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Auch Kopftuch und Regenbogenfahne passen zusammen: Szene vom Istanbul Pride 2015

Eine Integrations-Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung untersuchte auch Homophobie bei in Deutschland lebenden Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen gelingt in Deutschland, sie benötigt jedoch Zeit – dies ist das Hauptergebnis der neuen Studie "Was uns prägt. Was uns eint", die die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung am Freitag in Berlin vorstellte. Für die Untersuchung wurden im Frühjahr 2015 je etwa 1.000 repräsentativ ausgewählte Ur-Deutsche, Deutsche mit Migrationshintergrund sowie in der Bundesrepublik lebende Ausländer ohne deutschen Pass parallel befragt.

Gemessen wurde auch Homophobie in diesen drei Bevölkerungsgruppen, und zwar anhand der Aussage "Ich will keine homosexuellen Freunde". Lediglich sechs Prozent der Ur-Deutschen gab an, nichts mit Lesben oder Schwulen zu tun haben zu wollen. Bei Deutschen mit Migrationshintergrund waren es dagegen 23 Prozent, bei Menschen ohne deutschen Pass sogar 25 Prozent.

Überdurchschnittliche Homophobie bei Zuwanderern aus Russland

Türkischstämmige Zuwanderer stimmten der Aussage, keine homosexuellen Freunde haben zu wollen, durchschnittlich oft zu. Überdurchschnittliche Zustimmung fand sich bei russischstämmigen Zuwanderern: 37 Prozent der Migranten aus Russland wollen laut der Studie Lesben und Schwule nicht in ihrem Freundeskreis haben.

Zudem zeigte sich für alle Konfessionen, dass die Ablehnung Homosexueller mit zunehmender Religiosität steigt, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Bei Katholiken klettert die Ablehnung von drei Prozent (schwach religiös) auf zehn Prozent (stark religiös), bei Protestanten von fünf auf elf Prozent. Bei Muslimen ist das Niveau der Ablehnung hingegen höher. 15 Prozent der schwach religiösen Muslime möchten keine homosexuellen Freunde, während dasselbe für jeden dritten stark religiösen Muslim gilt.

Für Kanzleramtsminister Peter Altmaier, der die Studie der Adenauer-Stiftung vorstellte, sind dies dennoch keine alarmierenden Befunde. "Bei der Frage zur Homosexualität hätte man vor 20 oder 30 Jahren auch in der deutschen Bevölkerung noch ganz andere Antworten bekommen als heute. Hier hat sich eine Veränderung schneller vollzogen", erklärte der CDU-Politiker. (cw)



#1 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 17.12.2016, 10:02h
  • Der Begriff "Ur-Deutsche" kommt übrigens in der Studie nicht vor. Ich halte ihn auch für ähnlich problematisch wie z.B. den Begriff "Bio-Deutsche".

    Lieber wäre mir hier, von "Deutschen ohne Migrationshintergrund" zu sprechen - wobei dann immer noch die Frage wäre, wie weit man da in der Geschichte zurückgeht. Je weiter man das täte, desto mehr "Ur-Deutsche" würden sich nämlich DOCH als "mit Migrationshintergrund" entpuppen.
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#2 HabukazProfil
  • 17.12.2016, 10:37h
  • Mittwoch hat die SZ berichtet, wie die Regierung den jährlichen Armutsbericht manipuliert hat. Auf Peter Altmaier kann ich ohnehin verzichten nach seiner Äußerung über "schrille Minderheiten" bezüglich der Eheöffnung.
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#3 wiking77
  • 17.12.2016, 10:55h
  • zwei Regenbogenfahnen-Trägerinnen in Istanbul machen aber auch noch keinen homofreundlichen Frühling!
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#4 RobinAnonym
  • 17.12.2016, 11:16h
  • Diese "Studie" sollte man mit äußerster Vorsicht genießen.

