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Kuss mit Rassisten

Video im Berliner Homo-Mahnmal ausgetauscht

Nach Protesten über einen rechten Darsteller läuft im Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen nun wieder der quotierte Kussfilm, der bereits von 2012 bis 2014 zu sehen war.


Nicht mehr im Homo-Denkmal zu sehen: Bei dem vor rund zehn Jahren als Schauspieler gecasteten Mann links handelt es sich um den schwulen Designer Jim Lyngvild, der in Dänemark mittlerweile mit rassistischen Parolen von sich reden macht

Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die auch für das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zuständig ist, hat am Dienstagnachmittag das Video ausgetauscht, das dort in einer Endlosschleife läuft. Sowohl das Künstlerduo Elmgreen und Dragset als auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hatten sich für den Wechsel stark gemacht.

In dem bisherigen Clip waren zwei Männer zu sehen, die sich küssten. Am Montag war durch den Hinweis eines Touristen bekanntgeworden, dass es sich bei dem linken Mann um den dänischen Rechtspopulisten Jim Lyngvild handelt, der sich mehrfach rassistisch und homophob geäußert haben soll (queer.de berichtete).


Betonklotz im Berliner Tiergarten: Das Homo-Denkmal wurde am 27. Mai 2008 eingeweiht (Bild: Paul David Doherty / wikipedia)

Im Denkmal läuft nun wieder ein Film der Künstler Gerald Backhaus, Bernd Fischer und Ibrahim Gülnar, der dort bereits von 2012 bis 2014 zu sehen war. Er zeigt sowohl küssende Männer- als auch Frauenpaare. Die damals von Feministinnen durchgesetzte Quotierung war sehr umstritten. So hatten schwule Aktivisten, aber auch die Leiter der KZ-Gedenkstätten, vor einer "Verfälschung der Geschichte" gewarnt (queer.de berichtete).

Das ursprüngliche Konzept von Elmgreen und Dragset hatte vorgesehen, dass das Video alle zwei Jahre gewechselt wird. Diese Forderung wiederholten die Künstler nun gegenüber dem Stadtmagazin "Siegessäule". "Die Vorschläge für den zukünftigen Film sollten von einer unabhängigen Kommission kuratiert, ausgewählt und durch eine ausreichende Finanzierung gestützt sein, um eine hohe Qualität des filmischen Werks zu gewährleisten", erklärten Elmgreen und Dragset in einem E-Mail-Interview. "Auf diese Art und Weise kann das Denkmal lebendig gehalten werden und seine Relevanz auf eine dynamische Art und Weise erneuern."

Am 27. Januar laden der LSVD und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas anlässlich des 72. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zu einer Gedenkfeier am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ein. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr. (cw)

Video / MP4 | Das nun wieder in Dauerschleife eingesetzte Video von Backhaus, Fischer und Gülnar. Quelle: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas



#1 Patroklos
#2 Julian SAnonym
  • 11.01.2017, 10:09h
  • Das ändert aber nichts daran, dass das Mahnmal (unabhängig davon, welches Video da gerade zu sehen ist) offene Homosexualität verschämt in einem Guckkasten verbirgt.

    Damit trägt die Gestaltung dazu bei, die Unsichtbarmachung von Homosexuellen zu manifestieren. Nach dem Motto "Mir ist egal, was die im stillen Kämmerlein machen, aber nicht in der Öffentlichkeit." Bloß niemanden ungefragt damit belästigen...
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#3 Julian SAnonym
  • 11.01.2017, 10:19h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • PS:
    Die Unsichtbarmachung von Homosexuellen, die auch in den Medien Alltag ist, wird in diesem Mahnmal fortgeführt.

    Wie sollen wir uns z.B. ernsthaft beschweren können, dass im Fernsehen Filme mit einem gleichgeschlechtlichen Kuss (wenn überhaupt) nur im Nachtprogramm gezeigt werden, wenn wir selber auch das Fernhalten homosexueller Küsse aus der Öffentlichkeit rechtfertigen?!

    Wer es toleriert, dass ausgerechnet ein Mahnmal zur Inhaftierung, Zwangsarbeit, Folterung und Ermordung Homosexueller, seine zentrale Botschaft versteckt, darf dann auch nichts sagen, wenn die Medien LGBTI-Inhalte auch verstecken.
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#4 FinnAnonym
  • 11.01.2017, 10:58h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Genau das war ja von Anfang an die Kritik am Mahnmal und das sich auch für mich nicht geändert.

    Als ich das einem Kumpel von mir aus Holland gezeigt habe, hat der mich gefragt, warum man ein Mahnmal wie eine Peepshow macht... Ich musste zwar im ersten Moment lachen, aber eigentlich fasst es das ganz gut.

    Gerade ein Mahnmal soll doch aufrütteln und mahnen. Sichtbar statt versteckt, für jeden Passanten unübersehbar statt kaschiert und nur für die Leute, die sich aktiv damit beschäftigen.

    Wieviele gehen da vorbei, ohne da jemals reinzugucken. Selbst viele Berliner, die da vorbeigehen, können auf Nachfrage nicht erklären, wofür dieser Betonklotz steht. Und dann hat ein Mahnmal offenbar seinen Sinn verfehlt.
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#5 NiedergemeiertAnonym
  • 11.01.2017, 12:00h
  • Schwule Rassisten, nicht schön zu wissen, dass es die gibt, es zu zeigen, ist doch aber durchaus repräsentativ.
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#6 SebiAnonym
  • 11.01.2017, 12:02h
  • Ein Mahnmal, das wirklich offen zeigen würde, worum es geht und was Sache ist, hätte eine große, nicht übersehbare Skulptur, wo z.B. zwei Männer in KZ-Uniform und mit rosa Winkel sich küssen oder Händchen halten.

