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Volker Beck ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages – im kommenden Jahr muss er seinen Sitz räumen (Bild: Angelika Kohlmeier)

Der Sturz des Kölner Menschenrechtspolitikers wird den Grünen bei der Bundestagswahl 2017 Stimmen kosten.

Von Micha Schulze

Vor vier Jahren war Volker Beck noch der männliche Spitzenkandidat der Grünen in NRW, am Freitag wollten ihn nicht einmal mehr ein Viertel der Delegierten auf den halbwegs sicheren Platz zwölf setzen (queer.de berichtete). Deutschlands wichtigster LGBTI-Aktivist wurde von seiner eigenen Partei kaltherzig abserviert.

Das wird den Grünen Stimmen kosten bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr, auch wenn queere Parteimitglieder zu beschwichtigen versuchen und nur von einem Generationenwechsel reden. Es war konsequent, dass Beck am Freitagabend und Samstagmorgen nicht mehr für die Zitterplätze 14 und 16 kandidierte.

Natürlich gibt es mit Sven Lehmann, Kai Gehring und Ulle Schauws zwei Schwule und eine Lesbe auf sicheren Listenplätzen in NRW – doch das kann doch kein Argument sein, warum man ausgerechnet den Besten, Profiliertesten und Verdienstvollsten vom Sockel stürzt. Mittelmäßige Queerpolitiker gibt es in allen Parteien, einen Volker Beck nur einmal.

Beifall für die Grünen von Rechtsaußen

Der hasserfüllte Jubel des rechten Mobs in den sozialen Netzwerken zeigt, welches fatale Signal die Grünen in NRW mit ihrer Entscheidung gegen den unbequemen Menschenrechtspolitiker aussenden. Die Partei, die offiziell für eine liberale Drogenpolitik steht, verzichtet wegen eines dummen Fehlers von Beck freiwillig auf eines ihrer stärksten Argumente im Kampf gegen den Rechtspopulismus, nämlich den seit Jahrzehnten gelebten bedingungslosen Einsatz für Minderheitenrechte.

Sie bestärkt damit auch diejenigen bei den Grünen, die schon jetzt vor zuviel "politischer Korrektheit" warnen. Während Beck nicht mehr erwünscht ist, wählten die Delegierten auf Platz acht den Sozialpolitiker Markus Kurth, der in seiner Bewerbungsrede mehr Einsatz für den "55-jährigen heterosexuellen, rauchenden und übergewichtigen Industriearbeiter" forderte ("Er gehört zu uns, und das ist auch gut so").

Natürlich werden sich die Grünen weiterhin um LGBTI-Belange kümmern. Aber dass unter Schwarz-Grün etwa die Ehe für alle kommen wird, ist ohne den Vater der Eingetragenen Lebenspartnerschaft und langjährigen Parlamentarischen Geschäftsführer im künftigen Bundestag noch unwahrscheinlicher geworden.

Twitter / Volker_Beck | Volker Becks Reaktion auf Twitter

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    Ergebnis der Umfrage vom 05.12.2016 bis 12.12.2016


#1 Petrillo
  • 03.12.2016, 11:04h
  • Ja, wirklich schade. Obwohl die Grünen auch schon vorher nur noch zweite Wahl waren mit ihrer Mitläufermentalität bei SPD und nun auch CDU.

    By-the-way: "wird den Grünen (...) Stimmen kosten" = wird DIE Grünen (...) Stimmen kosten...!
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#2 KritikerProfil
  • 03.12.2016, 11:05h Frankfurt

  • Der Beste??? Also von der Steigerungsform von gut kann man offenbar viele unterschiedliche Vorstellungen haben. Er hat sich konsequent für Homorechte eingesetzt und dafür muss man dankbar sein. Er war häufig Galliosfigur und ist nicht müde geworden, immer wieder und wieder auf Mißstände hinzuweisen. Aber irgendwann muss es auch mal gut sein. Dann braucht es eine neue Generation, die Verantwortung übernimmt. Abgesehen davon gibt es einfach Verhaltensweisen, die nicht noch honoriert werden sollten. Die Crystal Meth-Affäre hätte VB veranlassen sollen, dies zum Anlass zu nehmen von sich aus aus dem Politikerberuf auszuscheiden. Man kann nicht glaubwürdig eine moralische Instanz sein, wenn man selbst dagegen verstößt.

