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Die Hälfte der niederländischen Kinder wächst nicht in traditionellen Familien auf – sie sollen nun mehr Rechte erhalten. (Bild: Mysudbury.ca Ouisudbury.ca / flickr)

Um Patchworkfamilien und Regenbogenfamilien gerecht zu werden, soll die Regierung nach dem Willen einer staatlichen Kommission vier Elternteile rechtlich anerkennen.

Eine vor zweieinhalb Jahren von der niederländischen Regierung eingesetzte Kommission zur Überarbeitung des Familienrechts kommt zu dem Ergebnis, dass der Staat künftig statt nur zwei Elternteile bis zu vier Erziehungsberechtigte in bis zu zwei Haushalten rechtlich anerkennen sollte. Diesen Vorschlag machte die Kommission unter Führung des Sozialdemokraten Aleid Wolfsen, des früheren Bürgermeisters von Utrecht, in ihrem am Mittwoch vorgestellten Abschlussbericht "Kind und Eltern im 21. Jahrhundert" (PDF, niederländisch).

"Heutzutage gibt es, öfter als früher, unterschiedliche Familiensituationen. Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien. Die Staatskommission will die Interessen der Kinder in all diesen Situationen juristisch gewährleisten", heißt es in dem 670-seitigen Bericht. Wenn nur zwei Elternteile rechtlich anerkannt würden, führe das bei vielen Familien zu erheblichen juristischen und praktischen Problemen – etwa, wenn ein Kind krank ist und nur der offizielle Erziehungsberechtigte über die Behandlung entscheiden darf.

Insgesamt sprach die Kommission 68 Empfehlungen aus, darunter etwa auch eine Regulierung der Leihmutterschaft, für die es derzeit in den Niederlanden keine Gesetzesgrundlage gibt. Viele Niederländer würden im Ausland Leihmutterschaften beauftragen – mit einem Gesetz könnte diese Praxis im Inland in geordnete Bahnen gelenkt werden.

Justizminister: Keine prinzipiellen Einwände


An dem Bericht haben Familienexperten über zwei Jahre lang gearbeitet

Die Reaktionen auf das Papier fielen weitgehend positiv aus: Justizminister Ard van der Steur von der rechtsliberalen VVD begrüßte den Bericht und erklärte, dass die Regierung keine prinzipiellen Einwände gegen eine Aktualisierung des Familienrechts habe. Nun müsse überprüft werden, welche Vorschläge umgesetzt werden könnten.

Die LGBTI-Organisation COC feierte den Bericht als "historischen Sieg" und echten Durchbruch in der Familienpolitik. Würden die Vorschläge umgesetzt, wären viele Probleme von nicht-traditionellen Familien gelöst.

Skeptisch zeigten sich dagegen konservative Politiker. So kritisierte die orthodox-calvinistische Partei ChristenUnie, dass die Vorschläge eine "juristische Festlegung von Ausnahmesituationen" seien. "Jedes Kind wird nämlich von einem Vater und einer Mutter gezeugt, das war so, das ist so und das bleibt auch so." Allerdings wächst gerade einmal die Hälfte der Kinder in den Niederlanden in einer traditionellen Familie mit einem verheirateten heterosexuellen Ehepaar auf.

Auch in Deutschland wird bereits darüber debattiert, ob bis zu vier Eltern pro Kind rechtlich möglich gemacht werden sollten. Diesen Vorschlag machten etwa die Grünenpolitiker Volker Beck und Katja Dörner im September in einem gemeinsamen Thesenpapier (queer.de berichtete). Auch die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) nahmen diese Forderung in ihrem Programm zur Bundestagwahl 2017 auf (queer.de berichtete). (dk)



#1 anonymAnonym
  • 09.12.2016, 17:27h
  • ... es nicht nur LGBTI Thema, sondern eines unserer gesamten deutschen Gesellschaft.

    Leider hat man Parteiübergreifend keinen Mut, sich der Wirklichkeit zu stellen.

    Auch wer dem christlich Glauben und / oder der christlichen Wertegemeinschaften, kann geschieden, neu gebunden, neu verheiratet... sein.
    Und auch dort gibt es die Konstellationen, von mehreren Elternteilen, die sich um die in den Familien lebenden Kinder kümmern.

    Es herrscht seit langem Handlungsbedarf, der nicht weiter parteipolitisch ausgeschlachtet werden sollte.
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#2 RobinAnonym
  • 09.12.2016, 19:50h
  • Es wäre schön, wenn die Niederlande auch in dieser Frage ein ähnlicher Vorreiter würden wie bei der Eheöffnung.

    Das schließt ja nicht aus, dass es weiterhin die klassische Familie mit 2 Elternteilen (oder auch Alleinerziehende) gibt. Das wird auch weiterhin die Mehrheit bleiben. Aber andere Modelle, die in der Praxis immer wichtiger werden, erfahren so deutlich mehr Anerkennung und vor allem auch Rechtssicherheit.

    Diese Rechtssicherheit nützt gerade auch den Kindern - dient also dem Kindeswohl.

    Und daneben ist es auch emotional für Kinder wichtig: ein Kind, das in solch einer Konstellation aufwächst, muss ja denken, dass der biologische Vater, der auch regelmäßig für das Kind da ist, es nicht so lieb hat, wenn er nicht auch offiziell Vater sein darf. Das Kind versteht ja noch nicht, dass da homophobe Politiker hinterstehen, sondern findet ja seine eigene Familie ganz normal.

