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Die nächsten Wochen entscheiden: Wird sich Bayerns Kultusministerium für die Akzeptanz von LGBTI an Schulen stark machen oder dem Druck der "Demo für alle" nachgeben? (Bild: Gerd Seidel / wikipedia)

Mit einem neuen öffentlichen Forderungspapier soll die geplante Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt in angemessener Form gerettet werden.

Das Müncher Aktionsbündnis Vielfalt statt Einfalt hat am Montag einen öffentlichen Forderungskatalog an Bayerns Kultusminister vorgelegt, mit dem der Druck auf Ludwig Spaenle (CSU) verstärkt werden soll, neue Richtlinien zur Sexualerziehung möglichst umfassend und schnell zu erlassen.

Die Richtlinien liegen eigentlich schon seit dem Frühjahr vor und hätten zu Semesterbeginn in Kraft treten sollen. Der Unterricht im Freistaat sollte Jugendlichen laut dem Entwurf künftig helfen, "ihre geschlechtliche Identität sowie sexuelle Orientierung zu finden und anzunehmen" (queer.de berichtete). Obwohl die Richtlinien moderat und zeitgemäß sind, hatten u.a. die "Demo für alle" und die AfD gegen die Pläne angekämpft.


Spaenle mit Vertretern der "Demo für alle", Bild: Demo für alle / CC BY-SA 3.0

Im September hatte Spaenle die Organisatorin der Proteste, Hedwig von Beverfoerde, und die Autorin Birgit Kelle zu einem Gespräch ins Ministerium geladen und danach die Richtlinien bis zu einer Überprüfung auf Eis gesetzt (queer.de berichtete). Die erzkonservativen Aktivisten hatten in einem umfassenden Forderungskatalog u.a. gefordert, letztlich ganz auf die Erwähnung von LGBT, zumindest aber auf Begriffe wie "Akzeptanz" zu verzichten. "Kritik der Homosexualität" müsse möglich bleiben, so die "Demo für alle" (PDF).

Nach einigen Protesten der Opposition und langem Zögern hatte sich Spaenle in der letzten Woche auch mit Vertretern des Vielfalt-Aktionsbündnisses getroffen (queer.de berichtete). Dabei wurde klar, dass das Ministerium offenbar den Begriff "Akzeptanz" durch "Respekt" ersetzen will und es bei externen Schulaufklärungsprojekten eine Pflicht zur Anwesenheit eines Lehrers geben solle.

"Angst- und mobbingfreien Unterricht" ermöglichen

Das Kultusministerium dürfe "den trans- und homosexuellenfeindlichen Forderungen der 'Demo für Alle' nicht nachgeben", fordern die Aktivisten nun in dem Papier. "Die 'Demo für Alle' repräsentiert nicht 'Alle', sondern einen kleinen Teil der Bevölkerung, der sich vehement gegen eine zeitgemäße Sexualerziehung stellt und für Homosexuelle sogenannte Konversionstherapien durchaus begrüßt. Demgegenüber steht das Bedürfnis vieler Kinder und Eltern, die sich einen angst- und mobbingfreien Unterricht wünschen."

Konkret fordert das Aktionsbündnis in dem Papier (PDF), dass es keinen Lehrerzwang bei Aufklärungsprojekten geben soll. "Diese Verschärfung ist nicht nachvollziehbar, denn mehrjährige pädagogische Erfahrung hat gezeigt, dass Schüler*innen offener und wertfreier sprechen, wenn eine notengebende Lehrkraft nicht anwesend ist", so das Aktionsbündnis. "Somit wird eine überaus erfolgreiche pädagogische Methode vor allem zum Nachteil der Schüler*innen zunichte gemacht."

Die Aktivisten stellen in dem von Spaenle eingeforderten Katalog weitere Forderungen auf, etwa zur Medienpädagogik und zur Berücksichtigung von Regenbogenfamilien in den Jahrgangsstufen 1 und 2: "Jedes Kind hat das Recht, das Familienmodell, in dem es aufwächst, im Unterrichtsmaterial widergespiegelt zu sehen. Nur so und nicht anders kann es sich in der Gesellschaft als gleichwertiger Teil wahrnehmen. Kinder könnten ansonsten der falschen Annahme verfallen, ihre Familie wäre nicht Teil der Gesellschaft."


Spaenle letzte Woche mit Vertretern des Aktionsbündnis Vielfalt statt Einfalt

Und natürlich dürfe der Begriff "Akzeptanz" nicht gestrichen werden, fordern die Aktivisten. "Die Akteur*innen der 'Demo für alle' unterstellen, dass der Begriff der 'Azeptanz' von ihnen verlange, dass sie ihre eigene sexuelle Orientierung infrage stellen müssten. Damit definieren sie den Begriff um und nutzen ihn als Kampfbegriff. Sie diskreditieren ihn", kritisiert das Aktionsbündnis.

