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Abserviert von der eigenen Partei: Nach 23 Jahren muss Volker Beck im kommenden Jahr seinen Sitz im Deutschen Bundestag räumen (Bild: Fabian Stürtz)

Nach seiner Abstrafung durch die NRW-Grünen äußert sich der 55-Jährige erstmals ausführlich zu den Gründen seiner gescheiterten Bundestagskandidatur.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat nach eigenen Angaben damit gerechnet, von den NRW-Grünen nicht erneut als Kandidat aufgestellt zu werden. "Ich hätte natürlich lieber gewonnen, sonst hätte ich ja nicht kandidiert. Ich wusste aber, dass ich nur Außenseiterchancen habe", erklärte der 55-Jährige in einem ausführlichen Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Trotz der Niederlage sei er jedoch mit sich "ziemlich im Reinen".

Beck machte verschiedene Gründe für sein Scheitern verantwortlich: "Diese Drogengeschichte hat mir sicher nicht geholfen. Unzufriedenheit mit dem suboptimalen Wahlkampf 2013 könnte auch eine Rolle gespielt haben", meinte der Kölner Politiker. "Andere nehmen mir bestimmte Standpunkte übel, zum Beispiel dass ich mich für das Recht von Juden und Muslimen auf Beschneidung eingesetzt habe. Wieder andere wollen einfach mal ein neues Gesicht sehen."

Die Pädophilieaktivisten aus den Grünen gedrängt

Ausführlich äußerte sich Beck zu seinem Beitrag in einem pädophilieverherrlichenden Buch aus den Achzigerjahren, der ihn bereits 2013 den Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers gekostet hatte (queer.de berichtete). "Ich habe schreckliche Sätze geschrieben, das tut mir aufrichtig leid. Und ich möchte mich bei jedem, der sich verletzt fühlt, entschuldigen", erklärte er im "Spiegel"-Interview. "Ich war es aber eben auch, der mit anderen die Pädophilieaktivisten und ihre Unterstützer in einem harten Kampf aus den Grünen gedrängt und in der Schwulenbewegung politisch marginalisiert hat. Das gehört zur ganzen Wahrheit dazu. Und diese Rolle lasse ich mir nicht nehmen."

Volker Beck wehrte sich darüber hinaus gegen den Vorwurf, ein Moralist zu sein: "Das hat mich in der Berichterstattung über mich wirklich geärgert", sagte er. Er kämpfe für bestimmte Prinzipien, nicht um die Verurteilung anderer: "Ich will vor allem für eine Perspektive der Gleichheit der Verschiedenen und gegen Vorurteile argumentieren und mich nicht über andere moralisch erheben."

Der Grünen-Politiker kündigte an, sich auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag "um unsere Anliegen kümmern" zu wollen, seine Energie habe er nicht verloren. "Natürlich fühle ich mich manchmal müde. Dann ziehe ich die Bettdecke über den Kopf und schlafe exzessiv aus. Aber danach schalte ich wieder in den Kampfmodus."

Beck unterlag dem Argrarpolitiker Friedrich Ostendorff

Bei der Landesdelegiertenkonferenz der NRW-Grünen hatte Volker Beck am vergangenen Freitag für den aussichtsreichen Listenplatz zwölf kandidiert, war jedoch dem Argrarpolitiker Friedrich Ostendorff unterlegen (queer.de berichtete). Nicht einmal ein Viertel der Delegierten stimmte für den LGBTI-Aktivisten. Für einen sicheren Listenplatz von Beck hatten sich im Vorfeld zahlreiche Prominente, darunter Manfred Bruns, Georgette Dee, Hella von Sinnen, Günter Wallraff, die ehemalige SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Präsident des Zentralrats der Juden Josef Schuster, starkgemacht.

