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Die Schule soll sich laut der Expertise mehr für schwule, lesbische, bisexuelle und trangeschlechtliche Schüler engagieren (Bild: Gays With Kids)

In Mecklenburg-Vorpommern müssen Schulen mehr für schwule, lesbische und transsexuelle Schüler tun, so das Ergebnis einer Expertise.

Zu Update springen: Schwuler AfD-Chef kritisiert "Pseudostudie" (15.55 Uhr)

Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat am Montagvormittag in Schwerin das erste umfassende Experten-Gutachten über Homo- und Transfeindlichkeit unter Schülern im Land Mecklenburg-Vorpommern (PDF) vorgestellt. Die Expertise, die vom Menschenrechtsverein "Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern" erstellt worden ist, kommt zu dem Ergebnis, dass bei schwulen, lesbischen und transsexuellen Jugendlichen Diskriminierung und Ausgrenzung nach wie vor "eine große Rolle" spielten.

Die Forscher befragten über 200 heterosexuelle Schüler aus den Jahrgangsstufen sieben bis zehn mit Hilfe von Fragebögen und veranstalteten insgesamt 18 Gruppendiskussionen. Außerdem gaben 115 junge Lesben, Schwule und Bisexuelle aus Rostock Auskunft über Diskriminierungserfahrungen. Dazu wurden auch 20 ausführliche Interviews durchgeführt, die jeweils mehr als drei Stunden dauerten.

Twitter / AmadeuAntonio

Die Ergebnisse: Die Mehrheit aller befragten Schüler befürworteten zwar abstrakt Gleichberechtigung und Akzeptanz für sexuelle Minderheiten. Je tiefer die Forscher aber in ihren Fragen bohrten, "desto stärker ist die Ablehnung gegenüber LST*", heißt es in einer Zusammenfassung der Expertise. Insgesamt dominiere bei Jugendlichen "eine Orientierung an heteronormativer Ordnung (stereotype Geschlechterrollen, biologistische Geschlechterverständnisse, hegemoniale Männlichkeit, Zweigeschlechtlichkeit)". Bei der Befragung sei auch deutlich geworden, dass Jungen homo- und transfeindlichen Aussagen "in höherem Maße" zustimmten als Mädchen.

Schulklima für Akzeptanz mitentscheidend

Die Studie zeigt, dass das Schulklima einen erheblichen Einfluss darauf hat, wie verbreitet homo- und transfeindliche Einstellungen sind. Schulen, die sich mehr um das Thema kümmerten, hätten danach weniger Probleme mit Homo- und Transphobie. Die Ablehnung von LGBT steht dabei nicht im luftleeren Raum, sondern überschneide sich auch mit anderen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, etwa dem antimuslimischen Rassismus.

Diskriminierende Erfahrungen bei schwulen, lesbischen und bisexuellen Schülern seien laut der Befragung weit verbreitet: Unter LGB-Schülern in dieser Gruppe gaben demnach 87 Prozent an, bereits Diskriminierungen im öffentlichen Raum erlebt zu haben. 63 Prozent haben Gewalttaten im Alltag erlebt. In den ausführlichen Interviews hätten zudem alle Befragten erklärt, dass sie sich insbesondere bei ihrem Coming-out von der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen gefühlt hätten. Dabei habe Angst vor Diskriminierung und vor Neonazi-Gewalt eine große Rolle gespielt. Kritisiert wurden mangelnde Beratungsangebote, insbesondere im ländlichen Bereich.

Akzeptanz "kein Minderheitenthema"

In der Expertise heißt es, dass die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen "kein Minderheiten-Thema" sei, sondern alle Menschen etwas angehe. Daher empfehlen die Experten, dass in Schulen das Thema der LGBT-Lebensweisen besser behandelt werden müsste. Pädagogen müssten dazu aus- und weitergebildet werden und die Thematik in Rahmenplänen von mehreren Schulfächern – darunter Deutsch, Religion und Biologie – berücksichtigt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD Mecklenburg-Vorpommern begrüßte die Expertise, da nun "erstmals fundierte Aussagen über die Lebensrealität von Lesben, Schwulen und Trans* in unserem Bundesland vorliegen", erklärte Schwusos-Chef Reno Banz. "Es zeigt sich aber auch, dass Mecklenburg-Vorpommern mit dem 'Landesaktionsplan für die Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt' und der im Koalitionsvertrag vereinbarten Schaffung von Ansprechpartnern bei der Landespolizei auf dem richtigen Weg ist", so Banz. "Es kommt nun auf eine zügige und engagierte Umsetzung verbunden mit einer ausreichenden Finanzierung an." (dk)

