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Eine Teilnehmerin des CSDs in Tel Aviv (Bild: Nina A.J. / flickr)

Zukünftig sollen die schwulen und lesbischen Ehepartner von Israelis genauso leicht eingebürgert werden können wie Heterosexuelle.

Für ausländische Ehepartner von schwulen und lesbischen Israelis sollen in Kürze die gleichen Bedingungen für die Beantragung der israelische Staatsbürgerschaft gelten wie für heterosexuelle Ehepartner. Das hat Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit nach Angaben der "Jerusalem Post" am Mittwoch bei einer Anhörung des Obersten Gerichtshofs des Landes erklärt.

Gegenwärtig können heterosexuelle Ehepartner von Einheimischen nach vier Jahren die israelische Staatsbürgerschaft erhalten. Gleichgeschlechtliche Partner müssen dagegen mindestens sieben Jahre warten. Ausländische Schwule und Lesben müssen zudem ihren alten Pass abgeben, während für Heterosexuelle eine doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist. Mandelblit kündigte an, die Ungleichbehandlung zu beenden und künftig allen ausländischen Ehepartnern von Israelis nach vier Jahren den Erwerb der Staatsbürgerschaft zu ermöglichen.

"Das ist ein großartiger Sieg, der die ärgerliche Diskriminierung gegen gleichgeschlechtliche Paare beendet", erklärte die Organisation Avot Ge'im (Stolze Väter). "Die Entscheidung wird vielen binationalen Paaren helfen." Die Aktivisten hatten das Gericht in dieser Frage angerufen und gefordert, die Ungleichbehandlung zu beenden.

Gleichgeschlechtliche Ehen seit zehn Jahren anerkannt

Der jüdische Staat erkennt schon seit 2006 im Ausland geschlossene Ehen von schwulen und lesbischen Israelis an. Es ist allerdings nicht möglich, in Israel zu heiraten, da keine Zivilehe angeboten wird, sondern Eheschließungen nur von Religionsgemeinschaften durchgeführt werden dürfen. Auch heterosexuelle Paare müssen im Ausland heiraten, wenn sie nicht der selben Religionsgemeinschaft angehören.

Zugleich erkennt der Staat auch Ehen ohne Trauschein an; wer glaubhaft versichern kann, in einer Partnerschaft zu leben, erhält eine Reihe von Rechten. Diese informelle Anerkennung steht auch Homo-Paaren offen und bringt ihnen auch das Adoptionsrecht.

Israel ist mit Abstand das LGBTI-freundlichste Land im Nahen Osten. Trotzdem ist der gut acht Millionen Einwohner zählende Staat, der gerade einmal so groß ist wie Hessen, wegen seiner Politik gegenüber Palästinensern auch in der LGBTI-Szene umstritten. So demonstrierten in diesem Jahr Aktivisten beim Lesbisch-schwulen Stadtfest in Berlin gegen die Politik des jüdischen Staates und riefen zu einem Boykott israelischer Waren auf (queer.de berichtete). (dk)



#1 Paulus45Anonym
  • 09.12.2016, 17:03h
  • "Israel ist mit Abstand das LGBTI-freundlichste Land im Nahen Osten."

    Dieser Satz ist vollkommen richtig und kann nicht oft genug geschrieben werden, wenn es um den Nahen Osten als Thema geht.

    Nur in Israel gibt es eine derart große gesellschaftlich und staatliche Anerkennung homosexueller Paare, wie sonst in keinem anderen Staat des Nahen Ostens. In Syrien und im Irak wütete die Islamismus und schwule Männer werden dort geköpft. Im schiitischen Iran werden sie aufgehängt und im wahabitischen Saudi-Arabien werden hohe Haftstrafen verhängt.

    Demgegenüber ist Israel ein humaner Staat und dort gibt es beispielsweise sogar mit Rabbiner Ron Yosef, den ersten offen schwulen Rabbiner im orthodoxen (!!!) Judentum. Im Reformjudentum oder im Konservativen Judentum gibt es bekanntlich schon eine ganze Reihe an offen homosexuellen Rabinern (Lionel Blue, Malka Drucker, Denise Eger, Jason Klein, Stacy Offner, usw.). Probleme bereitet vorrangig das ultrorthodoxe Judentum.
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#2 RobinAnonym
  • 09.12.2016, 19:55h
  • Tolle Nachrichten!

    Das nächste Ziel für Israel sollte die generelle Ehe-Öffnung sein.
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#3 GerritAnonym
  • 10.12.2016, 10:20h
  • "Israel ist mit Abstand das LGBTI-freundlichste Land im Nahen Osten."

    Sehr richtig.

    Sowohl die rechtlichen Fortschritte, als auch die Freiheit CSDs machen zu können und überhaupt als LGBTI offen leben zu können, ist dort in der Region in KEINEM anderen Land auch nur ansatzweise möglich.

