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Diskriminierung im Arbeitsrecht

China: Transsexueller gewinnt Gerichtsverfahren

Zum wohl ersten Mal ist eine Klage wegen Job-Diskriminierung von LGBTI in der Volksrepublik erfolgreich.


In der Millionenstadt Guiyang hat sich ein Gericht an die Seite eines transsexuellen Klägers gestellt (Bild: tak.wing / flickr)

  • 3. Januar 2017, 15:29h
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    Guiyang

Ein transsexueller Mann hat im Südosten Chinas in einem bislang landesweit einzigartigen Prozess geklagt, weil sein Arbeitgeber ihn ungerechtfertigterweise entlassen habe – und das Verfahren gewonnen. Wie internationale Medien berichten, fiel das Urteil bereits am 30. Dezember.

Nach Ansicht des Bezirksgerichts in Guiyang, der Hauptstadt der Provinz Guizhou, sei der 28-jährige Kläger, der nur als Chen bekannt ist, diskriminiert worden, als er im April 2015 von einer Klinik nach nur einer Woche gefeuert worden sei. Ihm wurden insgesamt 2.350 Yuan (325 Euro) an entgangenen Einnahmen und Entschädigung zugesprochen – das entspricht in etwa einem Monatsgehalt in China.

Gegenüber Medien erklärte Chen, es sei ihm nie um das Geld gegangen, sondern darum, auf Diskriminierung von Transsexuellen und anderen LGBTI aufmerksam zu machen. "Das ist das erste Mal, dass in China ein Vertreter einer sexuellen Minderheit einen Fall gewinnt", so Chen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Chen kündigte weitere juristische Schritte an. So wolle er erreichen, dass sich die Klinik persönlich bei ihm entschuldige.

Gericht: Transphobie des Arbeitgebers nicht bewiesen

Im Prozess gab es für den Kläger vor allem einen Wermutstropfen: Das Gericht sah zwar Diskriminierung als erwiesen an, erklärte aber auch, es gebe keine Beweise dafür, dass die Entlassung aufgrund von Abneigung gegenüber Transsexuellen erfolgt sei.

Chen hatte in einem Interview im April 2016 erklärt, sein Vorgesetzter habe seine Entlassung damit begründet, dass er sich wie ein schwuler Mann kleide und zu "ungesund" aussehe, um in einer Klinik zu arbeiten. Huang Cha, der Anwalt des Klägers, kritisierte angesichts der recht geringen Entschädigung gegenüber der "New York Times", wie billig es für Firmen sei, die Gesetze zum Arbeitnehmerschutz zu brechen. Daher gebe es in China derzeit viel Diskriminierung im Arbeitsrecht.

In der Volksrepublik China beklagen Aktivisten eine weit verbreitete Diskriminierung von LGBTI. Bis 1997 hatte das autoritär regierte Land Homosexualität noch unter Strafe gestellt. In den letzten Jahren gibt es immer mehr Klagen gegen Diskriminierung – allerdings verlaufen diese meist im Sande. Im April letzten Jahres lehnte etwa ein Gericht in Changsha die Klage eines schwulen Paares gegen das Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare ab (queer.de berichtete). (dk)