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Rosa von Praunheim am 10. Dezember 1991 auf dem "heißen Stuhl" von RTL (Bild: RTL)

Am 10. Dezember 1991 outete Rosa von Praunheim in der RTL-Sendung "Der heiße Stuhl" Hape Kerkeling und Alfred Biolek.

"Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV", titelte am übernächsten Tag die "Bild"-Zeitung – und sorgte damit erst recht für Aufmerksamkeit. Heute vor 25 Jahren, am 10. Dezember 1991, hatte es der Berliner Regisseur Rosa von Praunheim bei einem Auftritt in der RTL-Krawallshow "Explosiv – Der heiße Stuhl" gewagt, zwei prominente deutsche TV-Gesichter als homosexuell zu outen: Hape Kerkeling und Alfred Biolek.

"Hape hätte zum Beispiel eine Vorbildfunktion", sagte Praunheim in der Sendung. "Der ist jung, der ist hübsch, der ist ein Sympathieträger". Zu Biolek meinte der Regisseur: "Der ist unheimlich beliebt, der ist morgen wieder auf dem Kanal, warum kann der nicht einfach sagen: 'Ich bin schwul'?"

Während das Publikum laut tuschelte, reagierte der damalige RTL-Moderator Ulrich Meyer perplex. Er sei "wie vom Donner gerührt" gewesen, erinnerte er sich in einem Interview zum 20. Jahrestag an die Szene, die zwischen drei und vier Millionen Fernsehzuschauer gesehen haben. "Ich habe mich in der Moderation noch bemüht zu relativieren, aufzufangen." Aber das sei "unumkehrbar" gewesen, so Meyer. Die Einladung Praunheims in die Sendung sei "blauäugig" gewesen.

"Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise"

Rosa von Praunheim verteidigte sein Outing als einen "Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise", den er bis heute nicht bereut habe. "Ich wusste, was ich tat. Mit Biolek und Kerkeling habe ich keine hilflosen Wesen geoutet, sondern Sympathieträger, beliebte Narren der Gesellschaft, die niemand so leicht steinigen konnte", erklärte der 74-Jährige im Jahr 2009 auf die Frage, ob Outings nicht ein Verstoß gegen die Privatsphäre seien (queer.de berichtete).

"Wer wie Kerkeling und Biolek berühmt ist und zu einer Gruppe gehört, die diskriminiert, gemobbt und verprügelt wird, hat kein Privatleben im herkömmlichen Sinn. Sein Privatleben ist immer politisch", sagte Praunheim. Daher sei es eine "Pflicht, an die Öffentlichkeit zu gehen".

Mehrfach betonte der Regisseur in Interviews, dass sein Outing weder Kerkeling noch Biolek geschadet, sondern ihnen vielmehr genutzt habe. Zudem habe er das Bild von Schwulen in den Medien zum Positiven verändert, glaubt der Regisseur: "Vorher tauchten Schwule meist nur im Zusammenhang mit Drogen, Mord und Aids-Tod auf; Stars mussten eine Vorzeige-Verlobte präsentieren. Als Folge von meinem Outing waren Schwule plötzlich normal und wurden wohlwollend dargestellt."

"Es hat wehgetan, aber es hat die Verspannung gelöst"

Hape Kerkeling hatte etwa ein Jahr nach dem Outing im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eingeräumt, er sei während der Sendung, die er sich nach dem Hinweis einer Freundin zu Hause angeschaut habe, fast in Ohnmacht gefallen. "Sensiblere Naturen als ich hätten sich in einer Kurzschlusshandlung womöglich mit dem Fön in die Badewanne gelegt." Doch das Publikum habe "irre normal" reagiert.

"Sogar in der tiefsten bayerischen Provinz, wo ich kurz nach dem Outing auf Tournee war, bin ich nie dumm angequatscht worden", erinnerte sich Kerkeling. "Es gibt in unserem Gewerbe so viele Untergrund-Schwule, die teilweise zur Tarnung in die Ehe geflüchtet sind. Ich kann nur jedem raten, sich nicht zu verstellen."

Auch Alfred Biolek erklärte 2012 in einem Interview, das Zwangsouting als schmerzhaften Schlag empfunden zu haben, der ihn jedoch befreit hätte: "Es hat wehgetan, aber es hat die Verspannung gelöst." (queer.de berichtete) (cw)

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Biolek: Outing war "schmerzhafter Schlag"

In der ARD-Porträtreihe "Höchstpersönlich" zieht Alfred Biolek seine Lebensbilanz: "Wenn der Tod morgen käme, wäre es auch nicht so schlecht."
Happy Birthday, Bio!