    Insofern eine gute Idee, die zwar nur einen kleinen Teil der Familien betreffen wird, aber die geringe Anzahl der betroffenen Familien darf kein Grund sein, diese zu diskriminieren und den Kindern zu schaden.

    Daumen hoch, Niederlande!
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#3 ggaggastAnonym
  • 09.12.2016, 20:04h
  • Sogar die christlichen Kulte hatten das Problem schon erkannt und vor ewigen Zeiten das Konstrukt der Patenschaft erkannt.

    Das ging früher viel weiter als das heute übliche Geldabgreifen der Kids bei sich bietenden Gelegenheiten.

    Aber wahrscheinlich wird gleich irgendein Trachtenträger um die Ecke kommen und uns berichten, wieso 4 offiziell eingetagene Erziehungs- und Fürsorgeberechtigte ein Werk des Teufels sind.
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#4 FatihAnonym
  • 09.12.2016, 20:59h
  • Ich hätte gerne vier Eltern gehabt und bedauere, dass es nur zwei waren. Wenn zwei etwas ablehnen, hat man immer noch die Chance, dass die zwei anderen Ja sagen. Je grösser die Zahl, desto mehr kann man sie gegeneinander ausspielen.
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#5 paoloAnonym
  • 09.12.2016, 21:46h
  • Wie wärs mit acht oder gar hundert elternteilen??
    Bullshit!! Das einzige was das kind braucht ist EINE
    EINZIGE BEZUGSPERSON..Das kann die mutter sein ,der vater ,der onkel,die tante oder sonstwer der sich um das aufbringen des zöglings kümmert,jegliche andere patchwork kombination oder traditionelle hetero familie sei den aufkommeneden umständen überlassen.
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#6 kuesschen11Profil
  • 09.12.2016, 22:27hDarmstadt
  • Es ist doch vorbildlich, wie die Niederlande die erweiterte Familienpolitik vorstellt und plant.

    Da kann sich Deutschland ein gutes Beispiel dran nehmen.
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#7 TheDadProfil
  • 09.12.2016, 22:48hHannover
  • Antwort auf #3 von ggaggast
  • ""Sogar die christlichen Kulte hatten das Problem schon erkannt und vor ewigen Zeiten das Konstrukt der Patenschaft erkannt.""..

    Stimmt..

    Aber die derzeitige gesetzliche Lage erkennt Patenschaften nicht ohne weiteres Prozedere an..
    Nach dem Tod der Eltern durchlaufen auch Paten-Eltern, selbst wenn sie frühzeitig per Testament oder Patienten-Verfügung bestimmt wurden, den Prozess der Adoption..
    In der Zwischenzeit bleibt der Staat Vormund des Kindes/der Kinder..

    Mit einer 4-Eltern-Regelung würde dieser Adoptions-Prozess umgangen, respektive unnötig gemacht, was die Kinder vor rechtsunsicheren Phasen verschonte..
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#8 TheDadProfil
  • 09.12.2016, 22:51hHannover
  • Antwort auf #5 von paolo
  • ""Das einzige was das kind braucht ist EINE
    EINZIGE BEZUGSPERSON.""..

    Völliger Unsinn, denn Kinder haben schon Heute mehrere "Bezugspersonen", auch wenn diese nicht unbedingt mit ihnen verwandt sind !

    Das können neben dem Nachbarn auch Lherpersonal, Erzieher*innen in der Kita, der Schule, Sozialarbeiter*innen, Trainer*innen, Freunde oder eben auch Verwandte sein..
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#9 wechselnick2016Anonym
  • 09.12.2016, 23:12h
  • Antwort auf #5 von paolo
  • hast du belege für deine rausgekotzte meinung oder ist dir die realität egal?

    eine "single"-beziehung von nur einem elternteil zu einem kind ist gefährlich, weil es kein familiäres korrektiv für das übermachtvolle elternteil gibt.
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#10 BegriffsschärfeAnonym
  • 09.12.2016, 23:20h
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • "Aber die derzeitige gesetzliche Lage erkennt Patenschaften nicht ohne weiteres Prozedere an.."

    Eine Patenschaft, bei der Erwachsene sich verpflichten, nach dem evtl. Tod der Eltern für ein/mehrere Kind/er zu sorgen, ist etwas völlig anderes als die hier vorgeschlagene Mehrelternschaft.
    Vielleicht könnten für Patenschaften tatäschlich auch noch bessere gesetzliche Regelungen gefunden werden, um die Probleme zu minimieren, die du ansprichst. Das ist aber nicht der Sinn dieses Gesetzesvoschlags. Hier geht es um wirkliche Mehr-Elternschaft. Das ist etwas völlig anderes.
    Ich kann mir kaum vorstellen, dass viele Paten Bock darauf hätten, schon zu Lebzeiten der Eltern für das Kind vollumfänglich (auch finanziell) mitverantwortlich zu sein, und noch seltener dürften die Eltern begeistert davon sein, wenn die Kindspaten bei jeder Entscheidung mit hineinreden dürften.
    Für eine "nur" patenschaftliche Konstellation ist der Gesetzesvorschlag nicht gedacht und auch nicht geeignet.
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