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Nachruf

George Michael: Ein brillanter Künstler und engagierter Humanist

Der britische LGBTI- und Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell würdigt den verstorbenen Sänger.


Der plötzliche Tod von George Michael an Weihnachten hat viele Menschen bewegt (Bild: georgemofficial/instagram)

Am Sonntag, am ersten Weihnachtsfeiertag ist der britische Popstar George Michael im Alter von 53 Jahren verstorben (queer.de berichtete). Inzwischen wurde bekannt, dass der frühere Wham!-Star und erfolgreiche Solosänger an einem Herzinfarkt starb und dass er von seinem Partner Fadi Fawaz, mit dem er seit fünf Jahren zusammenlebte, tot im Bett aufgefunden wurde.

Während viele LGBTI auf der ganzen Welt reflektieren, welchen Einfluss Michael auf ihre Leben und ihr Coming-out hatte, machten Berichte über zahlreiche Wohltätigkeiten des Sängers die Runde, die vorher nicht bekannt waren.

In diesem Nachruf blickt der britische LGBTI- und Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell auf Leben und Wirken des Sängers zurück.

 

George Michael: Ein brillanter Komponist und Sänger mit sozialem Gewissen und Botschaft


Der Autor Peter Tatchell 2011 beim CSD in Moskau (Bild: nb)

George Michaels plötzlicher, traurig stimmender Tod hat der Welt einen großen Künstler und einen Star mit einem sozialen Gewissen genommen. Neben seiner tollen Musik – vor allem in seiner Solo-Karriere, die den Test der Zeit besteht – sprach er sich gegen Ungerechtigkeit und den Irak-Krieg aus.

Er verteilte kostenlose Konzerttickets an Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen des nationalen Gesundheitsdiensts und half beim Sammeln von Spenden für Aids-Organisationen, das Projekt Childline, Palästina, Comic Relief und, in den 80ern, für die streikenden Bergarbeiter. Seine Unterstützung für LGBT-Rechte zeigte sich bei seinen Auftritten 2010 beim Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras in 2010 und 2000 beim Konzert "Equality Rocks" in Washington DC.

Ich habe George zum ersten Mal circa 1980 getroffen, als er noch Teenager war und lange bevor er berühmt wurde. Es war ein Zufallstreffen in einer kleinen schwulen Disco über einem Pub an der U-Bahn-Station Manour House im Norden Londons. Er war ein toller Tänzer und sang zu allen Liedern mit. Er hatte eine gute Stimme und sagte, er werde ein Popstar. In jenen Tagen gab es viele Möchtegern-Stars. Aber er war eindeutig talentiert. Ich dachte: Vielleicht ist dieser Typ auf der richtigen Spur. Ich war dennoch überrascht – und erfreut – als er drei Jahre später mit Wham! groß rauskam.

Zu dieser Zeit, nachdem er ein Chart-Erfolg wurde, ging er in den schwulen Nachtclub Bolts in Haringey, obwohl er noch im Schrank war und verschlossen über seine Homosexualität. Das war ein riskanter Schritt für einen großen Popstar, aber exemplarisch für die vielen Risiken, die er in seinem Leben nahm. Manche von uns fragten sich, ob die Besuche im Bolts einen unbewussten Wunsch zeigten, von der Presse geoutet und gezwungen zu werden, das Führen eines geheimen Doppellebens, mit all den enthaltenen Belastungen, zu beenden.

Mit Kraft aus dem Schrank

George outete sich erst vergleichsweise spät, 1998 als er Mitte 30 war, nachdem er im Rahmen einer verdeckten Polizeiaktion in Los Angeles verhaftet worden war. Aber er wandelte seine Verhaftung um in eine trotzige Verteidigung des Rechtes, schwul zu sein, die ihm öffentliche Zustimmung für seine Aufrichtigkeit gewann. Er parodierte den Vorfall unterhaltsam und perfekt mit dem Song "Outside" und dem begleitenden Video.

Direktlink | Nach der Verhaftung ging George Michael 1998 in die Vorwärtsverteidigung, in diesem Interview mit CNN und später in der Heimat in der Talkshow von Michael Parkinson

In den 1980er-Jahren entschied er sich, nicht zu enthüllen, dass er schwul war, weil er eine negative Reaktion von seinen Eltern, Fans, seiner Plattenfirma und vor allem der Boulevardpresse fürchtete. Damals waren die Blätter brutal zu homosexuellen Prominenten. Sie wurden verunglimpft und mit Schmutz beworfen. Schwul zu sein wurde als Skandal und Schande dargestellt. Die Boulevardpresse hat in dieser Zeit viele Karrieren beschädigt.

Das war auch die Ära von Aids, das oft als "schwule Seuche" bezeichnet wurde. Schwule Männer wurden für den tödlichen Virus verantwortlich gemacht. Die öffentliche Stimmung wurde homophober. Homofeindliche Überfälle und Morde stiegen enorm an. Es war eine furchtbare Zeit, schwul zu sein, erst recht für öffentliche Personen. Ich wünschte, George hätte sich damals geoutet, weil er hätte helfen können, der Welle des Vorurteils entgegenzutreten. Aber ich verstehe, dass er es nicht getan hat.

