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Für ein perfektes Dating-Profil braucht es eigentlich nur zwei Dinge: einen guten Text und ein nettes Foto. Profi-Tipps von queer.de.

Von Christian Scheuß

Der richtige Text

Mal ehrlich: Würdest du jemandem, in dessen Profil steht: "Ich weiß gar nicht, was ich hier hinschreiben soll" sofort kontaktieren, um ihm zu seinem Einfallsreichtum und Wortwitz zu gratulieren? Eben! Der Satz, den man in die Überschrift oder in die persönliche Beschreibung aufnimmt, kann noch so einfach sein – Hauptsache es steht etwas anderes dort als: "Mir fällt nix ein."

Du brauchst kein Schiller oder Goethe zu sein, um ein bisschen was über dich zu erzählen. Sei auch nicht krampfhaft witzig, picke lieber eine besondere Eigenschaft von dir heraus und sag dazu einen Satz. Und wenn in der Headline dann plötzlich so etwas Banales wie "Am liebsten esse ich Bratkartoffeln" steht, ist das doch schon wunderbar. Denn diese Überschrift macht erst mal neugierig. Mach den Test: Wer würde in eine Kneipe gehen und den netten Fremden an der Theke mit so einem Satz ansprechen? Niemand? Okay, dann ist deine Überschrift originell genug.

Was auch immer gut funktioniert: Direkt sagen, was man möchte. "Ich will nen Quickie, JETZT!" ist zielgruppengenaue Ansprache, die funktioniert. Probier es aus!
Generell gilt für die eigene Beschreibung: Nicht zu lang, nicht zu kurz, nicht zu zickig! Mitunter gibt es richtige Schreib-Junkies, die ihr Profil mit Text füllen, dass es aus allen Nähten platzt. Doch die wenigsten User haben Lust, eine halbe Stunde Zeit für ein Profil aufzuwenden und sich dabei den Finger wund zu scrollen. Das Internet ist ein schnelles Medium, in der Regel wird dir nur ein paar Sekunden Aufmerksamkeit zuteil, dann ist der Besucher schon wieder weiter. No-Go’s sind deshalb Rilke-Gedichte, Shakespeare-Sonette, die gesammelten Lyrics von Jimmy Somerville oder Romanfragmente. Zu kurz kommt ebenfalls nicht gut. "Ich suche dies und das", ist so unbestimmt, dass deinem Profilbesucher unwillkürlich ein Gähnen entfahren wird.

Gezickt wird in der Community ganz gern, das zeigt sich leider öfter mal auch in den Profilen. Wer mit Publikumsbeschimpfung einsteigt und dem Leser vermittelt, dass er doof ist, wenn er das liest, wird wohl nur Resonanz von denen bekommen, die ähnlich schlecht drauf sind!

Sage nicht, was du alles nicht willst und wen du nicht willkommen heißt, wende es stattdessen ins Positive. Vermeide unfreundliche Ausgrenzungen wie zum Beispiel: "Leute über 30 brauchen mir gar nicht erst zu schreiben. Ich habe schon einen Opa." Mit einer neutralen Eingrenzung klingt es einfach netter: "Suche User bis 30."

Sätze, die ebenfalls tabu sind:
– "Schreib mir, ich beiße nicht!" Es gibt mehrere Tausend andere Profile, in denen versichert wird, dass keine Beißwut herrscht. Noch unorigineller: "Ich beiße nicht (außer, du willst es so, hihihi)"
– "Überrasche mich!": Womit? Mit einem Eimer kaltem Wasser oder lieber mit einem Strauß Blumen? Mit einer wüsten Beschimpfung zur Begrüßung? Nur wer dich kennt, weiß, wie er dich überraschen könnte, für alle anderen ist das eine hohe Hürde. Vor allem, wenn der andere einfach nur mal Hallo sagen will.
– "Keine Tunten": Kaum jemand definiert sich selbst als Tunte und wird deshalb den Kontakt mit dir meiden. Dasselbe gilt für "Spinner", die sich nicht melden sollen. Diese Abgrenzungen machen wenig Sinn.

Das richtige Bild

Niemand wird sich als Ware begreifen wollen, dennoch läuft es bei den Dating-Portalen nicht anders als bei ebay: Wer sein Angebot im besten Licht präsentiert, erzielt höhere Gewinne. Gute Fotos sind also das A und O; sie sind noch wichtiger als der Text. Schwule funktionieren da wie jeder geübte Zeitungsleser: Über eine spannende Headline und ein geiles Aufmacherfoto gelangt man in die Geschichte, ansonsten wird weiter geblättert. Wobei mit "geil" nicht unbedingt Aktfotografie gemeint ist. Das Foto sollte einfach professionell aufgenommen und interessant sein und dich von deiner Schokoladenseite zeigen.

