Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?27718

"Rauschgefühle"

Von Drogen und Dreiern


Ausschnitt aus dem Cover: In Jannis Plastargias' neuem Roman "Rauschgefühle" wird ordentlich gekifft

  • 4. Dezember 2016, 15:24h, Noch kein Kommentar

Jannis Plastargias' dritter Roman "Rauschgefühle" um seinen schwulen Protagonisten Jonas versucht sich als Detektivgeschichte, Jugenddrama und Drogenthriller in einem.

Von Frank Hebenstreit

Jonas, den wir aus den früheren Romanen "Plattenbaugefühle" und "Großstadtgefühle" von Jannis Plastargias kennen, lebt noch immer bei seiner Omama und steht kurz vor dem Abi. Zusammen mit seinem besten Freund Fabi und dessen Freundin Lara nehmen sie Anlauf für die letzte Runde auf dem Gymnasium. Komplettiert wird sein Leben durch seinen Geliebten Paul, der nun ebenfalls in Berlin lebt und studiert.

Alles ist schön, alles ist gut und könnte ewig so weiter gehen, wenn da nicht… Genau dieses "Wenn da nicht…" schlägt völlig unerwartet zu. Lara verschwindet und ist nicht mehr auffindbar. Soweit so unspektakulär, Jugendliche tauchen ja bekanntlich gern mal kurz ab. Aber nicht nur sie ist weg, auch ihr Handy ist aus, die Facebookseite gelöscht, Twitter deaktiviert und alles, was dazu gehört. Lara ist tatsächlich spurlos verschwunden. Ohne ein Wort.

Kiffen gegen den Frust und der verführerische Dealer

Das lässt Fabi natürlich nicht kalt, denn offensichtlich war das mit Lara schon extrem intensiv und fest. Angeschlagen verfolgt er das beginnende Schuljahr, Konzentration: Fehlanzeige! Jonas versucht alles, um seinen besten Freund aufzumuntern und ihn irgendwie aufzufangen. Aber je mehr er unternimmt, desto mehr scheint ihm Fabi zu entgleiten. Haben sie anfänglich nur gelegentlich mal gekifft, um runterzukommen, scheint Fabi inzwischen täglich zu dieser Entspannung zu greifen.

Und da kommt Toni ins Spiel, Fabis Dealer. Der junge Italiener hat eine schicke Wohnung, in der allerdings eine Flasche ausgelaufenes Poppers ihre Markierung hinterlassen hat, er besitzt ein eigenes Auto und ist offen für vieles, auf jeden Fall für Männer und/oder Frauen. So macht er sich gleich bei der ersten Begegnung an Jonas ran. Sowohl er als auch sein Freund Paul könnten trotz monogamer Beziehung den Reizen des Italieners erliegen.

In diesem Gefühlswirrwarr muss Jonas dem Absturz seines besten Freundes zusehen, ohne wirklich eingreifen zu können. Es kommt zu unschönen Worten, und plötzlich ist auch noch Fabi weg. Soll er die Polizei einschalten? Was kann er erzählen, ohne den Dealer Toni zu sehr in den Fokus zu rücken? Hat der doch mehr mit all dem zu tun als es den Anschein hat? Und von wem will er denn nun was?


Jannis Plastargias ist Diplom-Pädagoge, Kulturaktivist, freier Autor und Blogger (Bild: Hic et nunc / wikipedia)

Herrlich leichte Soap zum Abschalten vom Alltag

Alles in allem liest sich diese Geschichte ebenso einfach weg wie die ersten beiden Jonas-Romane von Jannis Plastargias. Eher im Stil einer Daily Soap gehalten, wirkt "Rauschgefühle" zwar etwas konstruiert, aber das Buch funktioniert. Die Masse der Verwicklungen und Ebenen, auf denen hier interagiert wird, lassen den Leser nicht den Überblick verlieren. Aber die Worte bleiben, was sie sind: nur eine Schilderung. Sie reißen nicht mit, bewegen nicht wirklich.

Und das obwohl Plastargias mit seinem Konstrukt sicher näher an der Wahrheit ist als man denkt. Obwohl alle wissen, wie schnell der Absturz mit Drogen kommen kann, schlagen viele diese Warnungen in den Wind und "probieren es ja nur mal aus" oder gehen "total verantwortungsvoll" damit um. Zumindest in dieser Hinsicht wirft die Geschichte Fragen in den Raum, die man sich als Leser irgendwann immer schon mal gestellt hat.

Aber auf "Drogen – ja oder nein?" oder auch "Monogamie – ja oder nein?" gibt es hier keine eindeutige Antwort. Das wird mit einer der Gründe sein, warum sein Buch in der jungen Zielgruppe sehr gut ankommt. Nur bei "Freundschaft – ja oder nein?" hat "Rauschgefühle" eine klare Position, und die kann man verraten, ohne zu sehr zu spoilern. Nämlich ein bedingungsloses ja.

Infos zum Buch

Jannis Plastargias: Rauschgefühle. Roman. Taschenbuch. 222 Seiten. Astikos Verlag. Gersthofen 2016. 14 € (Ebook 8 €). ISBN 978-3-946196-09-9