Die Entscheidung der Ökopartei löste ein vernichtendes Medienecho aus. Sie bestärke diejenigen bei den Grünen, die schon jetzt vor zuviel "politischer Korrektheit" warnen, kommentierte Micha Schulze auf queer.de. Die Partei wolle es für die "kommende Allianz mit der Union etwas schmiegsamer haben", meinte Jan Feddersen in der "taz": "Politische Nervbolzen des Kalibers Becks sind unberechenbar. Das exakt war das Problem. Es ist deprimierend." Auch die "Süddeutsche" wertete die gescheiterte Kandidatur als Symbol für die Entwicklung der Grünen von der Protest- zur Regierungspartei.

Die Entscheidung der NRW-Grünen sei "unerträglich kurzsichtig, unfassbar provinziell und Kopf-Tischplatte-dumm", schrieb Dirk Ludigs in der "Siegessäule": "Am zweiten Dezember haben die Grünen den Faschisten in diesem Land einen erheblichen Gefallen getan". Ihm laufe es kalt den Rücken herunter, meinte Roland Kaufhold im jüdischen Onlinemagazin haGalil.com. Die Grünen hätten bei der Listenaufstellung auch über "ihre eigene Glaubwürdigkeit, ihre Wählbarkeit" entschieden. (cw)

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    Ergebnis der Umfrage vom 05.12.2016 bis 12.12.2016


#1 alexAnonym
  • 10.12.2016, 17:47h
  • Die Vorwürfe wegen der Pädosache sind mehr als ungerecht. Schließlich war es Volker Beck, der die Pädophilen aus der Partei rausgeworfen hat. Warum erkennen das nur so wenige an?
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#2 LarsAnonym
  • 10.12.2016, 18:32h
  • Antwort auf #1 von alex
  • Wenn das nicht anerkannt worden wäre, hätte Volker Beck in der Politik nicht die gewichtige Rolle spielen können, die er gespielt hat. In Volker Beck spiegeln sich die ganzen Widersprüchlichkeiten wieder, die bei Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit iealistisch und moralistisch auftreten, begegnet. Es spricht für Volker Beck, dass er das selber durchaus reflektiert.
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#3 Patroklos
#4 AbyssProfil
#5 Julian SAnonym
  • 10.12.2016, 19:22h
  • Interessant, dass er zwar seine "schrecklichen Sätze" über Pädophilie "bedauert", aber nicht seine nicht minder schrecklichen Sätze über Genitalverstümmelungen an Kindern und Tierquälerei aus religiösen Gründen.

    Wer sich dafür einsetzt, dass Religion über anderen Grundrechten steht, hat überhaupt nicht kapiert, was demokratische Freiheitsrechte bedeuten. Denn jedes Freiheitsrecht (so auch die Religionsfreiheit) findet seine Grenzen dort, wo andere Rechte (z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit) beschränkt werden.

    Wenn ein Erwachsener meint, sich aus religiösen Überzeugungen medizinisch nicht angezeigten Eingriffen unterziehen zu müssen, ist das seine eigene Sache. Aber bei Kindern sollte man warten, bis sie erstens die Risiken abschätzen können und zweitens alt genug sind, um selbst zu entscheiden, ob sie den Rest ihres Lebens aus religiösen Gründen beschnitten sein wollen oder nicht.

    Und wenn man schon Tiere isst, sollte man sie wenigstens so kurz und schmerzlos wie möglich töten und nicht möglichst qualvoll töten.
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#6 Robby69
  • 10.12.2016, 19:27h
  • Antwort auf #3 von Patroklos
  • Warum? Er hat - laut eigener Aussage - damals Fehler gemacht. Aber er hat schließlich auch versucht, diese Fehler wieder auszubügeln. -
    Andere Politiker dagegen versuchen nicht mal, Fehler wieder gut zu machen, sondern schieben sie irgendwelchen "Bauernopfern" in die Schuhe.
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#7 Patroklos
#8 PeerAnonym
  • 10.12.2016, 20:56h
  • "Andere nehmen mir bestimmte Standpunkte übel, zum Beispiel dass ich mich für das Recht von Juden und Muslimen auf Beschneidung eingesetzt habe."

    Alleine schon dieser eine Satz beweist, dass er nicht mal ansatzweise die Kritik daran verstanden hat.

