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Hirschfeld-Tage 2016

Die SPD und der Paragraf 175


Die Wanderausstellung, mit der sich die SPD ein wenig selbst feiert, besteht aus neun großflächigen Tafeln (Bild: SPDqueer Leipzig)

Eine Ausstellung in der Volkshochschule Leipzig erfoscht einen weißen Fleck in der deutschen Geschichte.

Anlässlich der Hirschfeld-Tage 2016 wird die von den ehemaligen Schwusos in NRW erstellte Wanderausstellung "Die SPD und der Paragraf 175" erstmals in Leipzig ausgestellt. Mit einer Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen über Diskriminierungserfahrungen in der DDR, der Bundesrepublik und über homosexuelle Senioren wurde sie am Freitagabend in der Volkshochschule in der Löhrstraße 3 eröffnet.

Mit neun Schautafeln thematisiert die Ausstellung nicht nur die Anstrengungen von einzelnen Sozialdemokraten für eine Entkriminalisierung der Homosexualität, sondern auch die Gründung der Schwusos sowie den langen Weg, bis die Rechte von Lesben und Schwulen endlich im SPD-Grundsatzprogramm Platz fanden. Am Ende stehen die ersten Anstrengungen zur Rehabilitierung der Nachkriegsopfer, für die Bundesjustizminister Heiko Maas im Oktober einen Gesetzentwurf in die Ressortabstimmung gab (queer.de berichtete).

August Bebel kämpfte mit Magnus Hirschfeld für eine Streichung

Seit der Einführung des Paragrafen 175 im Deutschen Reich am 1. Januar 1872 gab es immer wieder Anstrengungen Einzelner in der Sozialdemokratischen Partei, die Bestrafung der "widernatürlichen Unzucht" zwischen Personen männlichen Geschlechts zu beenden. 1898 brachte der damalige SPD-Vorsitzende August Bebel erstmals einen Antrag auf Streichung in den Reichstag ein. Ein Jahr zuvor hatte der Arzt und Vorsitzende des Wissenschaftlich-humanitären Komitees Magnus Hirschfeld eine entsprechende Petition gestartet und dafür 6.000 Unterschriften gewonnen.

In der Weimarer Republik gehörte SPD-Reichsjustizminister Gustav Radbruch zu den Befürwortern einer Streichung – allerdings ebenfalls ohne Erfolg. Die Nationalsozialisten verschärften 1935 den Paragrafen sogar noch, der nach der Befreiung dann unverändert in Kraft blieb. Erst 1969 setzte SPD-Bundesjustizminister Gustav Heinemann eine weitreichende Liberalisierung durch. Endgültig gestrichen wurde der Paragraf 175 jedoch erst 1994 von einer CDU-geführten Bundesregierung im Zuge der Rechtsanpassung mit der ehemaligen DDR.

Die Idee zur Ausstellung, die einen "weißen Fleck" in der deutschen sowie der SPD-Geschichte erforscht, hatte der Kölner Schwusos-Aktivist Fabian Spies, der gemeinsam mit der NRW-Landtagsabgeordneten Ingrid Hack die Recherchen durchführte und die Texte schrieb. Gestaltet wurden die informativen Tafeln von Lene Steinmann. (dd)

Hirschfeld-Tage 2016

Unter dem Motto "L(i)ebe die Vielfalt" stehen bis zum 19. Dezember bei den dritten Hirschfeld-Tagen 115 Veranstaltungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf dem Programm. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld als Veranstalterin kooperiert dabei mit neun regionalen Partnern aus der Community. Weitere Infos zum Programm auf hirschfeld-tage.de.


#1 Miguel53deProfil
  • 05.12.2016, 04:36hOttawa
  • Jetzt waere auch interessant:

    Die CDU und der Paragraf 175
    Die CSU und der Paragraf 175
    Die FDP und der Paragraf 175
    Die Gruenen und der Paragraf 175
    Die Linken und der Paragraf 175
    Die AfD und der Paragraf 175

    Bitte auch von einer Forschungsstelle.