 Update  15.55 Uhr: Schwuler AfD-Chef kritisiert "Pseudostudie"
Die AfD hat in einer ersten Reaktion scharfe Kritik an der Studie geübt: "Mit endlosen Pseudostudien in unlesbarer Gender-Sprache wird nicht eine einzige Gewalttat gegen Homosexuelle verhindert. Die Autoren segeln dabei auch meilenweit an der Realität vieler Homosexueller vorbei", erklärte der schwule Fraktionsvizechef Holger Arppe am Montagnachmittag. Seiner Meinung nach bedrohe "die Masseneinwanderung zumeist muslimischer Asylsuchender im vergangenen Jahr" Schwule und Lesben in Mecklenburg-Vorpommern weit mehr als die in der Studie aufgeführten Gründe. "Die Homosexuellenfeindlichkeit von Asylbewerbern und Einwanderern aus anderen Kulturkreisen kommt in der Studie überhaupt nicht vor", so Arppe. Allerdings verschweigt der Politiker, dass es in Mecklenburg-Vorpommern kaum Ausländer oder Muslime gibt und und viele Flüchtlingsheime leer stehen.

Arppe kritisierte auch, dass die Studienautoren fordern, Homosexualität fächerübergreifend zum Thema an Schulen zu machen, um gegen Ausgrenzung und Mobbing von LGBT-Schülern vorzugehen. Dies sei "Frühsexualisierung von Kindern durch das Hintertürchen", erklärte der Rechtspopulist.



#1 Tommy0607Profil
  • 05.12.2016, 12:15hEtzbach
  • Diese Ewig - Gestrigen müssen noch "einiges" lernen!
    Besonders Menschlichkeit und Toleranz gegen Minderheiten .
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#2 FelixAnonym
  • 05.12.2016, 13:00h
  • Homo- und transphobe Diskriminierung, Mobbing und Gewalt sind Alltag an deutschen Schulen.

    Statt Orte der Sicherheit und Bildung sind deutsche Schulen Angsträume.

    Das schadet auch heterosexuellen Schülern, wenn sie vom Hass zerfressen durchs Leben gehen.

    Umso unverständlicher, dass es nicht längst umfassendere Bildungspläne gibt.
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#3 LorenProfil
  • 05.12.2016, 13:03hGreifswald
  • Das Eis bleibt dünn, da zwischen abstraktem Rechtsempfinden und eigenem Handeln bei allzu vielen erhebliche Lücken klaffen. Was nicht nur beim Umgang mit nicht heterosexuellen Schülern in MV zu beobachten sein dürfte.
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#4 Patroklos
  • 05.12.2016, 15:06h
  • Jetzt tingelt der abgewatschte Volker Beck durch das beschauliche Mecklenburg-Vorpommern und stellt Ergebnisse von Expertengutachten vor. Hätte das nicht jemand der aktuellen Landesregierung übernehmen können!?

    Die Hauptschuld an dieser Diskriminierung und am homophoben Klima an den Schulen trägt auf jeden Fall die AfD!
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#5 TheDad
  • 05.12.2016, 15:41h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • ""Die Hauptschuld an dieser Diskriminierung und am homophoben Klima an den Schulen trägt auf jeden Fall die AfD!""..

    Du kannst nun sicher auch dezidiert darlegen wie das Zustande kommen soll, und wer vor der Partei-Gründung der "AFD" im Jahr 2013 dafür verantwortlich war ?
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 05.12.2016, 16:23h
  • "Arppe kritisierte auch, dass die Studienautoren fordern, Homosexualität fächerübergreifend zum Thema an Schulen zu machen, um gegen Ausgrenzung und Mobbing von LGBT-Schülern vorzugehen."

    Auch auf die Gefahr hin hier als inhuman bezeichnet zu werden, muss ich feststellen:

    Auch dieser sinnlose Kampf eines Betroffenen gegen die ureigenen Interessen ist ein weiteres Zeichen von weit verbreitetem schwulem Selbsthass.
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#7 AlexAnonym
  • 05.12.2016, 16:28h
  • Antwort auf #4 von Patroklos

  • Und wer hatte " auf jeden Fall" die Schuld, als es die AfD noch gar nicht gab?

    Die AfD schürt das natürlich auch, aber die Grundlagen dafür haben andere Parteien schon seit Jahrzehnten gelegt.
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#8 Miguel53deProfil
#9 TheDad
  • 05.12.2016, 19:11h
  • Antwort auf #7 von Alex
  • ""Die AfD schürt das natürlich auch, aber die Grundlagen dafür haben andere Parteien schon seit Jahrzehnten gelegt.""..

    Die AfD schürt das natürlich auch, aber die Grundlagen dafür haben andere Parteien und vor allem die "Kirchen" schon seit Jahrzehnten/Jahrhunderten gelegt.
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#10 Robby69Ehemaliges Profil