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Ausstellung im Schwulen Museum*

"Rock Hudson hat schwule Geschichte geschrieben"

Der Kölner Sammler Björn Klimek besitzt über 15.000 Objekte zum Hollywood-Star Rock Hudson, eine Auswahl ist aktuell im Schwulen Museum* Berlin zu sehen. Wir haben ihn interviewt.


Ein Leben für Rock Hudson: Auf Flohmärkten oder Auktionen ergatterte Björn Klimek Tausende Fotos, Zeitschriften, Bücher, Programme und Plakate rund um den schwulen Schauspieler, der 1985 an den Folgen von den Aids verstarb (Bild: Axel Wippermann)
  • Von Katya Sumina
    24. Dezember 2016, 12:31h, 1 Kommentar

queer.de: Wieso hast du ausgerechnet angefangen, Material zu Rock Hudson zu sammeln?

Björn Klimek: Als er 1985 starb, war ich 15 Jahre alt. Während die Meldung damals im Fernsehen in den Hauptnachrichten kam, erlebte ich die vollkommen geschockte Reaktion meiner Mutter. So etwas hatte ich bei ihr vorher noch nie gesehen, und das machte mich neugierig, wer dieser Mann ist, der das auslösen kann.

Wie war denn die Reaktion deiner Mutter?

Sie schaute völlig perplex und sagte: "Der war schwul?!? Ich habe ihn doch mein ganzes Leben geliebt, weil er so schön war!"

Und dann?

Ich habe mich damals schon grundsätzlich für Film interessiert. Dann kam Rock Hudson als spezieller Fokus dazu. Besonders beeindruckt haben mich die Melodramen von Regisseur Douglas Sirk, in denen er mitgespielt hat. Da sieht man Hudson als geheimnisvollen Mann, der mindestens zwei Ebenen hat. Eine äußerliche, die optisch sehr glatt wirkt, und eine seelische, die zerrissen ist. In den Sirk-Filmen hat Hudson seine größten schauspielerischen Leistungen erbracht. Auch wenn er heute vor allem als Filmpartner von Doris Day in Erinnerung ist.


Das Schwule Museum* zeigt aus Klimeks Sammlung auch ein nicht sehr realistisches "Bravo"-Porträt des Schauspielers: "So stelle ich mir Mrs. Hudson vor" (Bild: Schwules Museum*)

Das war eine sehr spezielle Paarung: der Schwule mit der Schwulenikone Nummer eins…

Zwischen den beiden ist auf der Leinwand keinerlei körperliche Verbindung oder Spannung zu spüren. Sie haben etwas ausgesprochen Asexuelles. Bei ihren drei gemeinsamen Filmen fragt man sich: Was will dieser Mann eigentlich von dieser Frau? Aber das ist das Besondere an den Filmen, weil der Switch zwischen Hudson und Day einmalig ist. Er spielt ja in diesen Komödien immer in einer Szene einen Schwulen, das war der große Lacher. Weil das niemand ernst nahm. Hudson selbst hat die Szenen bei Privatpartys seinen Freunden regelmäßig vorgeführt und sich schlapp gelacht, dass die Öffentlichkeit es nicht bemerkt hat, dass das alles "echt" war.

Kurz nach seinem Tod kamen dann sehr viele Enthüllungsbücher und Memoiren von seiner Ex-Ehefrau – die habe ich alle gelesen. Nach und nach bin ich dann immer mehr abgetaucht in Hudsons Oeuvre und Leben.

Wo hast du die vielen Exponate her?

Angefangen habe ich auf Flohmärkten. Ich bin mit meinem Vater sonntags über die Märkte in Köln gegangen und habe nach alten Programmen und Fotos gejagt. Mit den Jahren wurde ich dann etwas professioneller. (lacht) Nach dem Studium fing ich an Geld zu verdienen, damit konnte ich bei Auktionen mitbieten, auch in den USA. Irgendwann bin ich sogar mit dem Nachlassverwalter von Rock Hudson in Kontakt gekommen, von dem ich einige Stücke kaufen konnte, die aus Hudsons direktem Besitz stammen. Ich habe mich also hochgesammelt. (lacht)

Wie viele Objekte hast du?

Ich sammele nicht nur zu Rock Hudson, sondern zur Filmgeschichte insgesamt, besonders der deutschen. Ich habe bestimmt 40.000 Objekte: Fotos, Zeitschriften, Bücher, Programme, Plakate usw. In meiner Rock-Hudson-Sammlung befinden sich 15.000 Objekte. Der Schwerpunkt liegt auf Hudsons filmgeschichtlicher Bedeutung, ein bisschen gibt's aber auch was zu seiner Biografie, natürlich.

Im Schwulen Museum* ist aktuell allerdings fast nur biografisches Material zu sehen, speziell zum Bekanntwerden seiner Aids-Erkrankung und zu seinem Coming-out. Er hat sich ja, im Gegensatz zu Künstlern wie Liberace, entschieden, sein Schwulsein im Angesicht des Todes publik zu machen. Das war in der damaligen politischen Situation ein starkes Statement. Das entsprechende Zeitungsmaterial sieht man in der Ausstellung.

Wie kam es zu dieser Ausstellung?