Der freundliche, inzwischen offen schwule Talk-Onkel Alfred Biolek feierte am Freitag seinen 75. Geburtstag.
#1 Patroklos
#2 lucdfProfil
  • 10.12.2016, 13:14hköln
  • Die Zeiten haben sich geändert aber ich wäre dafür prominente Schwule zu outen, die ihre Homosexualität verstecken und dabei noch homophobe Sprüche von sich geben. Hart aber fair!
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#3 Bumba aus WakumbAnonym
  • 10.12.2016, 13:58h
  • Interessanterweise ist das Video der Sendung nirgendwo zu finden. Man könnte fast meinen, es soll nicht gefunden werden! Könnte es vielleicht daran liegen, dass Holger Mischwitzky da gar keine so heroische Figur gemacht hat, wie uns der vorliegende melodramatische Artikel und Mischwitzky selbst ("Verzweiflungsschrei", ach Gottchen) glauben machen will?

    Dass der genannte "Schwulen-Verrat" letztendlich nicht auf handfesten Informationen beruhte, sondern Klatsch und Tratsch mit wichtigtuerisch-pseudoemanzipatorischer Rechtfertigung war, sieht man daran, dass Mischwitzky auch Götz George und Helmut Schmidt "geoutet" haben will (
    www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/358798/einzig-abe
    r-nie-artig)
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#4 Sukram71Profil
#5 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 10.12.2016, 15:34h
  • Antwort auf #4 von Sukram71
  • Danke für den Link!

    Ich fand damals und finde heute Rosas "Befreiungsschlag" absolut richtig und wichtig. Ohne diesen wären wir heute längst nicht so weit.

    Sichtbarkeit in der Gesellschaft - raus aus der Tabuisierung - bleibt weiterhin das A und O emanzipatorischer Arbeit. Und wie wir wissen, stecken wir in dieser Arbeit mittendrin und haben ein zufriedenstellendes Ziel nach wie vor längst nicht erreicht.

    Rosas Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (1971) und sein Besuch auf dem damals sehr populären "Heißen Stuhl" 1991 waren zwei wichtige Meilensteine, wofür ich Rosa sehr dankbar bin.

    ***

    Zur Sichtbarkeit, nach wie vor ein AKTUELLES und höchst wichtiges Thema, hier noch 2 Links, die ich gerne immer wieder mal poste:

    derzaunfink.wordpress.com/2015/01/22/draussen-nur-heten/

    www.youtube.com/watch?v=hIhsv18lrqY

    Zum Thema Selbsthass & Emanzipation sei dieses Buch wärmstens empfohlen:

    www.querverlag.de/books/selbsthass.html
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#6 markusbln11Anonym
#7 headinthecloudsAnonym
  • 10.12.2016, 16:01h
  • Völliger Blödsinn von diesem Rosa von Praunheim! Das war natürlich alles weit vor meiner Zeit, aber ich finde jemanden zwangszuouten wirklich das Allererste. Ob das jetzt ein Promi ist oder nicht, ob das Bild in der Gesellschaft jetzt gut war oder schlecht, ob es "notwendig" war oder nicht - das macht man einfach nicht. Ich hab viele in meinem Alter kennengelernt (bin 17, mache Abi, falls das wichtig ist), denen wurde durch ein Zwangsouting ihre gesamte Schulkarriere zerstört. Das waren liebe Jungs und als es rauskam waren sie plötzlich Mobbingopfer Nummer Eins. Nicht jeder schafft es dann mit erhobenem Haupt zum Abschluss.

    Von demher bin ich gegen jegliche Arten von Zwangsouting. Egal aus welchen Gründen auch immer. Jeder Mensch hat das Recht, selbst darüber zu entscheiden wem man es sagen will oder nicht. Und wenn jemand sich in Scheinehen flüchtet ist das sicher falsch und moralisch auch gegenüber der Frau nicht fair, aber dennoch die Entscheidung des Individuums. Ich bin teilweise geoutet, bei Freunden und Familie, und finde es unheimlich wichtig, dass jeder selbst die Grenzen regulieren kann. Meiner Meinung nach gibt es auch Menschen, die das garnichts angeht. Die geht es schlichtweg nichts an wen ich liebe und wen nicht. Ob die Beiden daraus Vorteile gezogen haben oder nicht und wie sie dazu heute stehen ist völlig nebensächlich meiner Meinung nach und auch kein Entschuldigungs- oder Rechtfertigungsgrund für Praunheim. Kerkelings erster Gedanke war -ich zitiere aus dem Artikel-:

    "Sensiblere Naturen als ich hätten sich in einer Kurzschlusshandlung womöglich mit dem Fön in die Badewanne gelegt."

