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Diskriminierung

US-Pfadfinder schließen Achtjährigen wegen Transsexualität aus

Nach dem Streit um Schwule bahnt sich bei den "Boy Scouts" nun der nächste Konflikt an. Eine Umfrage zeigt zudem: Noch heute hält weniger als die Hälfte der US-Bürger Transsexualität für natürlich.


Schwule werden zwar von den "Boy Scouts" inzwischen zähneknirschend akzeptiert, allerdings kämpft die Führung jetzt gegen Trans-Kinder (Bild: Karol Olson / flickr)

Einen Monat lang durfte Joe Maldonado bei der Pfadfindergruppe "Cub Scout Pack 87" in Seacaucus (US-Bundessstaat New Jersey) mitmachen, bevor ihm die Teilnahme wegen seiner Geschlechtsidentität verboten wurde. Die Eltern des transsexuellen Achtjährigen haben vergangene Woche den Rausschmiss scharf kritisiert. Im Lokalblatt "The Record" wird Joe mit den Worten zitiert: "Was erlauben die sich, mich zu verurteilen? Ich brauche nicht erklären, warum ich so geboren wurde."

Joes Mutter erklärte, dass ihr Sohn seit einem Jahr als Junge lebe und es keine Probleme mit anderen Pfadfinderkindern gegeben habe. Erst als sich Eltern beschwerten, hätte die Pfadfinderleitung entschieden, ihren Sohn auszuschließen.

Der Streit sorgte für nationale Schlagzeilen, da sich derzeit in den USA der Kulturkampf nach der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben im Jahr 2015 vor allem um Trans-Rechte dreht. Ein Beispiel ist das Gesetz HB 2, das in North Carolina Transsexuellen unter anderem verbietet, Toiletten an öffentlichen Gebäuden zu nutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen (queer.de berichtete).

Nur "biologisch männliche" Pfadfinder erwünscht

Eine Sprecherin der "Boy Scouts of America" verteidigte den Ausschluss: Effie Delimarkos erklärte in einer Pressemitteilung, dass Joe nicht die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft bei den Pfadfindern mitbringe. Zum Zeitpunkt seiner Registrierung sei nicht bekannt gewesen, dass das Kind "nicht biologisch männlich" gewesen sei. Sie sagte aber nicht, ob ein Trans-Mädchen bei den "Boy Scouts" mitmachen dürfe.

Die US-Pfadfinder hatten erst 2015 nach langjährigen Auseinandersetzungen entschieden, dass künftig Homosexualität kein Ausschlussgrund mehr ist (queer.de berichtete). Allerdings betreffe dies nicht Transsexuelle, so Delimarkos. "Kein Jugendlicher sollte wegen seiner sexuellen Orientierung ausgeschlossen werden. Aber Geschlechtsidentität ist etwas anderes als sexuelle Orientierung." Sie verwies auf eine mehrere Wochen alte Mitteilung der "Boy Scouts of America", nach der Trans-Kinder nur in Programmen willkommen seien, die für Mädchen und Jungen bestimmt seien. Wenn aber nur Jungen erlaubt seien, dürften Trans-Jungs nicht teilnehmen.

Weniger als Hälfte der Amerikaner halten Transsexualität für "natürlich"

Der Ausschluss zeigt, wie zerrissen die US-Gesellschaft noch heute über das Thema Transsexualität ist. Eine aktuelle Umfrage des "Willams Institute" in 23 Ländern (PDF) kommt etwa zu dem Ergebnis, dass weniger als die Hälfte (46 Prozent) der US-Bevölkerung Transsexualität für "natürlich" hält. In Deutschland sind es dagegen 63 Prozent, in Spanien und Indien jeweils sogar 67 Prozent.

Mit der Wahl von Donald Trump, der viele erklärte Trans-Gegner in sein Kabinett geholt hat, dürfte sich die Auseinandersetzung um das Thema noch verschärfen. Eines der Streitpunkte ist etwa das von Barack Obama erlassene LGBTI-Diskriminierungsverbot.

Auch von der Justiz gibt es Attacken gegen die Anerkennung von Transsexualität: Erst am Samstag hatte der konservative Bundesrichter Reed O'Connor in Texas entschieden, dass Ärzte die Behandlung von Transsexualität verweigern dürfen, wenn sie dies mit ihrem religiösen Glauben begründen. Der Fall kommt nun in die nächste Instanz.