Vom Schwarm zum Aktivisten

George war nicht nur ein brillanter Komponist und Sänger, sondern hatte auch ein soziales Gewissen, machte Musik mit einer Botschaft und sammelte viel Geld für gute Zwecke.

Sein Lied "Praying for Time" war 1990 eine bezaubernde, wenn auch verzweifelte Kritik an Armut und Ungerechtigkeit. Er trat nicht im offiziellen Video auf. Es verzichtete auf Tänzer oder sexy Jungen und Mädchen. Das Video war ein schwarzer Bildschirm mit den Lyrics in weißer Schrift. Ganz klar wollte er, dass seine Fans sich auf seine Botschaft konzentrieren und diese verstehen.

Er war auch ein lautstarker Gegner des Irak-Kriegs. Sein "Shoot the Dog" war 2002 eine schonungslose Satire auf George W. Bush und Tony Blair und sein Lied "The Grave" ein Jahr später war eine Klage über vergeudete junge Leben, die im Krieg verloren gehen – bewusst veröffentlicht zum Zeitpunkt der aus seiner Sicht ungerechtfertigten und illegitimen Intervention der Alliierten im Irak. "Shoot the Dog" war ein mutiger Schritt, der ihm Fans im kampflustigen, patriotischen Amerika gekostet hat. Aber er hielt an seinen Prinzipien fest und zeigte seinen Kritikern, dass er kein geistloser, hedonistischer Pop-Schwarm war.

Das Vermächtnis von George Michael ist das eines höchst talentierten Performers, eines Gegners von Ungerechtigkeit und das eines wohltätigen Humanisten. Seine Musik wird über Jahrzehnte weiterleben und Millionen weiterhin Freude und Inspiration bringen. Bravo!

Übersetzung: nb



#1 DankeAnonym
#2 SebiAnonym
  • 28.12.2016, 16:42h
  • Ich war zwar niemals ein großer Fan seiner Musik, aber er hat ohne Zweifel Musikgeschichte geschrieben und verdientermaßen eine tolle Karriere gehabt.

    Und ganz ohne Zweifel hat er auch viel für Gleichstellung getan und war sicher auch für einige ein Vorbild.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Marceline
  • 29.12.2016, 13:30h
  • Ich weiß nicht, woher der Artikelautor seine Information bezieht, George Michael sei an einem Herzinfarkt verstorben.

    Der verlinkte Focus-Artikel gibt diese Information jedenfalls mitnichten her (und behauptet dies auch nicht). Vielmehr informiert er lediglich darüber, dass mit der Vorgeschichte bzw. im Alter von George Michael diese Todesursache bei Männern nicht unwahrscheinlich sei.

    Die bislang im Netz kursierende Angabe zur Todesursache, "Herzversagen", ist völlig schwammig und nichtssagend. Insbesondere ist sie kein eindeutiger medizinischer Fachbegriff.

    de.wikipedia.org/wiki/Herzinsuffizienz#Alltagssprache_und_Do
    ppeldeutungen


    Ein Herz hört schließlich nicht "einfach so" auf zu schlagen. Aufschlussreich wäre also der eigentliche Grund für das finale Herzversagen. Und der kann äußerst vielfältig sein - von koronarer Herzkrankheit über einen "Gehirnschlag" bis hin zur (beabsichtigten oder unbeabsichtigten) (Selbst-)Vergiftung.

    Aber vielleicht gibt ja demnächst die von der örtlichen Polizei angekündigte Obduktion weiteren Aufschluss.

    www.thamesvalley.police.uk/newsevents/newsevents-pressreleas
    es/newsevents-pressreleases-item.htm?id=346786
  • Antworten » | Direktlink »
#4 TheDadProfil
  • 29.12.2016, 21:15hHannover
  • Antwort auf #3 von Marceline
  • ""Die bislang im Netz kursierende Angabe zur Todesursache, "Herzversagen", ist völlig schwammig und nichtssagend. Insbesondere ist sie kein eindeutiger medizinischer Fachbegriff.
    ""..

    Dazu würde ich anstatt Wikipedia dann doch lieber Fachliteratur befragen :

    www.vitanet.de/krankheiten-symptome/ploetzliches-herzversage
    n


    www.pschyrembel.de/plötzlicher
    Herztod/K09R8

    ""Ein Herz hört schließlich nicht "einfach so" auf zu schlagen.""..

    Interessante These..

    ""Warum müssen Herzkrankheiten unbedingt behandelt werden? Die Antwort ist einfach: um ein plötzliches Herzversagen zu verhindern. Denn dieses hat in den meisten Fällen noch immer den plötzlichen Herztod zur Folge. In Deutschland erleiden jedes Jahr zwischen 100.000 und 150.000 Menschen ein plötzliches Herzversagen, fast alle 95 Prozent sterben daran.""..

    Ursache für "plötzliches Herzversagen" ist in fast allen diesen Fällen das so genannte "Kammerflimmern"..
    Was schon durch einen einfachen Hustenreiz ausgelöst werden kann..
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Patroklos