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Karl Heinrich Ulrich wurde für seinen Einsatz für Homo-Rechte einst aus Deutschland vertrieben

Homo-Aktivist statt Homo-Hasser: In der Hauptstadt muss die Einemstraße vollständig der Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße weichen.

Im Berliner Ortsteil Tiergarten wird die Einemstraße umbenannt und künftig den Namen des Juristen Karl Heinrich Ulrichs tragen, der sich im 19. Jahrhundert für die Gleichstellung von Homosexuellen eingesetzt hatte. Ein drei Jahre anhaltender Rechtsstreit um die bereits beschlossene Umbenennung endete am Donnerstag mit der Rücknahme einer Klage durch eine Anwohnerin.

Bereits vor drei Jahren war der Schöneberger Teil der Einemstraße in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße umbenannt worden (queer.de berichtete). In Tiergarten hatte aber eine Anwohnerin gegen den Schritt geklagt, weil der neue Name nicht der einer Frau war, obwohl Berlin Straßen bevorzugt nach Frauen neu benennen will. Der Grund: Bei Straßennamen gibt es noch heute einen erheblichen Männerüberschuss, der langsam abgebaut werden soll. Außerdem, so die Klägerin, seien die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Laut der "Berliner Zeitung" erklärte der Vorsitzende Verwaltungsrichter Wilfried Peters, dass Frauen zwar vorrangig bei der Straßenbennung bedacht werden sollten. "Vorrangig, aber nicht ausschließlich", schränkte er aber ein. Ulrichs betrachte der Jurist zudem als geeigneten Kandidaten für die Namensgebung: "Er gehörte zur Emanzipationsbewegung sexuell gleichgestellter Menschen. Daher ist der Name sehr geeignet. Dass es vielleicht auch bessere Namen gegeben hätte, steht außer Frage. Besser geht immer. Aber das war nicht unser Thema". Er regte daher an, dass die Anwohnerin ihre Klage zurückzuziehen solle. Sie folgte der Empfehlung.

Neue Beschilderung binnen zwei Wochen

Bis zum 16. Dezember sollen bereits die neuen Straßenschilder angebracht werden. Die alten werden ein halbes Jahr, wie gesetzlich vorgeschrieben, durchgestrichen erhalten bleiben. Danach wird der Name Einem aus dem Berliner Straßenbild verschwunden sein.

Der Streit um die Einemstraße begann bereits Anfang der Achtzigerjahre, als die Alternative Liste, wie die Grünen damals in Westberlin hießen, die Entfernung des Namens beantragte. Der Grund: Karl von Einem war ein Militarist und gilt als ein Wegbereiter der Nazis. Von 1903 bis 1909 führte er das preußische Kriegsministerium an. In dieser Zeit forderte er, dass homosexuelle Soldaten "vernichtet" werden müssten.

Der Jurist und Journalist Karl Heinrich Ulrichs ist praktisch der Gegenpol zu Einem: Er forderte 1867 auf dem Deutschen Juristentag die Abschaffung antihomosexueller Gesetze und wurde unter Tumulten aus dem Saal geworfen. Im Laufe der Zeit wurde Deutschland für einen Menschen wie Ulrichs ein zu heißes Pflaster: Er musste seine Heimat verlassen und starb 1895 im italienischen Exil.

Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch bezeichnete den frühen Aktivisten für gleiche Rechte als den "ersten Schwulen der Weltgeschichte". (dk)



#1 GeorgFalkenhagenProfil
  • 02.12.2016, 15:56hBremen
  • In Bremen gibts auch so eine umbennungswürdige Straße: Die Donandtstraße in Schwachhausen. Soweit ich mich entsinne, wurde die nach einem homophoben Senator benannt.

    Bremen hat zwar schon im "Viertel" einen Ulrichsplatz, aber keinen CSD.

    Werde gelegentlich eine Umbennungsinitiative starten. Vielleicht steht mir ja jemand mit Rat & Tat zur Seite.

    Aufgrund der Lahmarschigkeit Bremens gehe ich allerdings eher davon aus, noch vorher meinen Langzeitverlobten nach bürgerlichem Recht heiraten zu können. Standesamtlich und unkirchlich ...
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#2 SemantikerinAnonym
#3 UrsaMajorEhemaliges Profil
#4 GeorgFalkenhagenProfil
  • 02.12.2016, 19:02hBremen
  • Apropos "ulrichs": Als Passwort ist der Name ungeeignet!

    Das weiß ich, weil ich einst (anno 2000) ehrenamtlich als EDV-Experte im Schwulen Museum* tätig sein durfte. Ich hab' den Verein sogar ins Internet-Zeitalter gehievt, indem ich die URL "www.schwulesmuseum.de" kaperte, ohne dass dadurch der Institution Kosten entstanden.

    Das machte mich dort verdächtig, insbesondere weil ich meinen Mann, der im Museum über das Sozialamt vermittelt ein Jahr eine Vollzeitanstellung für 1.900 DM im Monat hatte öfter besuchte, denn ich ward arbeitlos. Und wollte nur helfen. Und Paare würden sie sowieso nicht so gerne haben.

    Untereinander kommunizierten die alten Hofschranzen via Email über das Intranet, passwortgeschützt. Dabei sah ich mich doch als Administrator!

    Der Rest war dann einfach. Ich wusste ja, was das schwule Emanzipation-Thema damals war und kam so leicht auf das PW "ulrichs".

    So hörte ich die Schwestern ab und erfuhr, was sie wähnten. "Der klaut uns unseren Namen, die Domain". Ihnen sagte ich natürlich nicht, dass ich sie belauschte.

    Den Anderen, jüngeren aus der AHA am Mehringdamm bekamen natürlich Kenntnis von der Sache. Und anlässlich eines der legendären Hoffeste hörte ich dann die ansehnlichen Jungmänner so laut in Richtung Museum lachen, dass mir ganz warm ums Herz wurde.
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#5 TheDad
#6 thorium222Profil
  • 03.12.2016, 12:27hMr
  • Unglaublich sexistische Klage dieser Frau. Bei Benennungen von Straßen sollte es, wenn schon jemand "geehrt" werden soll, nach Verdiensten und nicht nach dem Geschlecht gehen.
    Sexisten, die nur Geschlechter aber keine Menschen sehen, sind echt das Letzte.
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