    Wie passen diese Zahlen z.B. zu der Studie vom Sommer wonach 40% der Deutschen Homo-Küsse ekelhaft finden. (
    www.queer.de/detail.php?article_id=26358)
    Oder auch zu der zunehmenden Homophobie auf Schulhöfen, in den Straßen, etc.

    Der Grund für diese Diskrepanz ist auch schnell gefunden:

    diese "Studie" stammt von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Und da wird dieses Ergebnis dann plötzlich sehr leicht erklärbar: die CDU redet ja schon seit Jahren das Problem der Homophobie klein. Um eben nichts dagegen tun zu müssen. Also kommt genau das auch bei dieser Studie raus.
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#5 LarsAnonym
  • 17.12.2016, 11:30h
  • Meine persönlichen Erfahrungen mit Menschen mit Migrationshintergund sind positiv, auch die Religion ist kein Hindernis für Kontakte und Begegnungen. Viel entscheidender sind soziale Intergration, Bildung, Kontaktfreudigkeit, Respekt und eine Portion Neugier - auf beiden Seiten.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 17.12.2016, 11:42h
  • Solche Studien zu gesellschaftlich umstrittenen Themen sind generell immer mit Skepsis zu sehen. Denn es werden in hohem Maße die (tatsächlich oder vermeintlich) gesellschaftlich akzeptierten Antworten gegeben.

    Wenn ein unbekannter Interviewer von einer "offiziellen Instutution" einen befragt, reagiert man darauf anders als wenn man mit seinesgleichen über "die Ausländer", "die Schwulen", etc. herzieht.

    Selbst wenn man die deutschlandweit bekannten Homohasser befragen würde, ob sie was gegen Schwule haben, würden die das vermutlich verneinen. Aber was dann nicht mehr in der Frage erfasst wird, ist, dass sie Jugendliche vor unserem Anblick schützen wollen, uns nicht die gleichen Rechte zugestehen, etc.

    Und auch die Kirche fordert ja, Schwule mit offenen Armen zu empfangen, sagt aber halt im nächsten Satz "Um für sie zu beten und sie wieder auf den rechen Weg zu führen."

    Insofern sind solche Befragungen relativ sinnlos. Was viel mehr bringt, ist sich anzugucken, wie die reale Situation von GLBTI aussieht. Bzgl. Gleichstellung, Diskriminierungsschutz, erlebter Diskriminierung, Mobbing, Gewalterfahrungen, etc.
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#7 TheDadProfil
  • 17.12.2016, 11:55hHannover
  • Antwort auf #1 von UrsaMajor
  • Ich stimme Dir da zu..

    Gleichzeitig finde ich aber die Begriffe "Ur-Deutsche" und auch "Bio-Deutsche" als Stichelei gegen den inflationär verwendenten Begriff des "Migrationshintergrundes" durchaus für geboten..

    Denn wie du schon schreibst :
    ""Lieber wäre mir hier, von "Deutschen ohne Migrationshintergrund" zu sprechen - wobei dann immer noch die Frage wäre, wie weit man da in der Geschichte zurückgeht.""..

    Bei sich selbst wird die Migration negiert, während man bestimmten Minderheiten der Gesellschaft ihren Hintergrund immer noch bis in die 4.Genration nachträgt..

    ""Je weiter man das täte, desto mehr "Ur-Deutsche" würden sich nämlich DOCH als "mit Migrationshintergrund" entpuppen.""..

    Genau..
    Man kann sicher davon ausgehen daß die "Bio-Deutschen" längst eine Minderheit von nicht mehr als 40 % der Bevölkerung darstellen..

    Insofern sind die "Blut&Boden"-Phantasien der Neu-Rechten aus der "AFD" nichts weiter als eine Illusion..
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#8 JoonasAnonym
  • 17.12.2016, 12:09h
  • "Drei von vier Migranten wollen homosexuelle Freunde"

    Das sagt die Studie aber nicht!