O'Connor, der 2007 vom damaligen Präsidenten George W. Bush zum Bundesrichter ernannt worden war, hatte bereits vor vier Monaten eine Obama-Anordnung zum Toiletten-Zugang von Transsexuellen an Schulen blockiert (queer.de berichtete). Er argumentierte damals wie heute, dass es religiösen Menschen nicht zugemutet werden könne, Transsexuelle zu tolerieren, da dies die Religionsfreiheit von Christen verletzen könne. (dk)



#1 Patroklos
#2 JustusAnonym
  • 02.01.2017, 14:59h
  • Sehr schlimm!

    Hier werden Kinder ausgeschlossen, nur weil sie den falschen Körper haben. Wie sollen solche Kinder sowas denn ohne Schäden für die Psyche überstehen können?!

    Das zeigt, dass auch in den USA dringend mehr Aufklärung nötig ist. Und dass man rechtliche Regelungen braucht, die sowas verhindern.

    Aber von beidem ist man unter dem neuen Präsidenten wohl meilenweit entfernt... Und ausbaden müssen es wieder mal die Schwächsten...
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#3 JadugharProfil
  • 02.01.2017, 18:27hHamburg
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Die Religionsfreiheit der Christen und Anderer, die gegen sexuelle Minderheiten vorgehen, muß extrem und sehr massiv eingeschränkt werden, solange sie andere Menschen aufgrund ihre Natur diskriminieren oder hetzen. Der Versuch einer Diskriminierung als auch einer Hetze sollte drakonisch bestraft werden. Der religiöse Glaube gehört in den Privatbereich! Missionierung sollte mit hohen Strafen belegt werden. Stellen in den religiösen Schriften, welche gegen Minderheiten gerichtet sind, gehören ausgemistet und entfernt.
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#4 saltgay_nlProfil
  • 02.01.2017, 20:34hZutphen
  • Sehr merkwürdig, wenn ein Junge schon nach kurzer Zeit bei den Pfadfindern ausgeschlossen wird. In der Regel gibt es so etwas nicht. Jeder Neuer oder Neue genießt zuerst den Status des "Neulings". Das Halstuch bekommt er erst überreicht, wenn er sein Versprechen ablegt und wird dann Pfadfinder, Wölfling oder Ranger/Rover, je nach Altersstufe.

    Dieses Versprechen wurde aber gerade von den "richtigen" Pfadfindern in dieser Gruppe durch den Ausschluss gebrochen! Die "Boyscouts of America" gehören dem Weltpfadfinderbund WOSM/WAGGS an. Nach den Regeln des Weltpfadfinderbundes darf es eben keine Diskriminierung durch Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder ähnlicher Merkmale geben.

    Nun hat jedes Land eine eigene Pfadfindergeschichte. In Deutschland ist sie sehr eng mit der "bündischen Jugend" verknüpft. In anderen Ländern wie in Frankreich überwiegt ein klerikaler, patriotischer Einschlag, in den Niederlanden eher der Hang zur praktischen Jugendarbeit, in Schweden wie in UK orientiert man sich an dem paternalistischen Scoutismus, der durch Baden-Powell geprägt wurde.

    Vom Grundprinzip darf aber nicht abgewichen werden. Doch das ist leider immer wieder der Fall. Zu groß ist die Versuchung von den herrschenden Mächten dieses Potential an jugendlichem Idealismus, Motivation und Engagement zu eigenen Zwecken zu missbrauchen.

    Dann kommt so etwas wie in dieser Meldung heraus. Eine Schande für die Pfadfinderbewegung.
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#5 Hobbit82Profil
  • 02.01.2017, 23:08hNürnberg
  • Da sieht man wieder einmal, dass Kinder in aller Regel vorurteilsfrei sind und diese Vorurteile vor allem durch die Eltern vermittelt bekommen.
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#6 LarsAnonym
  • 03.01.2017, 01:06h
  • Antwort auf #2 von Justus
  • "Im falschen Körper geboren" trifft die Problematik nicht ganz. Der Körper und die geschlechtliche Identität sind bei diesem Jungen lediglich nicht gleich. Weder an dem Körper noch an der Identität ist deshalb etwas falsch., (auch wenn, im Sinne der Eindeutigkeit eine körperliche Veränderung einmal Thema sein sollte). Im Moment stellt sich für die Pfadfinder die Frage, wie man mit Jungen umgeht, die vom äußeren Erscheinuhgsbild her nicht der Norm oder dem Klischeee "Junge" entsprechen, ohne sie zu isolieren.
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#7 Homonklin44Profil
  • 03.01.2017, 03:59hTauroa Point
  • Nur traurig. Einerseits möchte man empfehlen, dass Trtans-kindern einfach eine eigene Pfadfindergruppe möglich gemacht wird, denn der Pfadfindergedanke ist doch nicht vom Geschlecht oder der Geschlechtsidentität abhängig, sondern davon, was man als Mensch dort lernt, einbringt und aus sich, aus seiner Hilfsbereitschaft anderen gegenüber macht.