    Israel ist wirklich eine Insel der Freiheit und Sicherheit für LGBTI im Nahen Osten.
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#4 RaffaelAnonym
  • 10.12.2016, 10:51h
  • >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    So demonstrierten in diesem Jahr Aktivisten beim Lesbisch-schwulen Stadtfest in Berlin gegen die Politik des jüdischen Staates und riefen zu einem Boykott israelischer Waren auf
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Das erinnert mich doch sehr an das "Kauft nicht bei Juden" im Dritten Reich.

    Es ist ja nicht so, dass die Linie der israelischen Regierung bei der Opposition und den Bürgern auf volle Zustimmung trifft. Da gibt es ja auch viel Kritik an der eigenen Regierung. Dann pauschal zu sagen, man solle Juden boykottieren, ist purer Antisemitismus.

    Auch deutsches Militär ist an vielen Auslandseinsätzen beteiligt und tut viel, was man mindestens fraglich finden kann. Dann müssten die auch fordern "Kauft nicht bei Deutschen." Aber dass es in Deutschland auch Widerspruch gibt, ist denen klar, aber bei Israel ignorieren die das einfach.

    Und man darf ja auch nicht vergessen, dass die Gegenseite ja auch nicht total unschuldig ist. Seit Jahrzehnten ist Israel regelmäßigen Terroranschlägen, Raketenangriffen etc. ausgesetzt. Beide Seiten haben viele Fehler gemacht und viel verbrochen. Dann nur so einseitig den schwarzen Peter zu suchen, ist bestenfalls naiv und dumm bzw. schlechtestenfalls vorsätzlicher Antisemitismus.

    Das ist Antisemitismus. Punkt. Und ich finde es skandalös, dass wir unsere LGBTI-Feste für Toleranz und Freiheit für sowas missbrauchen lassen.
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#5 Vater
#6 Tim 80Anonym
  • 10.12.2016, 16:02h
  • Wir sollten froh sein, dass es dort einen Staat gibt, der auch unsere Freiheit verteidigt, damit diese Gegend der Welt nicht komplett in Barbarei untergeht.
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#7 SebiAnonym
  • 10.12.2016, 16:04h
  • Antwort auf #5 von Vater
  • Natürlich gibt es auch dort ultra-konservative Ewiggestrige. Wie auch in Deutschland und selbst wie in den fortschrittlichsten Staaten. Sogar in den Niederlanden, Dänemark, Schweden, etc. gibt es solche Leute.

    Aber die Frage ist immer, wie die Mehrheit das sieht und wie der Staat als ganzes damit umgeht. Und da ist Israel in vielen Punkten vorbildlich - erst recht auf die Region bezogen.

    So werden dort z.B. im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen anerkannt. Wenn jetzt noch die Ehe geöffnet würde, wären die noch fortschrittlicher.
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#8 UnterschiedenAnonym
  • 10.12.2016, 17:49h
  • Antwort auf #7 von Sebi
  • "Wenn jetzt noch die Ehe geöffnet würde, wären die noch fortschrittlicher."

    Es geht in Israel nicht einfach darum, "die Ehe zu öffnen". Es ginge zunächst darum, die Institution der Ehe aus den Klauen der Religionsvertreter zu befreien und überhaupt einmal eine nicht-religiöse Zivilehe (auch für Heteros!) einzuführen, die auch IN ISRAEL geschlossen werden kann und nicht nur, wie bisher, im Ausland. Dass das der aktuelle Problemstand ist, deutet in meinen Augen nicht wirklich auf ein einfach nur "fortschrittliches" Land hin. Die Lage ist schon ein wenig komplexer und widersprüchlicher.
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#9 AlexAnonym
  • 10.12.2016, 19:36h
  • Antwort auf #8 von Unterschieden

  • Ja, man sollte eine Zivil-Ehe einführen, die dann von Beginn an für verschiedengeschlechtliche und gleichgeschlechtliche Paare gilt.

    Aber das ändert ja nichts daran, dass sowas wie CSDs und offen lebende GLBTI nirgends sonst in der Region möglich wären. Das mit der Ehe wäre nur noch das Tüpfelchen auf dem i.
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#10 TheDad
  • 10.12.2016, 20:43h
  • Antwort auf #7 von Sebi
  • ""Wenn jetzt noch die Ehe geöffnet würde""..

    Dazu müßte man die Zivilehe erst einmal einführen :

    ""Es ist allerdings nicht möglich, in Israel zu heiraten, da keine Zivilehe angeboten wird, sondern Eheschließungen nur von Religionsgemeinschaften durchgeführt werden dürfen.""..

    Es darf hier zu Recht daran gezweifelt werden das die "Religionsgemeinschaften" darüber überein kommen die Ehe für LGBTTIQ* zu öffnen..
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