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Im den meisten Ländern Afrikas ist die gleichgeschlechtlicher Liebe verboten (Bild: Dave Nakayama / flickr)

Ein weiterer Staat in Afrika verankert das Verbot von gleichgeschlechtlichen Handlungen in seinem Strafgesetzbuch.

Das Parlament des nordafrikanischen Staates Tschad hat nach AFP-Angaben Anfang der Woche mit 111 zu einer Stimme bei vier Enthaltungen ein neues Strafgesetzbuch verabschiedet, das unter anderem homosexuelle Handlungen verbietet. Dem Gesetz nach soll Schwulen und Lesben künftig eine Geldstrafe oder eine Bewährungsstrafe drohen, berichtet das Blog "Erasing 76 Crimes" .

Das Gesetz ist damit weniger radikal als eine vor zwei Jahren vom Ministerrat beschlossene Reform, die eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren für gleichgeschlechtliche Handlungen vorsah (queer.de berichtete). Die geplante Reform wurde jedoch damals nicht umgesetzt.

Das Homo-Verbot ist Teil einer umfassenden Strafrechtsreform, die noch von Präsident Idriss Déby gestoppt werden könnte. Weitere Änderungen sind eine Anhebung des Mindestalters für eine heterosexuelle Ehe von 16 auf 18 Jahren und die Aussetzung der Todesstrafe außer in Fällen von Terrorismus. "Dieses Strafgesetzbuch ist modern und berücksichtigt sowohl unsere Sitten als auch unsere internationalen Verpflichtungen", erklärte Justizminister Hamid Dahalob.

"Homosexualität wird von allen Religionen verurteilt"

Der Abgeordnete und Ex-Premierminister Delwa Kassiré Coumakoye begründete das Homo-Verbot mit der Religion: "Homosexualität wird von allen Religionen verurteilt. Wir brauchen etwas nicht zu vergeben, das Gott selbst ablehnt, nur weil Westler das fordern." Er habe den Eindruck, dass man im Tschad vom Ausland bestimmt worden sei. Das neue Strafrecht sei seiner Ansicht nach ein fairer Kompromiss.

Die Hälfte der Bevölkerung des Tschad sind Muslime, 40 Prozent sind Christen, davon je zur Hälfte Katholiken und Protestanten – zuletzt nahm der Anteil der Protestanten wegen aggressiver Missionierung zu.

In der ehemaligen französischen Kolonie wurde Homosexualität bislang ausdrücklich nicht verboten. Schwule und Lesben leben wegen der gesellschaftlichen Tabuisierung jedoch fast immer versteckt. Eine kleine LGBT-Community gibt es nur in der Hauptstadt N'Djamena, LGBTI-Organisation sind im Land jedoch gänzlich unbekannt.

Mit der Kriminalisierung von Homosexualität im Tschad steigt die Zahl der Verfolgerstaaten in Afrika auf 36 von insgesamt 55 Ländern. (dk)



#1 ollinaieProfil
  • 16.12.2016, 15:21hSeligenstadt
  • >"Wir brauchen etwas nicht zu vergeben, das Gott selbst ablehnt, nur weil Westler das fordern." Er habe den Eindruck, dass man im Tschad vom Ausland bestimmt worden sei.<

    Wir lassen uns nicht von Ausländern bestimmen, nur von eingebildeten Au­ßer­ir­dischen!
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#2 lucdfProfil
  • 16.12.2016, 15:26hköln
  • Dann sollte man die Entwicklungshilfe zurückschrauben. Sie dient eh nur einer korrupten, mafiösen Kaste.
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#3 PeerAnonym
  • 16.12.2016, 15:42h
  • In Zeiten, wo immer mehr Staaten im 21. Jahrhundert ankommen und nicht mehr in den Betten ihrer Bürger regieren wollen, gibt es leider auch einige Staaten, die zurück in die Steinzeit wollen.

    Ich kann nur hoffen, dass solche Staaten die Quittung dafür bekommen...
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#4 JoonasAnonym
  • 16.12.2016, 16:08h
  • "Homosexualität wird von allen Religionen verurteilt"

    Ja. Und das sagt mehr über die Religionen aus als über Homosexualität.

    Das Ziel von Religion ist Unterdrückung und Bevormundung um die eigene Macht und das eigene Einkommen zu sichern.

    Das funktioniert viel leichter, wenn man seinen Anhängern einen gemeinsamen Feind präsentieren kann, der an allem Unheil Schuld ist und der angeblich ihren Frieden bedroht.
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#5 markusbln11Anonym
  • 16.12.2016, 17:11h

  • Afrika = kontinent der unfreiheit.

    Und die menschen suchen ihr heil dort, wo die freiheit regiert. Gerade auch lgbt. Man kann es ihnen nicht verdenken.