Der Frage, was denn ein interessantes Bild ist, kann man sich nähern, indem man ausschließt, was denn nicht gut funktioniert: Doof sind abgeschnittene Köpfe, einzelne Körperteile in Großaufnahme und Unterhosen. Dass mancher mit seiner Suche nach Sex anonym bleiben möchte, ist verständlich, da ja theoretisch selbst Mutti im Internet auf Sohnemanns Dödel stoßen könnte. Aber dennoch sind reine Extremitäten-Shows weit weniger sexy, als man glaubt. Unglaubwürdig wirkt, wer eine Beziehung sucht, aber ausschließlich sein Sixpack zeigt.

Urlaubsbilder sind okay, solange du darauf nicht mit Sonnenbrille und Basecap getarnt hundert Meter weit entfernt von der Kamera als kleiner unscharfer Fleck vor den Pyramiden zu erkennen bist. Wer auf jedem Bild eine Bierpulle in der Hand hat, weil er nur Partybilder von sich hat, wird schnell als Alkoholiker abgestempelt. Seit Wilhelm van Gloeden sind auch verrenkte Posen nicht mehr sehr attraktiv, und der hat seine Jünglinge bereits Ende des 19. Jahrhunderts abgelichtet. Also mime nicht den sterbenden Schwan, sondern sei einfach du selbst.

Am besten schnappst du dir mal einen guten Freund, drückst ihm die Kamera in die Hand und ihr zieht an einem hellen Tag los für eine kleine Fotosession. Rücke dein Gesicht in den Mittelpunkt und schau nicht so ernst. Oder sprich einfach mal einen der Fotografen an, die sich in den Portalen tummeln und sich für solche Fälle anbieten. Profis wie zum Beispiel "Feelgood" bei gayromeo schaffen es tatsächlich, deine Persönlichkeit mit auf die Bilder zu bekommen.

Wenn du eine Digitalkamera nutzt, ist es sehr einfach, die Fotos auf den Rechner zu bekommen und anschließend ins Profil zu laden. Hast du nur Papierabzüge, benötigst du einen Scanner. Immer wieder trifft man noch auf unschöne Bilder in Profilen, die um neunzig Grad verdreht sind. Oder es ist ganz viel weiße Fläche um ein kleines Foto herum zu sehen. Schau einfach mal in die Bedienungsanleitung des Scanners. Man kann bei jedem Gerät Scan-Ausschnitte auswählen, damit nur das Bild und nicht die gesamte Scan-Oberfläche abgelichtet wird. Und jedes Bildbearbeitungsprogramm bietet die Möglichkeit, Bilder um ihre eigene Achse zu drehen. Probier einfach ein wenig herum oder frag Freunde, die sich damit auskennen.

Dieser Text ist ein kleiner Auszug aus dem neuen Buch Gay Online Dating - Das ultimative Handbuch fürs schwule Chatten, Verabreden und Bloggen (Bruno Gmünder Verlag, 208 Seiten, Broschur, 12,95 Euro).

11. Mai 2005



#1 HugoAnonym
  • 10.05.2005, 23:22h
  • Das optimale Onilne-Profil besteht aus einem gut geklauten amerikanischen Pornoboypic und einem literarischen Text, der da lautet: "Bock auf Fi****? Suche nur bis 26.". Da scheinbar alle Schwulen einem völlig verirrten Schönheitsideal hinterher hecheln, sind solche Ratschläge zwar gut gemeint, aber völlig nutzlos.
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#2 martinAnonym
  • 11.05.2005, 16:35h
  • frustriert? in münchen hat man jedenfalls auch über 30 noch gute chancen auf seine kosten zu kommen. man sollte sich nur nicht die illusion machen, auf so nem online ding recht viel mehr als sex zu finden. das kann zwar passieren, ist aber meiner erfahrung nach eher die ausnahme.
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#3 MatthiasAnonym
  • 11.05.2005, 21:43h
  • WoW...da hat tatsächlich jemand geschnallt das "ich beisse nicht" so ziemlich das unkreativste ist, was es gibt.
    Ich bin mal ne zeitlang mit "ich beisse" rumgelaufen...einfach um mich von der Masse abzuheben :-)
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#4 JanAnonym
  • 12.05.2005, 12:26h
  • Es mag wohl stimmen das die Online-Portale vornehmlich für Sex benutzt werden, wie Martin meint, aber man darf nicht vergessen, daß es gibt auch Ausnahmen. Meinen Freund habe ich über das Internet kennengelernt, und wir sind jetzt seit über einem Jahr zusammen.
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#5 BohemianAnonym
  • 12.05.2005, 15:26h
  • He, Leute is doch klar das es in den Siten nicht anders ausschaut als in den Lokalen. Nur is das Internet halt ein freies Medium und man findet wirklich immer noch mehr.
    Ich hab meinen Freund auch übers Internet kennen gelernt und ich war sogar der erste Schwule den er je getroffen hat.. jetzt sind wir glücklich zam.
    Die Frage ist immer was man sucht und wie geschickt man sich anstellt....
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