    Und das ist das Problem. Die Selbstmordrate bei Schwulen Jugendlichen ist sechsmal höher. Und das hat Gründe. Solche Sachen sind Gründe. Deswegen darf es Zwangsoutings meiner Meinung nach einfach nicht geben.

    Aber gut, dass sind dann schon wieder ganz grundsätzliche Fragen. Ich schweife ab. Was mich auch stört ist, das sich Praunheim doch tatsächlich einbildet sicher sagen zu können, das die Beiden schwul sind. Das wissen die Beiden selber wohl noch am Besten. Von demher auch moralisch völlig unverantwortlich. Was wäre wenn er falschgelegen hätte? Das mag ich mir garnicht ausmalen.

    Und last but not least:
    Praunheim wollte "Vorbilder" schaffen. Ich nehme mal an solche Vorbilder wie die die auch mich zu meinem Coming Out bestärkt haben. Ich persönlich schaue aber viel mehr zu meinen schwulen Vorbildern die mir auch bei meinem Outing geholfen haben, weil sie sich von sich aus geoutet haben. Ich verehre Olly Alexander, Troye Sivan und Connor Franta dafür das sie von sich aus mit Homosexualität leben.Das sie von sich aus stolz sind. Das sie zeigen: Hey, ich habe ein super Leben damit. Praunheims Vorbilder hätten mir aber vor meinem Outing aber eher Verzweiflung und Angst geschürt. Die Angst selber auf dem Präsentierteller zu landen. Praunheims Vorbilder hätten mir nicht geholfen. Wobei ich Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" geliebt habe und ihn auch sonst sehr sympathisch finde.

    Summasummarum finde ich, dass Praunheim "den Arsch offen hat", wie man so schön sagt. Aber schön falls jemandem diese Vorbilder geholfen haben.
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#8 TheDad
  • 10.12.2016, 16:23h
  • Antwort auf #7 von headintheclouds
  • ""aber ich finde jemanden zwangszuouten wirklich das Allererste.""..

    ""Von demher bin ich gegen jegliche Arten von Zwangsouting. Egal aus welchen Gründen auch immer.""..

    Jugendliche Verwirrtheit, oder im Copy&Paste mit der Maus in der Zeile abgerutscht ?

    ""Und das ist das Problem. Die Selbstmordrate bei Schwulen Jugendlichen ist sechsmal höher. Und das hat Gründe. Solche Sachen sind Gründe. Deswegen darf es Zwangsoutings meiner Meinung nach einfach nicht geben.""..

    Blanker Unsinn !
    Die Gründe für die erhöhte Suizid-Rate von LGBTTIQ*-Kindern und Jugendlichen liegen garantiert nicht im "Zwangs-Outing" von Prominenten !

    Die liegen zu einem Teil in der Homo-und Transphobie begründet, die immer dann einsetzt, wenn ein Outing erfolgt ist..
    Wenn einem Menschen nachgesagt wird LGBTTIQ* zu sein um ihn aus einer Gruppe auszuschließen..
    Wenn Menschen in einer Umgebung aufwachsen in der Homo-und Transphobie besteht, vor allem in der eigenen Familie, der eigenen Nachbarschaft..
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#9 stromboliProfil
#10 headinthecloudsAnonym
  • 10.12.2016, 16:40h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Was hat das bitte mit jugendlicher Verwirrtheit zu tun? Ich bin gegen Zwangsouting, weil ich Gleichaltrige kenne, die daran wirklich kaputtgegangen sind. Die wurden geoutet, gemobbt und psychisch zerstört. Deswegen bin ich dagegen. Im Einzelfall Prominenz wird natürlich niemand gemobbt. Aber ich finde, es geht ums Prinzip. Es sollte keine Ausnahmen davon geben aus oben genannten Gründen. (Selbstbestimmungsrecht etc.)

    Und die Suizidrate habe ich in Bezug zur Auswirkung von Zwangsoutings gesetzt, nicht zu diesem konkreten Fallbeispiel, vielleicht handelt es sich hier um ein Missverständnis: Eben das ich Gleichaltrige kenne die zwangsgeoutet wurden und dann auch von denselben gemobbt wurden. Die Gründe fürs eigentliche Mobbing sind mir durchaus bekannt (homophobes Umfeld etc.)

    Es hat halt Gründe warum sich viele nicht vor allen outen - zum Beispiel weil sie in einem homophoben Umfeld leben. Und dann werden sie zwangsgeoutet und eben gemobbt.

    Ich weiß natürlich nicht, wie bedeutsam dieses Outing für viele in einer Generation vor mir war, ich habe da noch nicht gelebt, die Bedingungen waren sicherlich anders, aber ich verurteile Zwangsoutings eben aus den bereits genannten Gründen.
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