Wenn nun das Kultusministerium dieser Sichtweise folge und den Begriff der Akzeptanz durch Respekt ersetze, "bedeutet dies in der Praxis, dass Lehrkräfte wider besseren Wissens und Pädagogik LGBTI*-Kindern und -Jugendlichen sagen müssten, dass sie diese zwar respektieren, aber nicht akzeptieren." Dabei hätten Lehrkräfte "eine besondere Fürsorge" gegenüber allen Schülern: "Sie haben ihnen einen angst- und mobbingfreien Lebensraum und ein Lernklima zu schaffen, in dem ihnen Lernen gelingen kann."

Druck von allen Seiten

Das Aktionsbündnis rechnet damit, dass das Ministerium in den nächsten Wochen eine endgültige Formulierung der Richtlinien trifft. Es steht dabei auch von Seiten der CSU unter Druck: "Eine Gesellschafts- und Bildungspolitik, die Gender-Ideologie und Frühsexualisierung folgt, lehnen wir ab", heißt es im neuen Grundsatzprogramm der Partei, das vor wenigen Wochen beschlossen wurde (queer.de berichtete). Mit den auch von der "Demo für alle" genutzten Begriffen kämpfen AfD, aber auch Teile der Union, zunehmend gegen Aktionspläne zur Akzeptanz und gegen LGBTI-Rechte. Birgit Kelle ist Mitglied der CDU, Hedwig von Beverfoerde ist vor wenigen Tagen öffentlichkeitswirksam ausgetreten (queer.de berichtete).

Auf seiner Webseite ruft das Aktionsbündnis dazu auf, das Kultusministerium und Abgeordnete der CSU im Landtag anzuschreiben und seine Forderungen dabei zu unterstützen. Eine Online-Petition der Gegenseite, "Gender und 'Sexuelle Vielfalt' ab 2016/17 auch an Bayerns Schulen? Nein danke, CSU!", hat fast 20.000 Unterschriften erzielt. (nb)

 Update  18h: Unterstützung der GEW Bayern

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat in einer Pressemitteilung vom Kultusministerium "keine nachträgliche Aufnahme homophober Forderungen" in die Richtlinien eingefordert. Nach dem Besuch der "Demo für alle" stünden "nun Änderungen ins Haus, die einer aufgeklärten Gesellschaft und pädagogischen Erkenntnissen zuwiderlaufen", beklagt die Gewerkschaft. Es widerspreche "dem demokratischen Vorgehen, zuerst Stellungnahmen der Fachverbände, u. a. der Bildungsgewerkschaft GEW, einzuholen und dann diese bei Protest von rechts zu ignorieren. Dass deren homophobe Argumente mit pädagogisch gesicherten Erkenntnissen nichts zu tun haben, setzt dem Ganzen die Krone auf." Der Begriff "Akeptanz" dürfe nicht gestrichen werden, so die Gewerkschaft, umfassende Änderungen müssten erneut dem Landesschulbeirat vorgelegt werden.



#1 goddamn liberalAnonym
  • 12.12.2016, 16:05h
  • Die Forderungen der 'Demo für alle' sind nicht erzkonservativ, die sind schlicht verfassungswidrig.

    In mehreren Urteilen hat das Verfassungsgericht Menschen ausdrücklich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gleichgestellt und auch ihre Familien stehen klar unter dem Schutz der Verfassung.

    Das Faseln von 'Gender-Ideologie' verletzt überdies die Freiheit der Wissenschaft.

    Menschenwürde und Wissenschaftsfreiheit müssen auch in den Unterricht eingehen.

    Die Rückkehr der Untermenschenideologie unter einer frommen Tarnkappe ist das Programm von Beverfoerde u. Co.

    Die Tarnung von Kuby, Kelle u. Co. fällt:

    Spätestens seit den entsprechenden um uns bemühten EKD-Papieren und Beschlüssen zur Lebenspartnerschaft schaut hinter der frommen Maske die braune Fratze hervor.

    Da kann sich keiner mehr mit Religionsfreiheit herausreden, wenn er Hass predigt.
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#2 markusbln11Anonym
  • 12.12.2016, 16:16h

  • Hert Spaehnle hat doch vor einigen wochen öffentlich bestätigt, dass er die richtlinie noch 2016 in kraft setzen will. Ich glaube ihm, denn als gestandener bayer aus schwaben er ist jemand, der wort hält.

    Andererseits hoffe ich, jetzt nicht zu euphorisch zu werden. Vielleicht hat ihm das afd-mitglied bremerförde mittlerweile den kopf verdreht. Doch das würde wieder nicht zu ihm passen.

    Allerdings bleiben ihm nur noch 9 werktage, um seine zusage einzuhalten.
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#3 johannbAnonym
  • 12.12.2016, 22:43h
  • Schön, dass das Thema (äußerst peinlich für die CSU in Bayern) an die große Öffentlichkeit gelangt!
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#4 kuesschen11Profil
  • 12.12.2016, 23:09hDarmstadt
  • Jetzt darf die GEW in Bayern sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen lassen. Der Bildungsauftrag ist von Fachleuten erstellt und muss endlich umgesetzt werden.

    Diese Gradwanderung zwischen Respektieren und Tolerieren sollte ein Ende nehmen.

    Akzeptanz ist die einzige Möglichkeit, die LGBTs in Schulen vor Mobbing und Ausgrenzung schützt.
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#5 Robby69Ehemaliges Profil