    Oder von mir aus auch irgendwas anderes geeignetes. Aber doch keinen schwulen Kuss, den man verstecken muss, damit ihn nur ja niemand zu Gesicht bekommt, der ihn nicht explizit sehen will.
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#7 StereotypesAnonym
  • 11.01.2017, 12:40h
  • Auch die grotesk unterschiedliche Darstellung von Frauen/Männern ist mehr als fragwürdig. Junge Frauen, die viel Haut zeigen und partymäßig gestylt und gleich an den Anfang gesetzt sind, stehen überwiegend deutlich älteren Männern mit Bärten, die keinerlei Haut zeigen, gegenüber. Hier werden heterosexistische Grundmuster reproduziert und gerade männliche Jugendliche sehen nichts (bzw. sollen nichts sehen, wie auch bei nahezu allen anderen - ohnehin extrem raren - massenmedialen Darstellungen von Schwulen), womit sie sich identifizieren könnten.
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#8 stromboliProfil
  • 11.01.2017, 13:41hberlin
  • Antwort auf #7 von Stereotypes
  • es gibt eine menge an dem "homomahnmal" auszusetzen.. aber wo war diese kritik, als das mahnmal geplant wurde.
    Und das es in heterosexistischen grundmustern endet, darf angesichts der emanzipatorischen entwicklungen niemanden überraschen.

    Ich erinner mich: am anfang war der ansatz, dem gegenüberliegenden holocaust-denkmal der juden ein entsprechendes pendant hinzuzufügen!
    Entsprechend die materialauswahl und der würfel.

    Aber schon die idee der installation eines auf heutiges bezogenes sichtbarmachen der homosexualität sprengt/e den rahmen des angedachten.
    Hier hätte dann ein mahnmal her gemusst, dass die verfolgung der männlichen homosexuellen durch die zeit ( und hier explizit die der christlichen_abendländischen) herausarbeitet.
    Nicht eine beschränkung auf die gräuel des faschismus.

    So hätte eine diskussion auch darüber geführt werden können , die weibliche unterdrückung im rahmen der männlichen schwulenverfolgung gewürdigt hätte.
    Eine reduzierung auf die verfolgung im faschismus aber hätte das ausmaß der jeweiligen verfolgung einer wissenschaftlichen untersuchung obliegen müssen, ihr nicht den inhaltlichen rahmen zugestehen dürfen, den unsere lesbischen mitschwestern dann erfolgreich einklagten.

    Hier in anlegung an den holocaust, die verfolgung , internierung und ermordung , hat/te der lesbische anspruch nicht zu suchen!
    Das ist geschichtsvereinnahmung.

    Macht angreifbar gerade da, wo schoa-leugner jedwegliche zweifel nutzen, um ihren schmutzigen kanon loszuwerden

    Eine zeitübergreifende würdigung und erinnerung an unterdrückung hätte also für alle beteiligten über den faschismus hinausgehen müssen.
    Womöglich alternativ, ein die lesbische unterdrückung würdigendes mahnmal zur folge!

    Aber es geht weiter in richtung der hier von dir und anderen angesprochenen darbietung des homosexuellen in der öffentlichekeit.

    Auch hier schon damals ein sichtlicher rückschritt und vorauseilendes einknicken vor heteronormativen gefühlsaufwallungen.
    thierse-spd in parteienübergreifender koalition mit kauder , lammert... war ein gegner eines weitergehenden entwurfes ..
    Zuviel sichtbare homosexualität, sprich erotik&sex im öffentlichen gegenüber der jüdischen anlage, ist/war nicht erwünscht gegenüber der jüdischen anlage .

    Die sichthöhe für den guckkasten wurde "kindergerecht" eingerichtet , auch wenn behindete nun hilfe von begleitspersonen -Passanten brauchen, um da sich zu "informieren.
    Vorgesehen war ein hohes allseits einsehbares fenster/triptichon mit videoinstallationen...
    So weit meine erinnerung.

    Ich hab damals das mahnmal hier auf queer.de eine homo-peepschow genannt..
    Heimlich gucken für spanner und gleichgesinnte.
    Folgend dann die unsägliche diskussion um den lesbischen anteil am mahnmal und der notwendigkeit eines quotenbeschlusses für die nachfolge-installation...

    Als gedenkort, als ort der besinnung und erinnerung, ist mir der klotz unheimlich fremdgeblieben..
    Als politischer klotz ein dauerhaftes ärgernis.

    Ein trauriges ergebnis für unsere unfähigkeit , eigenständig über unsere belange zu bestimmen und nicht staat und förderungswilligen in den arsch zu kriechen.
    Wir sehn, was dabei heraus kommt!
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#9 FredinbkkProfil
  • 11.01.2017, 15:05hBangkok
  • Dieses Mahnmal ist und bleibt ein verfehlter,haesslicher Klotz .....

    ...nochmehr daneben geht nicht...
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#10 JasperAnonym
  • 11.01.2017, 15:09h
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • "es gibt eine menge an dem "homomahnmal" auszusetzen.. aber wo war diese kritik, als das mahnmal geplant wurde."

    Die mannigfache Kritik unterschiedlicher Art gab es auch damals schon.

    Aber sie wurde schlichtweg ignoriert.

    Sowohl bei der Planung und Errichtung des "Mahnmals", als auch beim Einsetzen des neuen Films, der von Historikern und Zeitzeugen scharf kritisiert wurde. Auch hier auf queer.de gab es damals heiße Diskussionen.
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