    Wer das versucht, zerstört das Vertrauen in Politik nur noch weiter und lässt damit z.B. die Rechen erstarken. Die NRW-Grünen sind also konsequent. Danke dafür.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 03.12.2016, 11:13h
  • "Während Beck nicht mehr erwünscht ist, wählten die Delegierten auf Platz acht den Sozialpolitiker Markus Kurth, der in seiner Bewerbungsrede mehr Einsatz für den "55-jährigen heterosexuellen, rauchenden und übergewichtigen Industriearbeiter" forderte ("Er gehört zu uns, und das ist auch gut so")."

    Exakt da wird das Problem sichtbar.

    Beck ist nicht nur eine Person (zu der man stehen kann, wie man will), er ist ein Repräsentant.

    Der eigentlich Selbstverständliches gefordert und z. T. auch erreicht hat.

    Aber gerade damit macht man sich hierzulande viele Feinde.

    Auch und gerade bei der urdeutsch-romantischen grünen Partei, die voll in der Tradition der Gegenaufklärung steht.

    Die ich jetzt sicher nicht mehr wählen werde!
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#4 Patroklos
  • 03.12.2016, 11:13h
  • Antwort auf #1 von Petrillo
  • Meiner Meinung nach wird eher das Gegenteil der Fall sein und die Partei nun erst recht in der Gunst der Wähler steigen! Um den politischen Nachwuchs braucht sich die Partei keine Sorgen machen, auch was LGBTI-Rechte angeht.
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#5 Patroklos
  • 03.12.2016, 11:17h
  • Volker Beck wurde nicht "kaltherzig abserviert"! So funktioniert Basisdemokratie, für welche ja seine Partei bekannt und geschätzt wird!
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#6 ttttttAnonym
  • 03.12.2016, 11:17h
  • Viel entscheidender ist ob die Grünen mit der Union koalieren und falls ja, ob sie dann die Eheöffnung durchsetzen.

    Es kommt also darauf an was für Gesetze die politische Partei der Grünen für uns durchsetzt.

    Die SPD hat uns ja völlig im Stich gelassen.

    Die FDP hatte schon 2009-2013 bewiesen, dass sie nichts für uns tut.

    CDU, CSU und AfD würden am liebsten Rechte von Homosexuellen wieder abschaffen.

    Die Linke hat als einzige Machtoption r2g. Aber Linke und SPD werden wohl kaum miteinander koalitionsföhig sein. Und r2g hat möglicherweise auch nicht genug sitze für eine mehrheit im bundestag.

    Andere Parteien haben keine Chance auf den Einzug in den Bundestag.

    Daher bleibt eigentlich nur den Grünen eine Chance zu geben und sich zu beweisen.
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#7 GrammatikAnonym
#8 Benedictus
  • 03.12.2016, 11:20h
  • Ich denke, sein Verhalten ist ihm in mehrfacher Hinsicht zum Verhängnis geworden. Erwischt mit Crystal Meth. Die dumme Ausrede hinterher, er stand schon immer für eine liberale Drogenpolitik. Dann zwar als Konsequenz als innen- und religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion und als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe zurücktreten, aber das lukrativste Amt, sein Bundestagsmandat behalten wollen. Er hat sich selbst ausmanövriert.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 03.12.2016, 11:21h
  • Antwort auf #2 von Kritiker
  • "Die NRW-Grünen sind also konsequent. Danke dafür."

    Sagte auch Birgit Kelle und ließ die Sektkorken knallen.

    Ist die Betulichkeit von Lehmann und Gehring ihrer transsylvanischen Bauernschläue gewachsen?
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#10 SebiAnonym
  • 03.12.2016, 11:23h
  • "Der Sturz des Kölner Menschenrechtspolitikers wird den Grünen bei der Bundestagswahl 2017 Stimmen kosten."

    1.
    Volker Beck ist ja nicht von den Grünen komplett entlassen worden. Er hat nur einen schlechteren Listenplatz als vorher und kann immer noch in den Bundestag kommen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess.

    Und ehrlich gesagt finde ich es gut, dass man auch mal die jüngeren Generationen aufbaut. Irgendwann wird Volker Beck eh aufhören und wenn man bis dahin nicht Nachfolger aufgebaut hat, hat man dann ein Riesen-Problem.

    Es gibt ja mehrere schwule und lesbische Kandidaten, die jetzt vordere Listenplätze haben. Auch denen sollte man mal eine Chance geben.

    2.
    Ob das den Grünen wirklich schadet, glaube ich nicht. Der politische Gegner hätte Volker Becks Drogen-Zwischenfall schamlos ausgenützt. Ob zu recht oder nicht, ist dabei gar nicht die Frage - sie hätten es getan. Und damit den Grünen massiv geschadet.
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