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LGBTI-Aktivisten fordern, dass keine kosmetischen Eingriffe an Intersexuellen im Kindesalter durchgeführt werden sollten (Bild: Bridget Coila / flickr)

Intersexuelle Säuglinge müssen weiter "feminisierende" und "maskulinisierende" Genitaloperationen über sich ergehen lassen, unter denen viele ein Leben lang leiden.

In deutschen Krankenhäusern werden weiterhin kosmetische Genitaloperationen an intergeschlechtlichen Kindern durchgeführt. Das ist das Ergebnis einer vom Bundesfamilienministerium geförderten Studie der Psychologin Ulrike Klöppel von der Berliner Humboldt-Universität unter dem Titel "Zur Aktualität kosmetischer Operationen 'uneindeutiger' Genitalien im Kindesalter" (PDF).

In dem Papier weist Klöppel mit einer retrospektiven statistischen Auswertung nach, dass in Deutschland zwischen 2005 und 2014 die Praxis von "feminisierenden" und "maskulinisierenden" Genitaloperationen an Säuglingen und Kindern nicht wesentlich zurückgegangen sei, obwohl in diesem Zeitraum die medizinischen Behandlungsleitlinien schrittweise überarbeitet worden seien.

Der Lesben- und Schwulenverband kritisierte diese Praxis am Montag scharf: "Statt die Annahme natürlicher Zweigeschlechtlichkeit zu hinterfragen, werden intergeschlechtliche Menschen in Deutschland nach wie vor 'passend' gemacht", so LSVD-Sprecher Axel Blumenthal. "Die medizinisch unnötigen kosmetischen Genitaloperationen sind keine Heil-Eingriffe, sondern verletzen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde von intergeschlechtlichen Menschen und verstoßen gegen die UN-Kinderrechtskonvention."

Der LSVD fordert, dass medizinische Eingriffe ausschließlich aufgrund der informierten Einwilligung der betroffenen intergeschlechtlichen Menschen erfolgen dürfen. Die von der Bundesregierung eingerichtete Interministerielle Arbeitsgruppe "Trans- und Intersexualität" müsse dafür sorgen, dass diese "menschenrechtswidrigen" Operationen beendet werden.

Laut dem Verein "Intersexuelle Menschen" gibt es 80.000 bis 120.000 intergeschlechtliche Menschen in Deutschland. Durchschnittlich wird jedes 500. Kind mit einem uneindeutigen Geschlecht geboren. Viele intergeschlechtliche Menschen leiden an psychischen und körperlichen Spätfolgen durch gravierende und irreversible chirurgische und verstümmelnde Zwangsoperationen im Kindesalter. (pm/cw)



#1 OII GermanyAnonym
  • 05.12.2016, 17:00h
  • Pressemitteilung der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM) Deutschland

    Kosmetische Operationen an Genitalien intergeschlechtlicher Kinder noch immer traurige Realität
    Studie zur Häufigkeit von Genitaloperationen im Kindesalter erschienen

    In deutschen Krankenhäusern werden weiterhin kosmetische Genitaloperationen an intergeschlechtlichen Kindern durchgeführt. Behauptungen, dass diese schwerwiegenden Eingriffe der Vergangenheit angehörten,1 sind schlichtweg falsch. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine am 1. Dezember veröffentlichte Studie von Dr. Ulrike Klöppel, die die Entwicklung der Operationshäufigkeit für die Jahre 2005 bis 2014 analysiert.2 Demnach wurden etwa ein Fünftel der als weiblich registrierten Kinder, die wegen einer Variation der körperlichen Geschlechtsmerkmale im Krankenhaus aufgenommen worden waren, einer komplexen Genitaloperation unterzogen, die einer Anpassung an Weiblichkeitsnormen dient und dies in einem Alter von 0 bis 9 Jahre. Auch im Säuglingsalter sind z.B. Klitoris-Operationen weiterhin üblich. Maskulinisierungsoperationen werden jährlich an Hunderten Kindern durchgeführt.
    Die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Studie bestätigt die Vorwürfe, die Organisationen intergeschlechtlicher Menschen (Organisation Intersex International, Verein Intersexuelle Menschen e.V., zwischengeschlecht) seit Langem erheben: Menschenrechtsverletzungen an Kindern sind auch in deutschen Kliniken Praxis. Die im September 2014 eingesetzte Interministerielle Arbeitsgruppe zu Inter- und Transsexualität hält es trotz dieser Tatsachen und verschiedener Rügen durch UN-Ausschüsse nicht für nötig, rechtliche Regelungen in der Bundesrepublik zum Schutz intergeschlechtlicher Kinder vorzubereiten. Verstärkte Aufklärung und (Peer)Beratung, wie von der Interministeriellen Arbeitsgruppe empfohlen, sind zweifelsohne nötig, aber sie bieten keine Rechtssicherheit, kommentiert Andreas Hechler, Beirat der Organisation Intersex International (OII) Deutschland.
    Dieser Zustand ist unhaltbar, betont Dr. Dan Ghattas, Vorstandsmitglied von OII: Deutschland hat alle in diesem Zusammenhang relevanten UNMenschenrechtskonventionen ratifiziert. Zugleich ist Deutschland als EUMitgliedsstaat und Mitglied des Europarats dazu aufgefordert, die Europäische Menschenrechtskonvention einzuhalten. Die Bundesregierung muss sich dieser Verantwortung endlich stellen. Ins A Kromminga, ebenfalls aus dem Vorstand, ergänzt: Auf Länderebene hat die GMFK bereits 2014 klargestellt, dass die Verstümmelung intergeschlechtlicher Genitalien mit weiblicher Genitalverstümmelung vergleichbar ist. Diese ist in Deutschland verboten. Aber hier misst die Bundesregierung ganz offenbar mit zweierlei Maß.
    OII Germany fordert daher in Übereinstimmung mit den anderen in Deutschland aktiven Organisationen intergeschlechtlicher Menschen ein Verbot kosmetischer Genitaloperationen im Kindesalter. Um Rechtssicherheit für die betroffenen Kinder zu schaffen, bedarf es klarstellender Regelungen, wie sie mit § 226a StGB bereits für die weibliche Genitalverstümmelung eingeführt wurden. Es muss gewährleistet sein, dass intergeschlechtliche Erwachsene ihre Rechte durchsetzen können. Dazu müssten die Krankenakten von Kindern bei Eingriffen an den Genitalien längeren Aufbewahrungsfristen unterliegen und die Verjährung sollte ruhen, bis die Betroffenen volljährig sind.

    Pressekontakt: oii-germany@gmx.de
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#2 RerunProfil
  • 07.12.2016, 14:14hBad Salzuflen
  • Antwort auf #1 von OII Germany
  • "Aber hier misst die Bundesregierung ganz offenbar mit zweierlei Maß."

    Nein, sie misst mit dreierlei Maß. Mädchen sind vollumfänglich geschützt (§226a StGB), bei Intersex bewegen wir uns allgemeinen gesetzlichen Rahmen und bei Jungen hat sich die Bundesregierung §1631d BGB ausgedacht. Trotzdem entblödet man sich nicht, jedes Jahr erneut mit dem Slogan "#GleichesRechtJedesGeschlecht" aufzuwarten.

    §226a StGB ist geschlechtsneutral zu formulieren.
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