    Wer setzt sich eigentlich für die Kinder ein, die sich nicht selbst wehren können? Oder für die Tiere, die sich ebenfalls nicht selbst wehren können? Das war mal grüne Politik, sich für die Schwachen und Hilflosen einzusetzen, die sich nicht selbst wehren können. Gerade auch für Kinder und Tiere. Und nicht für übermächtige Religionen, die mit ihrer Bevormundung Tiere quälen und medizinisch nicht notwendige (und nicht ungefährliche und nicht nebenwirkungsfreie) Maßnahmen fordern.

    Dieses angebliche "Recht auf Beschneidung" von dem er spricht, gibt es genauso wenig wie ein Recht, Tiere möglichst qualvoll zu töten. Beides ist weder in der Internationalen Erklärung der Menschenrechte, noch in der EU-Charta der Grundrechte, noch im deutschen Grundgesetz (oder einer anderen Verfassung irgendeines EU-Staats) zu finden. Medizinisch nicht notwendige chirurgische Eingriffe an Unmündigen sind eigentlich genauso verboten wie unnötige Quälerei von Tieren. Egal aus welchem Grund.

    Dieses angebliche "Recht" von dem er spricht, das Religion über andere Rechte stellt, gibt es nur, weil Politiker wie er sich dafür vehement einsetzen. Und plötzlich wird, mit Verweis auf Religion, legal, was eigentlich illegal ist. Und was Menschen bzw. Tieren schadet.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 10.12.2016, 21:24h
  • "Einen Kommentar in Queer zu Becks Abstrafung verglich ein führender Kölner Grüner mit dem Prawda-Niveau der 80er Jahre und beklagte sich zugleich über Unterstützer-Briefe für Beck aus Jüdischen Gemeinden, die die Kölner Grünen erhielten" (hagalil)

    Tja, vielleicht hat die 'zivilisationskritische' Palmer-Partei Beck nicht abserviert, obwohl, sondern WEIL er Leo-Baeck-Preisträger ist.

    Ich werde die jetzt nicht mehr wählen (hab es jahrzehntelang sehr oft getan).

    Dazu hat auch der wahrscheinlich aus Parteikreisen zu queer.de beorderte 'Green Pink' beigetragen, der hier nicht nur über die 'Klatsche' für seinen Partei-'Freund' hämisch jubelte, sondern auch schnell ausfällig wurde, wenn man ihn ein wenig aus der Reserve lockte.

    "Armes Würstchen!" - kann man mit solchen Nettigkeiten heute so Wahlwerbung machen?

    Wir haben 2016.

    Schwule Politiker gibt es auch in anderen Parteien - Klaus Lederer von der Linken ist jetzt Kultursenator in Berlin.

    Der nichtschwule Heiko Maas tut was für die Rehablitierung der 175er.

    Der antischwule Boris Palmer hetzt ohne jedes Parteiordnungsverfahren gegen uns, wie es bürgerliche Politiker nur noch selten tun.

    Wer dumpfdeutsch 'Jakobinismus' für eine Beleidigung hält, hat die Lehren der Geschichte nicht verstanden.

    Daran ändert dann auch die ständige grüne Oberlehrerhaltung nichts.
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#10 YannickAnonym
  • 10.12.2016, 21:29h
  • Religiös erzwungene Beschneidungen haben nur einen einzigen Grund:
    das sexuelle Vergnügen und die Erregbarkeit sollen reduziert werden.

    Denn Sexualität ist ein Grundbedürfnis für Glück und Zufriedenheit. Aber nur unglückliche Menschen suchen ihr Glück in irgendwelchen Heilspredigern.

    Dass Volker Beck das auch noch rechtfertigt und sogar fördert, hat ihn für mich endgültig disqualifiziert.

    Der einzige Grund für eine Beschneidung sollte eine Vorhautverengung sein, weil diese den Spaß an Sexualität noch mehr einschränkt bzw. ganz unmöglich macht. Und weil dies auch die für die Gesundheit wichtiger Genitalhygiene erschwert oder gar unmöglich macht. Nur das darf ein Grund für einen chirurgischen Eingriff sein (der ja auch nicht ganz ohne Komplikationsgefahr ist).
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