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"Die Angst, nicht so zu sein 'wie die Anderen'"

"Wer Wir Sind": 19-Jähriger dreht Kurzfilm über Mobbing

In einem siebenminütigen Film zeigt der Österreicher Raphael Niederhauser die Auswirkungen von homophobem Mobbing.


Der Kurzfilm ist seit Montag auf Youtube zu sehen (Bild: queerblick)

Jonas wird in der Schule gemobbt. Aber er versucht, das zu ignorieren. Er redet sich ein, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Was soll denn schon passieren? Aber bald beginnt die Beziehung zu seinem Freund darunter zu leiden. Jonas muss sich entscheiden zwischen Liebe und Opferrolle. Das ist die Geschichte von "Wer Wir Sind", einem Kurzfilm des Österreichers Raphael Niederhauser. Der 19-jährige Wiener hat ihn mit Mitschülern im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Fach Medientechik produziert und auf Youtube gestellt.

Laut Niederhauser solle der Film dabei helfen, "sich in die Lage eines schwulen, lesbischen, bi- oder transsexuellen Jugendlichen zu versetzen". Das gelinge vielen in der Mehrheitsgesellschaft nicht, wodurch Homophobie aus heterosexueller Perspektive oft als unwichtiges Thema empfunden werde.

"Homophobie unter dem Gesichtspunkt der Folgen für die Opfer"

Allerdings, so der Jungregisseur, sei Homophobie ein Problem für alle: "Unabhängig davon ob man selbst von Homophobie betroffen ist oder nicht, kann durch das allgemeine Klima eine eigenartige Angst entstehen. Die Angst, nicht so zu sein 'wie die Anderen'", erklärte Niederhauser. "Es hat auch bei mir einige Zeit gedauert, bis ich mich selbst wirklich mochte. Es wäre schön, wenn diese Phase möglichst vielen Menschen erspart bleibt." Er wolle mit dem Film erreichen, dass "Homophobie unter dem Gesichtspunkt der Folgen für die Opfer" thematisiert werde.

Zum Film haben Niederhauser und seine Mitschüler Jakob Bal, Fabian Pudgar und Stefan Safradin unter nothingwrong.org auch eine Seite erstellt, die mit Fakten über das Thema Homophobie aufklärt. (pm/dk)



#1 JustusAnonym
  • 03.01.2017, 10:42h
  • Ein sehr wichtiges Thema:
    als jemand, der selbst in seiner Schulzeit regelmäßigem Mobbing und Psychoterror ausgesetzt war, weiß ich zwar, dass man später im Leben viele andere Menschen kennenlernt, die einen lieben, wie man ist und dass man im Nachhinein vieles anders einordnen kann.

    Aber einige seelische Narben bleiben. Auch wenn sie wie alle Narben im Laufe der Zeit verblassen und von außen nicht mehr so gut sichtbar sind, aber sie bleiben doch da und können auch wieder aufbrechen.

    Und seelische Narben haben auch ganz reale körperliche Folgen und damit auch Folgen für die ganze Gesellschaft und die Volkswirtschaft. Denn dass ich heute so dick bin und dadurch auch dem Gesundheitssystem viele zusätzliche Kosten verursache, ist letztlich eine Folge davon.

    Es wird höchste Zeit, endlich etwas zu ändern. Für viele mag das zu spät sein, aber wenigstens sollen kommende Generationen nicht mehr das durchmachen, was viele von uns durchmachen mussten und was bei vielen von uns bis heute zu Auswirkungen hat.
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#2 RobinAnonym
  • 03.01.2017, 11:09h
  • Homophobes und transphobes Mobbing ist leider Alltag in Deutschland. Nicht nur, aber gerade auch an Schulen.

    Schon an Grundschulen sind "Schwuchtel" und "schwule Sau" die häufigsten Schimpfwörter.

    Und aufgrund des homo- und transphoben Mobbings (und teilweise sogar Gewalt) an Schulen, ist die Selbstmordrate unter GLBTI-Jugendlichen bis zu 10x höher als bei Hetero-Jugendlichen. Dass Homohasser dann auch noch so tun, als sei das eine Folge der Homo-/Transsexualität und nicht des Mobbings ist an Zynismus und Menschenverachtung nicht mehr zu überbieten.

    Gerade Schulen sollten eigentlich ein sicherer Ort sein, wo jeder gerne hingeht, aber das sind sie eben leider nicht.

