Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?27908

Kinostart

Ein Schauermärchen mit queerem Twist

In seinem neuesten Werk "Die Taschendiebin" verwickelt Park Chan-wook, der Meister stilvoll inszenierter Grausamkeiten, ein Dienstmädchen in ein erotisches Verwirrspiel. Ab 5. Januar im Kino.


Die unnahbare Lady Hideko und ihr gerissenes Dienstmädchen Sookee kommen sich näher

  • Von Carsten Moll
    1. Januar 2017, 14:26h, Noch kein Kommentar

Korea in den Dreißigerjahren: Unter der japanischen Besatzung wird das Land von den Kolonialherren ausgebeutet, und die gesellschaftliche Hierarchie ist klar gegliedert. So kommt es, dass die junge Koreanerin Sookee gegen ihren Willen als Dienstmädchen für die wohlhabende Japanerin Hideko arbeiten muss. Diese lebt gemeinsam mit ihrem Onkel, dem sadistischen Kouzuki, auf einem abgelegenen Anwesen und wird dort wie eine Gefangene gehalten.

Die Isolation von der Außenwelt sowie das geteilte Schicksal, Waisenkind zu sein, bringt die beiden unterschiedlichen Frauen schließlich einander näher. Aus Freundschaft entwickelt sich bald erotische Anziehung, doch Sookee verbirgt ein Geheimnis vor ihrer gutgläubigen Herrin: Sie ist in eine Intrige verwickelt, mit deren Hilfe Hidekos Verehrer, der Graf Fujiwara, an das Vermögen der reichen Erbin gelangen will.

Ein gotisches Schauermärchen


Poster zum Film: "Die Taschendiebin" startet am 5. Januar 2017 bundesweit im Kino

Zunächst scheint es so, dass der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook mit "Die Taschendiebin" an seinen letzten Spielfilm, das englischsprachige Psychodrama "Stoker" (2013) anknüpfen wolle: Das Setting, obwohl nicht in England angesiedelt, ist erneut eindeutig von klassischer Gothic fiction geprägt. "Irrenanstalten", düstere Herrenhäuser sowie finstere Familiengeheimnisse sind in Parks aktuellem Film wie schon in "Stoker" die Stützpfeiler für ein faszinierendes Schauermärchen.

Diesmal dient diese Genrewahl allerdings nicht als Rahmen für eine hochsymbolische Erzählung über das Erwachsenwerden einer amerikanischen Teenagerin. Nationale Identitätskrisen sowie sexuelle Emanzipation sind in "Die Taschendiebin" die wichtigen Themen und werden anhand einer in drei Teile gegliederten, wendungsreichen Dramaturgie ausgebreitet.

Dass die Storytwists mitunter den großen Knalleffekt vermissen lassen, ist dabei kein wirklicher Makel. Im Vergleich zu Sarah Waters' Roman "Fingersmith", der Park und seiner Ko-Autorin Chung Seo-kyung als Inspiration gedient hat, verzichtet "Die Taschendiebin" auf allzu viele ungeahnte Offenbarungen und blickt statt dessen aus verschiedenen Perspektiven immer wieder auf das Verwirrspiel im Zentrum der Handlung.

Hervorragende Sets, brillant fotografierte Bilder

So sind einige Szenen oft nur subtile Variationen des bereits Gesehenen. Bei einer Laufzeit von immerhin 145 Minuten mögen diese stetigen Rückblicke manchem Zuschauer sicherlich wie ein narrativer Stillstand anmuten. Aber bedenkt man, wie durch dieses geduldige Kreisen die Figuren an Konturen gewinnen und vor allem die Beziehung der Protagonistinnen ausgelotet wird, zahlt sich Parks künstlerischer Ansatz aus.

Das Vor und Zurück der Erzählung ermöglicht dem geneigten Publikum zudem ein Schwelgen in den von Ryu Seong-hee hervorragend gestalteten Sets sowie Chung Chung-hoons brillant fotografierten Bildern. Somit erweist sich "Die Taschendiebin" als stilvolle Fortsetzung zu Parks bisherigem Schaffen und schlägt im Finale mit einer grausigen Folterszene samt Oktopus sogar den Bogen zum bisherigen Karrierehöhepunkt des südkoreanischen Regisseurs: "Die Taschendiebin" vermag es zwar nicht ganz, an Parks größten Erfolg, das blutige Rachedrama "Oldboy" (2003), heranzureichen, aber verheißt nach dem etwas beliebig wirkenden "Stoker" doch eine Rückkehr zur alten Form.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Die Taschendiebin. Thriller. Südkorea 2016. Regie: Park Chan-wook. Darsteller: Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong, Kim Hae-sook, Moon So-ri. Laufzeit: 145 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: Koch Films. Kinostart: 5. Januar 2017
Galerie:
Die Taschendiebin
5 Bilder