    Wenn 25% der Migranten keine homosexuellen Freunde haben wollen, sagt das ja nicht aus, dass die restlichen 75% welche haben wollen.

    Erstens gibt es ja auch noch die Kategorien "Keine Antwort", "Ich weiß nicht", "Unsicher".

    Und zweitens gibt es ja auch noch etwas zwischen "Will auf keinen Fall" und "Hätte gerne unbedingt welche". Es gibt da sicher viele, die homosexuelle Freunde nicht generell ablehnen würden, die sich jetzt aber auch nicht explizit welche wünschen. Das ist zwar auch schon gut, aber die Überschrift erweckt halt den Anschein, dass diese Gruppe explizit homosexuelle Freunde sucht.
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#9 Komisches WortAnonym
  • 17.12.2016, 12:12h

  • "Bio-Deutsche"?
    Ich bin kein Gemüse :-/
    Ist doch wahr, hört sich an als wären wir entweder ein Gemüse oder eine Art Ureinwohnerstamm und würden noch wie die alten Germanen durch die Wälder streifen.
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#10 RaffaelAnonym
  • 17.12.2016, 12:25h
  • >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    Für Kanzleramtsminister Peter Altmaier, der die Studie der Adenauer-Stiftung vorstellte, sind dies dennoch keine alarmierenden Befunde. "Bei der Frage zur Homosexualität hätte man vor 20 oder 30 Jahren auch in der deutschen Bevölkerung noch ganz andere Antworten bekommen als heute. Hier hat sich eine Veränderung schneller vollzogen", erklärte der CDU-Politiker.
    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Da ist die Situation aber schon etwas anders.

    1.

    Erstens muss man da in Deutschland schon weiter zurückgehen als die von Altmaier genannten 20-30 Jahre, denn das würde ja bedeuten 1986-1996 und damals war die Akzeptanz von Schwulen und Lesben sogar noch größer als heute.

    Wenn man zurück will in die Zeit, wo unter Deutschen die Frage, ob man homosexuelle Freunde akzeptieren würde, ähnlich schlecht beantwortet würde wie aktuell von Russen, Türken, u.ä. müsste man schon in die Zeit vor der sexuellen Revolution Ende der 1960er zurückgehen. Dann wären wir also eher bei 50-60 Jahren.

    Wollen wir jetzt wirklich nochmal 50-60 Jahre warten? Oder kann man nicht auch von Migranten erwarten, dass sie zumindest in elementaren Menschenrechtsfragen manche Dinge auch mal akzeptieren müssen, die wir über Jahrzehnte erkämpft haben und wo wir jetzt nicht wieder von vorne anfangen wollen mit kämpfen?!

    2.

    Auch damals schon hatte Religion einen für Deutsche nicht die Bedeutung, die sie für manche streng-gläubige Migranten hat. Für viele Migranten steht die Religion über dem Gesetz. Ich kenne sogar junge Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind und jetzt Anfang 20 sind und die sagen, dass ihre Religion über dem Gesetz steht.

    Welcher Deutsche hätte das auch vor Jahrzehnten gesagt? Dafür sind die Deutschen viel zu obrigkeits-hörig, als dass sie irgendwas über Recht und Gesetz stellen.

    Auch so etwas wie Zwangsheiraten etc. hat es damals in Deutschland nicht gegeben.

    Die Ablehnung von LGBTI mag damals an sich auch unter Deutschen ähnlich hoch gewesen sein. Aber die Randbedingungen waren völlig anders.

    Deswegen kann man nicht nur die isolierten Zahlen vergleichen, sondern muss auch die völlig unterschiedlichen Randbedingungen beachten.

    ACHTUNG:
    Das heißt ausdrücklich nicht, dass Migranten ihre Meinung nicht auch ändern können. Vielleicht sogar noch schneller als Deutsche. Aber genauso kann es auch ganz anders kommen. Mir geht es nur darum, dass dieser Vergleich und die daraus gezogenen Schlüsse methodisch nicht tragfähig sind.
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