    Wie man einem Kind die Freunde an diesem Gedanken auf eine so miese Weise kaputt machen kann, verstehe ich nicht. Macht traurig und wütend.

    Wenn die Religionsfreiheit höher gewürdigt wird als faktische Begebenheiten der Wirklichkeit finde ich das zwar typisch US-like aber auch brandgefährlich. Irgendwann könnten Religiöse sagen, unser Glaube verbietet es uns, Frauen wählen zu lassen oder derGlaube stellt fest, Menschen mit den und den Merkmalen gelten nicht als gleichwertig.... im Fall LGBTIQ ist das schon so, bei Trans-Menschen nicht anders.
    Religionsfreiheit bedeutender als elementare menschliche Eigenschaften?
    I BEG YOUR PARDON!!! Quo vadis, Trump's USA?
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#8 Diego BAnonym
  • 03.01.2017, 14:41h
  • Schande über alle Menschen, die ihren Hass sogar an Kindern auslassen.

    Die verstehen das nicht und denken, es sei ihre Schuld und sie seien schlecht.
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#9 TheDadProfil
  • 03.01.2017, 15:51hHannover
  • Antwort auf #6 von Lars
  • """Im falschen Körper geboren" trifft die Problematik nicht ganz. Der Körper und die geschlechtliche Identität sind bei diesem Jungen lediglich nicht gleich.""..

    Äh ?
    UND ?

    ""Im Moment stellt sich für die Pfadfinder die Frage, wie man mit Jungen umgeht, die vom äußeren Erscheinuhgsbild her nicht der Norm oder dem Klischeee "Junge" entsprechen, ohne sie zu isolieren.""..

    Oha..
    Geschlechtsidentität basiert jetzt also auf einem "Klischee" ?

    Das Jungs einem bestimmtem Äußerem unterliegen ist ein "Klischee"..
    Das Mädchen diesem "Klischee" nicht entsprechen ein anderes "Klischee"..

    Was ist das denn nun hier ?
    "Gender-Mainstreaming" mit anderen Mitteln, oder nur die falsch verstandene Aufforderung anderen zu erklären, was man selbst nicht so genau verstanden hat ?

    Den Pfadfindern stellt sich nicht nur ""im Moment"", sondern schon seit längerem die Frage ob sie weiterhin ihre durch die Evangelikalen Ströme eingebläute "Zwei-Geschlechtlichkeit" und Heteronormativität durchsetzen wollen, oder endlich damit aufhören Menschen nach willkürlich gewählten Kriterien zu diskriminieren ?

    Diese Diskriminierung steht nämlich ihren eigenen Statuten vollständig entgegen..
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#10 ursus
  • 03.01.2017, 19:03h
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • """Im falschen Körper geboren" trifft die Problematik nicht ganz. Der Körper und die geschlechtliche Identität sind bei diesem Jungen lediglich nicht gleich.""..
    Äh ? UND ?"

    die formulierung, transsexuelle seien "im falschen körper geboren" ist in mehrfacher hinsicht problematisch.

    es wird so suggiert, es sei etwas mit den BETROFFENEN "falsch" (nämlich ihr körper), und nicht etwa mit der UMWELT, die den transsexuellen eine unzutreffende geschlechtsidentität aufdrängt.

    dazu kommt, dass jede_r selbst entscheiden muss und darf, inwieweit und in welchem genauen ausmaß er_sie den eigenen körper als persönlich stimmig, oder unstimmig erlebt und ggf. verändern möchte. nicht alle transsexuellen erleben z.b. ihre primären geschlechtsmerkmale als unstimmig und wollen sie verändern. manchmal geht es nur um den geschlechtsausdruck durch kleidung, stimme, körpersprache usw., ohne oder nur mit teilweisen körperveränderungen.

    es geht ja übrigens sowieso nie um den ganzen körper, sondern immer nur um details - schon deshalb finde ich es ziemlich komisch, vom "falschen körper" zu reden. das klingt ein bisschen so, als müsse der komplette körper durch einen neuen ersetzt werden oder als sei da ein menschlicher geist versehentlich in einem ihm völlig fremden körper gelandet, der eigentlich jemandem anders gehören sollte.

    von außen pauschal suggeriert zu bekommen, man müsse den eigenen körper als "falsch" erleben, ist deshalb eine völlig unnötige übergriffigkeit. manche transsexuelle verwenden diese formulierung zwar selbst, um ihren zustand zu erklären. ich wäre aber sehr vorsichtig damit, sie als cis-mensch allen transsexuellen überzustülpen.

    das war möglicherweise, worauf Lars hinauswollte.
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