    Konkret. Was passiert in mali und niger, zwei kooperationsländer europas in flüchtlingsfragen; würde die eu dort ähnliche homophobe gesetzesvorhaben wie im tschad akzeptieren?

    Eines ist klar. Tschad ist nicht sicher für lgbt. Will die eu bei ihren flüchtlingskooperation in kauf nehmen, dass nach sicherheit suchende lgbt im tschad eingeknastet werden? Nein, das wäre unhaltbar.
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#6 AlizeAnonym
  • 16.12.2016, 18:52h
  • Antwort auf #4 von Joonas
  • "Homosexualität wird von allen Religionen verurteilt"
    Der Satz ist, wie jede*r nachprüfen kann, eine dreiste Lüge.
    Viele Religionen verurteilen Homosexualität nicht
    sondern manche halten sie sogar für etwas besonderes und edeles.
    Die radikalen Religionen mit ihrem Anspruch auf das "Einzig Wahre", DIE verurteilen Homosexualität und selbst in ihnen bahnt sich langsam die Erkenntnis dass LSBTTIQ nichts"böses" ist sondern wohl Teil der unergründlichen Wege ihres (jeweiligen) Gottes sein muss.
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#7 IsaakAnonym
  • 16.12.2016, 18:54h
  • Antwort auf #5 von markusbln11
  • Das würde ich aber ganz schwer annehmen, dass die EU das dort akzeptieren würde. Schließlich handelt es sich dabei nach internationalem Recht um eine interne Angelegenheit des jeweiligen Staates und weder argumentativ (dann müsste man ähnlich rigoros mit halb Restafrika und dem gesamten Nahen Osten verfahren) noch praktisch ließen sich hier irgendwelche ernsthafte Konsequenzen durchsetzen.

    Im Übrigen: LGBTs geht es in Mali oder Niger nicht weniger bescheiden als im Tschad - das Problem ist in all diesen Staaten mit Sicherheit nicht das Vorhanden- oder auch Nichtvorhandensein von einschlägigen Rechtsnormen sondern viel mehr die Sozialisierung und das Mindset der einfachen Bevölkerung. Strafrechtliche Kriminalisierung ist da lediglich ein Ausfluss von vielen.
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#8 IsaakAnonym
  • 16.12.2016, 19:16h
  • Antwort auf #6 von Alize
  • Jetzt bin ich aber interessiert: Ganz konkret - Welche Religion sieht in Homosexualität etwas besonders Edles?

    Ich will Ihnen gar nicht mal so sehr widersprechen, weil Sie einen wichtigen Punkt aufwerfen (nämlich den, dass es heute eine unglaubliche Diversität des religiösen Lebens gibt und gerade im Protestantismus auch bedeutende Strömungen für eine liturgische und kirchenrechtliche Gleichstellung) aber eines kann man kaum leugnen: Sowohl im Katholizismus als auch in allen großen sunnitischen Rechtsschulen (Malikiten, Hanafiten, Hanbaliten, Schafi'iten), sowohl in der Schia als auch in der jüdischen Orthodoxie - überall wird Homosexualität übereinstimmend als Gräuel, als Perversion oder zumindest als Verwirrung dargestellt. Und das sind mit Sicherheit keine "radikalen" Religionen (bzw. Konfessionen) sondern leider nun einmal die Bedeutendsten, politisch Einflussreichsten und gesellschaftlich im Mainstream am Tiefsten Verankerten.
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#9 FelixAnonym
  • 16.12.2016, 19:54h

  • "Homosexualität wird von allen Religionen verurteilt"

    Wer Liebe verdammt und Hass predigt, hat ganz andere Ziele als das Wohl der Menschen.

    Ginge es denen um Menschen, würden die Armut, Hunger und Gewalt bekämpfen, statt Liebe, Vielfalt und Freiheit.
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#10 ollinaieProfil
  • 16.12.2016, 19:57hSeligenstadt
  • Antwort auf #8 von Isaak
  • "Ich will Ihnen gar nicht mal so sehr widersprechen, weil Sie einen wichtigen Punkt aufwerfen ..."

    Wenn Sie es nicht wollten, könnten Sie es ja einfach lassen.

    Alize und Coumakoye haben nicht von abrahamitischen Religionen gesprochen, noch nicht mal nur von monotheistischen.

    Aber für Leuts, die aus einem Gedankengefängnis kommen ist halt die eigene Weltsicht die einzige und allgemeinverbindliche. Alle anderen sind halt Krank im Kopf und müssen bekehrt, geheilt oder auf den Scheiterhaufen gebracht werden.

    Zum ihrem Quantitäts-"Argument":
    Leute freßt mehr Scheiße; milliarden von Fliegen (oder Pilger?) könnennicht irren!
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