    Und dass die Politik dann allen Ernstes noch debattiert, wieviel Aufklärung es geben darf und ob GLBTI im Unterricht als gleichwertig dargestellt werden dürfen, ist ein Skandal.

    Eigentlich müssten alle Opfer von homo- und transphobem Mobbing den Staat bzw. das jeweilige Bundesland wegen Förderung des Mobbings verklagen und genauso Entschädigungen fordern, wie die Opfer des §175.
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#3 Patroklos
#4 toolboxxbloggerAnonym
  • 03.01.2017, 12:36h
  • Servus zusammen,

    zuerst einmal möchte ich sagen, daß ich es generell schöne finde, auf YouTube Filme zu finden, die sich, wie dieses Werk mit dem Thema schwules Mobbing, Coming Out, etc. beschäftigen.

    Aaaaaber...was mich wirklich ein wenig nervt ist, daß augenscheinlich bei dieser Art Film iiiiimmer wiiiieder die gleichen Stereotypen aufgerufen werden.
    Filme dieser Art laufen oft nach dem gleichen Muster ab: ein introvertierter, schmächtiger, schwuler Außenseiter bekommt eine Opferrolle auf den Leib geschrieben, während ein starker, übermächtiger, böser heterosexueller Football-Spieler den Gegenpart übernimmt. Diese ewig gleiche Rollenverteilung langweilt. Unterlegt werden diese Filme meist mit einer suizidösen Klavier-, oder Geigenmusik, oder, wie bei diesem Film, wird ein Herz-Schmerz-Song am Ende eingefügt.
    Ich kann mir nicht vorstellen, daß man schwulen Themen nicht einmal anders verpacken kann, als auf die gefühlt immer gleiche Art und Weise.

    Gerade junge schwule Männer, die noch in der Selbstfindungsphase sind, lassen sich in der heutigen Zeit von den neuen Medien beeinflussen. Ich finde es deshalb schade, das gerade schwule Filmemacher oft immer wieder das gleiche Bild eines schwulen Mannes, und eines heterosexuellen Mannes verbreiten, und sich dadurch dieses Bild in vielen Köpfen manifestiert, und es schlimmstenfalls kopiert wird.
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#5 Carsten ACAnonym
  • 03.01.2017, 13:04h
  • Ich selbst habe zwar meine Schulzeit halbwegs überlebt, aber ich weiß, dass es vielen Leuten anders geht und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

    Was aber auch ich dadurch versäumt habe, sind all die Dinge, die man sonst in der Schule mit Freunden erlebt: der erste Discobesuch, die erste Pyjama-Party, der erste Urlaub mit Freunden, die erste Kneipentour wo man erst morgens wieder nach Hause kommt, etc. etc. etc.

    Ich habe versucht, viele dieser Dinge viel später im Studium nachzuholen, aber egal wie sehr man das versucht, man kann es nicht nachholen und es ist nicht dasselbe wie in der Schulzeit. Dadurch habe ich auch lange studiert und mir ein Stück weit meine Berufs-Aussichten ruiniert, weil ich immer nach etwas suchter, was ich nicht gefunden habe.

    Ich habe da wirklich viel verpasst und finde das sehr schade.

    Ich will das gar nicht damit vergleichen, wenn andere es noch viel schlechter hatten und keinen anderen Ausweg sahen, als sich das Leben zu nehmen. Ich will nur deutlich machen, dass auch bei den Leuten, die die Schulzeit überlebt haben auch viele schlechte Erinnerungen bleiben, die belasten können und das Leben in andere Bahnen lenken, als es hätte verlaufen können, wenn es einfacher gewesen wäre.

    JEDER homo-, bi-, trans- oder intersexuelle Mensch hat viel durchmachen müssen, was Heteros nicht mussten. Der eine mehr, der andere weniger. Der eine steckt es besser weg, der andere weniger. Aber so frei und unbeschwert wie Heteros hatte es keiner von uns.

    Ich sehne eine Zeit herbei, wo das endlich ein Ende hat. Und ich verfluche alle Leute, die diese Zeit hinauszögern oder gar verhindern wollen.
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#6 Diego BAnonym
  • 03.01.2017, 14:35h
  • Antwort auf #5 von Carsten AC
  • Alleine schon die Aussage, die Schulzeit "überlebt" zu haben, sagt sehr viel über die Zustände an deutschen Schulen.