    Man muss sich darueber im Klaren sein, dass es innerhalb der SPD durchaus auch Widerstände gegen eine Liberalisierung gab. So war der enge Freund Heinemanns, Johannes Rau, der später dessen Enkelin heiratete und eigentlich von mir sehr geschätzt wurde, eher ein Gegner der Streichung.

    Die Gründe dafuer kann ich mir denken, will aber nicht spekulieren.

    Aber auch Schroeder und aktuell Gabriel waren oder sind an LGBTIQ-Fragen nicht wirklich interessiert. Gabriel halte ich sogar tendenziell fuer Homophob.

    Insgesamt bekleckern sich die meisten Parteien bei diesem Thema nicht mit Ruhm. Viel zu viel Zeit haben sie vergehen lassen, um fuer eine zumindest teilweise Gerechtigkeit zu stellen regen.

    Allerdings ist die SPD eindeutig die Partei gewesen, die mehr fuer uns getan hat, als die anderen. Wobei die Gruenen natuerlich auch eine positive Rolle gespielt haben. Und da insbesondere und unermüdlich Volker Beck.

    Und doch muss man auch ihnen die fahrlässige Vernachlässigung unserer Menschenrechte vorwerfen. Sie haben dann, wenn sie die Moeglichkeiten gehabt haetten, Entscheidungen nicht gefällt und nicht einmal vorangetrieben. Oder nur halbherzig gehandelt.

    Und angesichts der Wahlaussichten für den naechsten Bundestag sieht es weiß Gott nicht besser aus, was die Zukunft angeht.
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#2 Der OffenbacherAnonym
  • 05.12.2016, 09:00h

  • Helmut Schmidt hat sich ebenfalls vehement gegen vollständige Streichung des Paragrafen 175 eingesetzt.
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#3 userer
#4 Paulus45Anonym
  • 05.12.2016, 12:53h
  • Tja damals war die SPD noch führend bei LGBT-Rechten

    Und HEUTE ist sie es längst nicht mehr: Parteien wie Grüne/Bündnis 90, Linkspartei, Piratenpartei oder FDP sind alle sämtlich besser aufgestellt und werden NICHT zur Verräterpartei bei der Eheöffnung, so wie es die SPD in dieser (!!!) Legislaturperiode geworden ist, indem sie schlichtweg ihr Wahlverprechen der Eheöffnung vergessen hat.

    Es ist peinlich und beschämend für die SPD, wie sie sich gegenwärtig verhält. 21 westliche Indudstriestaaten haben die Ehe geöffnet, aber hier in Deutschland versagen die Sozialdemoraten.

    ----------------------
    Aber nicht nur bei LGBT-Rechten ist dieses Versagen der SPD immer mehr zu beobachten.

    Während in den Gründungsjahren des Deutschen Reiches zu Zeiten Bismarcks gerade die Sozialdemokraten zu einem echten Vorkämpfer der Säkularisierung und zum Zurückdrängen der Religion im Staate wurde, wird sie nunmehr immer mehr zu einer Religionspartei, die immmer mehr die Säkularisierung "durchlöchert" und Stück für Stück Errungenschaften der Trennung von Religion und Staat opfert. Dazu braucht man sich nur die aktuellen Äußerungen von SPD-Integrationsministerin Özoguz anschauen, die islamische Kinderehen in Einzelfällen anerkennen will und die sich gegen ein gesetzliches Vollverschleierungsverbot ausspricht.

