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Auch katholische Schützenvereine nähern sich langsam dem 21. Jahrhundert (Bild: flickr / Dick Aalders / by 2.0)

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften lässt seine 1.300 Mitgliedsvereine frei entscheiden, ob sie Homosexuelle und Nicht-Christen mit allen Rechten aufnehmen.

"Eine breite Mehrheit im Schützen-Parlament gilt als sicher", heißt es in einer Pressemitteilung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) vom Montag. Im Frühjahr lässt der Hauptvorstand des katholischen Dachverbands, dem rund 1.300 Bruderschaften und Vereine mit etwa 400.000 Mitgliedern angehören, über seinen neuen "Orientierungsrahmen" abstimmen, der homosexuelle Könige und selbst muslimische Schützen nicht mehr grundsätzlich ausschließen will.

Die lokalen Bruderschaften sollen künftig frei entscheiden können, wer aufgenommen wird und damit auch Schützenkönig werden kann. Damit werde laut Bundesschützenmeister Emil Vogt auch die Mitgliedschaft von Nicht-Christen möglich, sofern diese sich glaubhaft zu den Zielen der Bruderschaften bekennen. Auch aus der Kirche Ausgetretene müssten nicht weiter fürchten, die katholische Schützengemeinschaft verlassen zu müssen.

Dem Präsidium des katholischen Schützenverbandes gehe es darum, "durch gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit und Toleranz ein vertrauensvolles Miteinander mit allen gesellschaftlichen Kreisen zu ermöglichen", so Vogt. Der Bundesschützenmeister, der die interne Diskussion vorantrieb, will dem kirchlichen Schützenverband "eine zeitgemäße und verständliche Grundausrichtung" geben, ohne die "Zugehörigkeit zur katholischen Kirche in Frage zu stellen".

Sexuelle Orientierung für Aufnahme "unerheblich"

"Die sexuelle Orientierung eines Menschen gehört zu seiner Persönlichkeit und Identität und ist für die Aufnahme in eine Bruderschaft unerheblich", erklärte Vogt zum künftigen Umgang mit Schwulen und Lesben. "Homosexuelle Schützenbrüder und Schützenschwestern haben daher selbstverständlich alle Mitgliedsrechte und Mitgliedspflichten, einschließlich der Möglichkeit, die Königswürde zu erringen." Ein früherer Beschluss des Schützenparlaments, der homosexuellen Schützenmajestäten untersagt, mit dem Lebenspartner als Königspaar aufzutreten, soll förmlich aufgehoben werden. Angewandt wird der Beschluss allerdings schon länger nicht mehr.

"Wir glauben, dass der inhaltliche Austausch über unsere Thesen ein Gewinn für die Gesprächs- und Diskussionskultur in unserem Bund gewesen ist", bedankten sich der Bundesschützenmeister sowie Montseignore Robert Kleine als Bundespräses in einem Schreiben an die Mitgliedsvereine. Die Schützenspitze wolle mit dem Grundsatzpapier die altehrwürdigen Bruderschaften zukunftsfähig machen. Dabei werde in Kauf genommen, dass es womöglich Unterschiede in der Geschwindigkeit der Anpassung gebe – zwischen Stadt und Land, zwischen liberalen oder eher konservativen Schützengemeinschaften.

Diskussion läuft seit dem Jahr 2011

Die Diskussion um eine Öffnung begann vor fünf Jahren. Im Jahr 2011 war der BHDS deutschlandweit in die Schlagzeilen geraten, als er einen Schützenkönig aus Ostwestfalen wegen dessen Homosexualität aus dem Verband ausschließen wollte (queer.de berichtete). Später beschloss der Dachverband, dass Schwule zwar Schützenkönige werden könnten, aber ihnen bei offiziellen Anlässen immer eine Anstandsdame zur Seite gestellt werden müsse (queer.de berichtete).

Im Jahr 2014 gab es wieder scharfe Kritik am Verband, als er einem Schützenkönig in Werl die Anerkennung versagte, weil dieser Muslim war. Nach einem Proteststurm nahm der BHDS den Schritt "ausnahmsweise" zurück. (cw)



#1 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 13.12.2016, 08:38h
  • Na wenn man sich die Herren auf dem Bild so ansieht - da möchte man doch sofort Mitglied werden, gell
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#2 YoungHeterolikeAnonym
  • 13.12.2016, 08:41h
  • Gaaanz schlechte Neuigkeiten für die Alt-68er Schwuppen. Bald können Schwule noch in der hintersten bayrischen Provinz Schützenkönig werden und werden toleriert. Da geht doch ihre ganze pseudo-revolutionäre, anti-konservative Identität verloren
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#3 54terdfvAnonym
  • 13.12.2016, 08:57h
  • Gut, dass ich in der Stadt lebe.

    Auf dem Land hängt Fortschritt einige Jahre zurück.
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#4 schauderAnonym
#5 JW GrimmAnonym
#6 goddamn liberalAnonym
#7 userer
#8 kuesschen11Profil
  • 13.12.2016, 11:02hDarmstadt
  • Geschmückte Ochsen mit Abzeichen und Orden erkenne ich auf dem Bild. Na ja, wers mag.

    Als Kind hab ich die Flucht ergriffen, wenn mir solche Herren irgendwo begegnet sind.
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#9 Patroklos
#10 RobinAnonym
  • 13.12.2016, 11:34h
  • "[...] frei entscheiden, ob sie Homosexuelle und Nicht-Christen mit allen Rechten aufnehmen."

    Alleine das sagt ja schon wieder alles:
    wer diskriminieren will, darf also weiter diskriminieren...

    Gleichstellung bzw. Verbot von Diskriminierung ist nichts, wo sich jeder selbst aussuchen darf, wie er das sieht oder nicht. Dann kann man es gleich ganz bleiben lassen.

    Ich finde diese Schützenvereine zwar eh lächerlich und typisch deutsch (im schlechtesten Sinne), aber das setzt dem ganzen nochmal die Krone auf.
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