Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?27730

Yahya Jammeh, hier bei einem TV-Interview vor einem Jahr, zieht sich nach 22 Jahren an der Spitze Gambias zurück

Einer der homophobsten Staatschefs der Welt tritt ab: Yahya Jammeh hatte über zwei Jahrzehnte lang das westafrikanische Gambia mit harter Hand regiert.

Der gambische Präsident Yahya Jammeh hat angekündigt, die Präsidentschaftswahl vom vergangenen Donnerstag zu akzeptieren. Jammeh hatte die Wahl überraschend gegen den Oppositionskandidaten Adama Barrow verloren – Jammeh erzielte nur 36 Prozent der Stimmen, Barrow kam auf 46 Prozent.

Der inzwischen 51-jährige Jammeh hatte sich 1994 an die Macht geputscht. In seiner Amtszeit wurden er wegen Korruptionsskandalen und Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, sich durch Wahlfälschung an der Macht gehalten zu haben – bei der letzten Präsidentschaftswahl 2011 erzielte er offiziellen Zahlen zufolge über 70 Prozent der Stimmen.

Auch die homophobe Rhetorik Jammehs stieß international auf Kritik: Im vergangenen Jahr sagte der Präsident etwa, dass er Homosexuellen in seinem Land "die Kehle durchschneiden" werde. In der Vergangenheit bezeichnete er Schwule und Lesben als "Ungeziefer". Außerdem behauptete er, Homosexualität widerspreche dem Menschsein und sei gemeinsam mit Macht- und Geldgier die "größte Bedrohung der menschlichen Existenz".

Gambia soll Homosexuelle gefoltert haben

Amnesty International warf Jammehs Gambia vor, mutmaßliche Homosexuelle zu foltern, darunter sogar Minderjährige. Die Europäische Union hat ihre Entwicklungshilfe für Gambia in den letzten Jahren wegen Menschenrechtsverletzungen teilweise eingefroren – und dabei auch die Homo-Politik als Grund genannt. Allerdings hatte das keinen Einfluss auf die Politik des Landes.

Jammeh wurde auch wegen seiner Aids-Politik kritisiert. So behauptete der Autokrat mehrfach, dass er HIV-Positive geheilt habe – Beweise für die Wunderheilung lieferte er aber nie.

Auf Homosexualität steht derzeit im Land eine lebenslange Haftstrafe. Es ist unklar, ob der neue Präsident Adama Barrow daran etwas ändern wird. Barrow ist ein Unternehmer, der Anfang des Jahrtausends ein paar Jahre in London lebte und dort einen Abschluss in Immobilienwirtschaft machte.

Mit einem Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt von unter 500 US-Dollar gehört die ehemalige britische Kolonie zu den ärmsten Ländern der Welt. Homosexualität ist seit der Gründung Gambias durch die Kolonialherren im Jahr 1888 illegal. 2014 ließ Jammeh die Gesetze noch verschärfen (queer.de berichtete). (dk)