    Während früher die SPD ein Vorkämpfer von LGBT-Rechten und Säkularisierung war, ist sie es heute im Jahre 2016 nicht mehr. Sie ist zu machtversessen, hat es sich in den Regierungssesseln bequem gemacht und weiß teilweise überhaupt nicht mehr, weswegen sie von Ihren Wählern die Stimme erhält.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 goddamn liberalAnonym
#6 GedächtnisstützeAnonym
  • 05.12.2016, 14:43h
  • Antwort auf #4 von Paulus45
  • "Und HEUTE ist sie es längst nicht mehr: Parteien wie Grüne/Bündnis 90, Linkspartei, Piratenpartei oder FDP sind alle sämtlich besser aufgestellt und werden NICHT zur Verräterpartei bei der Eheöffnung, so wie es die SPD in dieser (!!!) Legislaturperiode geworden ist, indem sie schlichtweg ihr Wahlverprechen der Eheöffnung vergessen hat.

    Es ist peinlich und beschämend für die SPD, wie sie sich gegenwärtig verhält. 21 westliche Indudstriestaaten haben die Ehe geöffnet, aber hier in Deutschland versagen die Sozialdemoraten. "

    Schon vergessen?

    "Bundestagswahl 2017
    "Bild": Union plant Wahlkampf gegen Homo-Rechte"

    www.queer.de/detail.php?article_id=26160

    Wie immer KEIN Kommentar von dir. Peinlich und beschämend.
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#7 TheDad
  • 05.12.2016, 14:55h
  • Antwort auf #4 von Paulus45
  • Worte und Begriffe wie ""FDP"" und ""NICHT Verräterpartei"" sind hier wohl eher ein Zeichen für Realitätsverweigerung in ganz großem Stil..

    ""Während in den Gründungsjahren des Deutschen Reiches zu Zeiten Bismarcks gerade die Sozialdemokraten zu einem echten Vorkämpfer der Säkularisierung und zum Zurückdrängen der Religion im Staate wurde""..

    Geschichtsklitterung !
    Denn es war Bismarck der nach der Einführung der Zivilehe die Katholiken wegen ihres Widerstandes dagegen aus den Ämtern jagte, während er gleichzeitig die SPD verboten hat, und versuchte ihnen mit der Einführung der Sozialversicherung den politischen Boden abgraben..

    ""Dazu braucht man sich nur die aktuellen Äußerungen von SPD-Integrationsministerin Özoguz anschauen""..

    Ach, daher weht der Wind..
    Säkularisierung ist immer nur dann gut, so lange sie sich nicht gegen die EKD und die RKK wendet..
    Deine internalisierte Islamophobie ist auch nicht besser als Dein damit vorgetragener Rassismus..

    ""die islamische Kinderehen in Einzelfällen anerkennen will""..

    Nur einmal kurz für 3 Minuten darüber nachgedacht, welchen Grund es gäbe eine im Ausland nach ausländischem Recht geschlossene Ehe nach deutschem Recht aufzuheben, und dabei das gemeinsame Kind zu einem unehelichem zu erklären..

    Welchen Eindruck macht so ein Deutschland auf die Umgebung wenn es sich WIEDER anmaßt über die Rechtmäßigkeit geschlossener "außer-deutscher" Ehen zu erheben, und Ehen zwangsweise für "Unrecht" oder ungültig erklärt ?

    Artikel 6 GG ist dort eigentlich sehr eindeutig !
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#8 Patroklos
#9 userer
  • 05.12.2016, 15:45h
  • Antwort auf #8 von Patroklos
  • Selbstverständlich nicht vergeben. Das wäre nur möglich, wenn er sich zumindest davon distanziert hätte, besser noch entschuldigt. Hat er aber nie. Das Gleiche gilt für Rau, einen weiteren erbitterten homophoben Befürworter des § 175 in der SPD.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 AlexAnonym
  • 05.12.2016, 16:35h

  • Manche Sozialdemokraten waren gegen Homo-Verfolgung, andere dafür. Helmut Schmidt ließ sogar einschlägige Treffpunkte überwachen, um Schwule zu schnappen.

    Statt sich selbst zu feiern, dass nicht alle Sozialdemokraten für die Verfolgung waren, sollte die SPD endlich die Opfer des §175 rehabilitieren und entschädigen. Denn mehr als Ankündigungen hat es bisher nicht gegeben.
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