Ich war mit meinem Partner bei einem unserer gemeinsamen Urlaube in Berlin. Dabei waren wir auch im Schwulen Museum, damals noch in Kreuzberg. Mich haben die Ausstellungen dort sehr beeindruckt, ich fand das eine tolle Präsentation der Sammlungen. Ich hatte immer im Hinterkopf die Frage, was ich einmal mit meiner eigenen Sammlung machen könnte. Über einen befreundeten Filmjournalisten lernte ich Wolfgang Theis kennen, der nicht nur Gründungsmitglied des Museums ist, sondern viele Jahre in der Deutschen Kinemathek arbeitete. Daraus hat sich alles Weitere entwickelt.


Die Sonderausstellung "Rock Hudson und die Aids-Krise" ist noch bis 27. März 2017 im Schwulen Museum* zu sehen (Bild: Schwules Museum*)

Siehst du Rock Hudson als bedeutend für die Geschichte der Schwulen?

Ja, schon. Rock Hudson hat als bis dahin prominentestes Opfer der Aids-Krise ein Gesicht gegeben. Dieser Moment, als die Krankheit bei ihm ausbrach, in Verbindung mit seiner unglaublichen Popularität – das hat Geschichte geschrieben. Er trat damals in der Erfolgsserie "Denver Clan" auf, als Lover von Crystal Carrington, gespielt von Linda Evans. Natürlich habe ich das als Teenager geguckt. Als dann die Nachricht von seiner Aids-Erkrankung kam, wurde in der Presse – auch in Deutschland – wirklich jegliches Niveau unterboten. Man macht sich das heute gar nicht mehr klar, wie damals die Emotionen überschäumten.

Alle rätselten öffentlich, ob sich Linda Evans mit dem Kuss vor der Kamera bei ihm mit HIV angesteckt haben könnte oder nicht. Sie hat drei HIV-Tests machen lassen, um absolut sicher zu sein. Das grenzte an Hysterie. Aber es gab zu der Zeit wenig Aufklärung und keine Safer-Sex-Informationsmaterialien. Erst danach haben sich einige seiner Kolleginnen mit Hudson solidarisiert und ein deutliches Zeichen im Kampf gegen Aids gesetzt. Doris Day hat ihn öffentlich geküsst, um zu zeigen, dass man sich davon nicht ansteckt und davor keine Angst haben muss. Liz Taylor hat ihre Aids Foundation ins Leben gerufen und Geld gesammelt für die Forschung und HIV-Bekämpfung. Sogar die berühmte Rote Schleife wurde als direkte Folge daraus entwickelt.

Und Hudson ging noch einen Schritt weiter: Er machte sein zuvor streng geheim gehaltenes Privatleben publik. Das war eine Sensation ohnegleichen. Und es veränderte das Bild, das viele Menschen von Schwulen hatten – das gilt auch für meine Mutter, die umdenken musste.

Was ist dein Lieblingsobjekt in der Ausstellung?

Das Kinderfoto! Das ist ein Original, ein Bild des sechsjährigen Rock Hudson, der da noch Roy Harold Scherer hieß bzw. Fitzgerald. Das Bild hatte seine Mutter einer amerikanischen Filmzeitung überlassen für den Abdruck, aber die Zeitung hat das Foto nie zurückgegeben. Ich bekam es bei einer Versteigerung des Zeitungsarchivs.

Was kostet solch ein Bild denn?

Ungefähr 500 Dollar.

Wie bist du an die "Bravo" von 1961 gekommen, mit Hudson auf dem Cover, und an den Starschnitt?

Suchen, suchen, suchen. (lacht) Das gilt auch für die Rock-Hudson-Anziehpuppe aus Papier, mit Cut-out-Kostümen von den verschiedenen Filmrollen. Diese Puppen gab's damals oft, aber meist bekommt man die Hefte nur ausgeschnitten, nicht im Originalzustand. Hier liegen jetzt zwei "jungfräuliche" Ausgaben.

Gibt es heute Hollywood-Stars, deren Coming-out eine vergleichbare Wirkung hätte?

Nein, ich glaube nicht. Heutige männliche Stars sind schon von vornherein viel ambivalenter in ihren Rollen. Das war Hudson in gewisser Weise auch, aber das Doppelbödige wurde in den Fünfziger- und Sechzigerjahren vom Publikum nicht verstanden. Man hat die Zweideutigkeit seiner Charaktere übersehen und ihn nur aufs Klischee des Frauenschwarms reduziert. Das merkt man auch in den diversen Reportagen und Homestorys, die ausgestellt sind. Aber auch in den Pin-up-Fotos. Die weiblichen Fans waren so geblendet von seiner Schönheit, dass sie einfach nicht weitergedacht haben – bis 1985, als Hudson sie dazu gezwungen hat.

Infos zur Ausstellung

Tapetenwechsel 2.0 – Rock Hudson und die Aids-Krise. Ausstellung noch bis zum 27. März 2017 im Schwulen Museum*, Lützowstraße 73, 10785 Berlin. Öffnungszeiten: So, Mo, Mi, Fr 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa 14-19 Uhr, Di geschlossen. Am 24. und 31. Dezember 2016 hat das Museum nicht geöffnet.