verletzten ein Schmerzensgeld in Höhe 3.000 zu zahlen. Diese Entschädigung kann in monatlichen Raten in Höhe von mindestens 125 ab nächster Rentenzahlung geleistet werden.


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#10
02.12.2016
10:26:37


(+6, 6 Votes)

Von Dirk_in_Berlin
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Faszinierend, wie sich hier die RA streiten.

Da kommt einem doch der Spruch in den Sinn:

"Zwei Juristen, drei Meinungen"


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