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Menschen aus aller Welt schickten den beiden Mädchen rund 1.700 Solidaritätspostkarten (Bild: All Out)

Zwei minderjährige Frauen im Alter von 16 und 17 Jahren, die sich in der Öffentlichkeit geküsst hatten, wurden von einem Gericht in Marrakesch nicht bestraft.

Ein Strafgericht in Marrakesch hat am Freitag nach Angaben der LGBTI-Organisation All Out zwei Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren vom Vorwurf der Homosexualität freigesprochen. Die beiden minderjährigen Frauen waren Ende Oktober festgenommen worden, weil sie sich auf einem Hausdach umarmt und geküsst haben sollen (queer.de berichtete).

Der Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst. Demnach soll ein Anwohner den Kuss beobachtet, die beiden Mädchen fotografiert und angezeigt haben. Die 16- und die 17-Jährige wurden daraufhin nach Strafrechtsparagraf 489 angeklagt, der auf homosexuelle Handlungen bis zu drei Jahre Haft vorsieht. Die marokkanischen Menschenrechtsorganisation "Association marocaine des droits humains" (AMDH) stellte den Beschuldigten einen Anwalt. Nach Angaben von AMDH soll das ältere Mädchens im Gefängnis von anderen Insassen misshandelt worden sein.

100.000 Unterschriften forderten Freispruch

Am Tag vor dem Urteil hatte All Out in Kooperation mit den lokalen Gruppen Aswat Collectif und Akaliyat eine Petition mit über 100.000 Unterschriften für einen Freispruch der beiden jungen Frauen an den marrokanischen Justizminister zugestellt. Zusammen mit der L'Union Féministe Libre wurden zudem 1.700 personalisierte Solidaritätspostkarten direkt an die Mädchen geschickt.

"Das ist ein großer Sieg für LGBT-Rechte in Marokko, einen Tag vor dem Internationalen Tag der Menschenrechte", erklärte All-Out-Kampagnenmanager Mathias Wasik. "Aber unsere Arbeit ist noch lange nicht beendet. Wir fordern die marokkanischen Behörden auf, alle wegen ihrer sexuellen Orientierung Gefangenen freizulassen und die antihomosexuelle Gesetzgebung abzuschaffen."

Aus Marokko, das die deutsche Bundesregierung als "sicheren Herkunftsstaat" betrachtet, gibt es immer wieder Berichte über die Verfolgung von Homosexuellen: Erst im Juli sollen ein 23-Jähriger und ein 46-Jähriger von einem Berufungsgericht in der Hafenstadt Agadir zu Haftstrafen wegen Homosexualität verurteilt worden sein (queer.de berichtete). (cw)



#1 GerritAnonym
  • 10.12.2016, 10:28h
  • "Das ist ein großer Sieg für LGBT-Rechte in Marokko"

    Nein, ist es nicht.

    Das ältere Mädchen wurde in Haft misshandelt und wird auch den jetzigen Freispruch nicht als "Sieg" oder gar "großen Sieg" empfinden. Die wird vielleicht für den Rest ihres Lebens unter dem Erlebten leiden, da ist es zynisch von einem "großen Sieg" zu sprechen.

    Im übrigen:
    hier wurde vermutlich nicht aus Einsicht freigesprochen, sondern aufgrund der internationalen Proteste.

    Aber es gibt zig andere wegen (tatsächlicher oder vermeintlicher) Homosexualität Inhaftierte, die nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen und auch nicht freigesprochen werden. Ein aktuelles Beispiel von zwei Männern steht ja auch im Artikel. Ich kann da keinen Fortschritt in dem Land erkennen.
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#2 LarsAnonym
  • 10.12.2016, 11:51h
  • Man muss solche Urteile im Zusammenhang mit der Gesamtsituation, z.B. auch der Entwicklung von Frauenrechten sehen. In Marokko ist erkennbar, dass viele gesellschaftliche Gruppen darum besorgt sind, eine Spaltung des Landes in säkulare und radikal-islamistische Kräfte zu verhindern, wie sie in anderen Staaten zu beobachten ist.

    Möglicherweise hat in diesem Fall der internationale Protest etwas bewirkt. Man muss aber auch bedenken, dass es sich einfach nicht "gehört" anderen Menschen in ihrem Privatleben nachzuspionieren. Der Anwohner, der die beiden Mädchen fotografiert hat, war ein Voyeur. Der Schutz der Privatsphäre genießt aber auch im islamischen Rechtsverständnis einen hohen Stellenwert.
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#3 markusbln11Anonym
  • 10.12.2016, 12:13h

  • Für LGBT in marokko gilt noch immer.

    Brüssel = Freiheit
    Casablanca = Knast.

    Vielleicht ist der knast für manche auch ein goldener käfig. König zu werden, kann man sich eben nicht einfach aussuchen.

    Doch es sollten diejenigen, die sich brüssel nicht leisten können auch das recht auf sexuelle freiheit haben können. In ihrem heimatland.

    Ich denke, der könig ist so weltgewandt, dass er das versteht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er diese freiheitsrechte persönlich negiert. Ich würde mich daher freuen, wenn er mit seinem erfahrungsschatz die debatte für lgbt-freiheitsrechte in marokko voranträgt.

    Wenn nicht er und marokko, wer sonst?

    Und an frank-walther gerichtet. Es ist doch eine respektable aufgabe des AA, hier zu supporten, zu sekundieren.

    Einfach immer nur sichere herkunftsländer ausrufen, reicht nicht. Es braucht engagement, dass diese länder dann auch wirklich sicher sind. Gerade und auch für LGBT.
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#4 RoyalistAnonym
  • 10.12.2016, 12:29h
  • Wie war das mit dem Königreich? Welche sexuelle Orientierung hat doch gleich SM der König?
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#5 Robby69Ehemaliges Profil
  • 11.12.2016, 19:23h
  • Dies beweist, dass Petitionen - und die Beteiligung an solchen - eben durchaus was zum Positiven verändern können.
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#6 Robby69Ehemaliges Profil
  • 11.12.2016, 19:31h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Richtig, es wurde nicht nach Einsicht freigesprochen - sondern wegen der Proteste. Aber das bedeutet doch auch, DASS Proteste etwas bewirken können, oder?! - Angenommen, es würde sich niemand über irgendwelche Missstände etc. empören und diese öffentlich machen: Könnte dann etwas zum Positiven verändert werden? Nein. Denn es wüsste ja kaum jemand etwas von diesen Missständen, den Verbrechen oder was auch immer. Genau deshalb ist das Öffentlich-Machen ja so wichtig. -
    Und um in Haft misshandelt zu werden, musst Du nicht nach Marokko gehen. Das passiert leider überall auf der Welt und betrifft Männer und Frauen. Genau wie leider überall auf der Welt homophobe/transphobe Bullen willkürlich und gegen Schwule, Lesben und Transpersonen vorgehen, diese schikanieren, grundlos festsetzen und misshandeln. Genau darum prangere ich diese Scheiße ja auch immer wieder offen und öffentlich an. Auch wenn ich dadurch natürlich auch den Hass und die Schikanen der Bullen auf mich ziehe (wie sich an ihrer seit Monaten gegen meine Person andauernden illegalen Aktion wieder sehr deutlich zeigt). Doch nur wenn wir homophobe/transphobe Scheiße anprangern, kann sich auch etwas daran ändern. -
    Wie gesagt: Nicht nur in Marokko ist der Hass auf LGBTIs weit verbreitet.
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