    Ich stimme Robin zu, dass Schule ein sicherer Ort sein sollte, wo man angstfrei hingehen kann, lernen kann, auch ein wenig Spaß haben kann und woran man sich später gerne zurückerinnert. Und kein Angstraum, der zum Überlebenskampf wird.

    Das ist auch eine wirtschaftliche Frage: Schüler sollten sich angstfrei um die eigentlichen Lerninhalte kümmern können. Umso mehr hat die Gesellschaft auch später von ihnen und umso mehr können sie auch zur Volkswirtschaft beitragen.

    Dass die Politik überhaupt noch diskutiert, ob man an den Zuständen etwas ändern sollte oder nicht und ob man mehr Aufklärung und Bildung an Schulen bringt oder nicht, ist der glasklare Beleg, dass es denen nicht um das Wohl der Menschen geht.
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#7 LinusAnonym
  • 03.01.2017, 15:29h
  • Hass vergiftet eine Gesellschaft.

    Deswegen muss man schon möglichst früh Vorurteile und Hass bekämpfen, ehe er sich in die Hirne frisst.

    Damit schützt man nicht nur die nicht-heterosexuellen Schüler, sondern es nützt auch den Heteros, wenn sie nicht voller Hass durchs Leben gehen.

    Die ganze Gesellschaft sollte ein Interesse an einem friedlichen Miteiander haben, wo jeder geschätzt und geachtet wird und wo niemand Angst vor Ausgrenzung, Mobbing oder Gewalt haben muss.
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#8 TheDad
  • 03.01.2017, 15:33h
  • Antwort auf #4 von toolboxxblogger
  • ""Filme dieser Art laufen oft nach dem gleichen Muster ab:""..

    Könnte daran liegen das Mobbing immer nach dem gleichem Muster abläuft..

    ""Ich kann mir nicht vorstellen, daß man schwulen Themen nicht einmal anders verpacken kann, als auf die gefühlt immer gleiche Art und Weise.""..

    Kann man bestimmt..
    Bloß ist Mobbing gar kein explizit Schwules Thema..

    ""Ich finde es deshalb schade, das gerade schwule Filmemacher""..

    Wo im Artikel geht es eigentlich um einen "schwulen Filmemacher" ?
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#9 Diego BAnonym
  • 03.01.2017, 15:45h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Ja, es ist nun mal in der Mehrheit der Fälle so, dass nicht der schmächtige, schüchterne Außenseiter den muskelbepackten Kleiderschrank schikaniert, sondern andersrum.

    Im übrigen finde ich beide Rollen gar nicht so klischeemäßig. Denselben Film hätte man auch mit genau umgekehrter Besetzung drehen können und es wäre auch glaubwürdig gewesen.
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#10 toolboxxbloggerAnonym
  • 03.01.2017, 18:08h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Servus TheDad,

    Danke für Deine Kritik. Dazu:
    Ich bin kein Psychologe. Dennoch denke ich, das Mobbing sicherlich nicht immer nach dem gleichen Schema abläuft. Schon alleine die Gründe, warum jemand eine andere Person mobbt, können sehr unterschiedlich sein (Unzufriedenheit mit der eigenen Person, Gruppenzwang, etc.). Auch die Art, wie Mobbing abläuft, und auch, wie der Gemobbte drauf reagiert, ist vermutlich sehr individuell. Oder, um es mal anders auszudrücken: Es könnte ja auch vorkommen, das der Gemobbte dem anderen einfach mal ein Paar auf die Fresse haut, und der Mobber daraufhin den Rückzug antritt. So etwas habe ich aber bisher auf Youtube noch nicht finden können.
    Das Mobbing nicht nur bei schwulen Männer vorkommt, ist mir schon auch klar, aber im Bericht/Film ging es ja um einen schwulen Jungen, oder?
    Ruft man diesen Film über Youtube auf, werden einem auch andere Filme angeboten, die dieses Thema behandeln, und von denen ich mir ebenfalls ein paar angesehen habe. Dabei sind mir die von mir genannten Dinge aufgefallen, die ich dann hier kund getan habe.
    Die sexuelle Orientierung von den Jungs, die diesen Film produziert haben, ist mir nicht bekannt, und sie interessiert mich auch nicht. Allerdings gehe ich davon aus, das die meisten schwulen Filme von schwulen Männer produziert werden. Dabei kann ich natürlich auch total falsch liegen. Der Begriff "Machern von schwulen Filmen" wäre hier vermutlich besser gewesen. Da gebe ich Dir recht.
    Schönen Abend,
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