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Posse bei Tageszeitung "Die Welt"

Deutschland soll doch nicht "schwuler" werden

Nach einem Shitstorm von Rechts änderte "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt seinen eigenen Kommentar zu Donald Trump.


Ulf Poschardt ist erst seit September 2016 Chefredakteur der "Welt"-Gruppe. Zuvor war er seit 2010 stellvertretender Chefredakteur (Bild: Die Welt)

Ganz neue Töne in der eher konservativen Tageszeitung "Die Welt": Deutschland müsse sich "wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden" – dies forderte Chefredakteur Ulf Poschardt als Reaktion auf das "Bild"-Interview mit Donald Trump. Der künftige US-Präsident hatte darin die Nato u.a. als "obsolet" bezeichnet, gegen die EU gelästert und Angela Merkels Flüchtlingspolitik einen "katastrophalen Fehler" genannt.

Obwohl das Social-Media-Team der Tageszeitung aus dem Axel-Springer-Verlag am Montagabend eine Grafik mit dem Zitat auf Facebook postete, verschwand die Forderung nach einem "schwuleren" Deutschland nach kurzer Zeit aus dem Onlineartikel. Das Wort wurde heimlich ersetzt durch "kreativer". Auch auf Facebook fehlt ein Hinweis der Redaktion auf die nachträgliche Änderung auf der Website.


Mit diesem Facebook-Post löste "Die Welt" einen rechten Shitstorm aus

Zuvor hatte Poschardts Plädoyer für eine liberale und offene Gesellschaft für einen heftigen Shitstorm gesorgt. "Noch multikultureller und schwuler geht es ja kaum", ätzten User auf Facebook und posteten neben durchaus vernünftigen Fragen ("Wie können wir Frauen schwuler werden?") vor allem jede Menge homophobe Kommentare ("Schwule sind Abfallprodukte der Natur", "Ich werde garantiert kein Nougatstecher") sowie Beschimpfungen des Autors ("Fahr zur Hölle Schreiberling", "schwule Lügenpresse").

Gegen den Kommentar von Ulf Poschardt, der erst seit September letzten Jahres Chefredakteur der "Welt"-Gruppe ist, wurde vor allem von Rechtsaußen Stimmung gemacht. "Ist der Po..Po…Poschardt von Sinnen?", fragte etwa die ehemalige Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling auf ihrer Website und rief zum Boykott der Tageszeitung auf.

Nun mag die Formulierung, Deutschland müsse "schwuler" werden, vielleicht nicht die glücklichste sein, doch durch das Einknicken vor dem rechten Mob hat Poschardt seinen eigenen Kommentar zum Umgang mit Rechtspopulismus ad absurdum geführt. Dass er dabei "schwuler" nicht einmal durch "toleranter" oder "vielfältiger" ersetzte, sondern ausgerechnet durch "kreativer", ist ein doppelt peinlicher Griff in die Klischeekiste. (mize)



#1 RobinAnonym
  • 17.01.2017, 09:33h
  • Schlimm, wenn Menschen ihre eigene Meinung unterdrücken, nur um anderen zu gefallen.

    Aber wenn das sogar Journnalisten tun, ist es nicht nur schlimm, sondern gefährlich.

    Wenn Journalisten vor einem rechten Mob nachgeben, der zwar nur eine kleine Minderheit repräsentiert, aber sehr laut ist, dann zeugt das von einem bedenkenswerten Zustand unserer Demokratie.
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#2 Julian SAnonym
  • 17.01.2017, 10:02h
  • Wie kann man nur so wenig Rückgrat und so wenig journalistisches Berufs-Ethos haben?

    Wenn die traditionellen Medien sich so sehr ihre Linie von einer schrillen Minderheit ewiggestriger Fanatiker diktieren lassen und ihre Unabhängigkeit so bereitwillig aufgeben, dürfen sie sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen das Vertrauen in den klassischen Journalismus verlieren und sich lieber auf wirklich unabhängigen Medien im Internet informieren.

    Mit solchen "Journalisten" schafft sich der klassische Journalismus selbst ab.
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#3 JustusAnonym
  • 17.01.2017, 10:41h
  • "Schwule sind Abfallprodukte der Natur"

    Wieso wird bei solchen Kommentaren nicht die Staatsanwaltschaft aktiv. Zumindest den Anfangsverdacht der Volksverhetzung muss man doch bei sowas prüfen.

    Die Politik redet derzeit viel von Hass-Kommentaren im Internet, aber für Hass gegen Schwule scheint das nicht zu gelten.

    Und während alle Welt Hass und Hetze im Internet (zumindest angeblich) bekämpfen will, gibt "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt dem braunen Pöbel sogar noch die Bestätigung, die sie suchen.
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#4 FinnAnonym
  • 17.01.2017, 10:59h
  • Soweit sind wir also schon in Deutschland, dass ein paar Faschisten diktieren, was man sagen darf und was nicht...

    Aber dazu gehören natürlich auch immer zwei. Nämlich auch derjenige, der sich darauf einlässt und sich das diktieren lässt.
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#5 Paulus45Anonym
  • 17.01.2017, 11:08h
  • Entgegen der linken Queerredaktion bewerte ich diesen Vorfall anders.

    Der ursprüngliche Text zeigt wie LGBT-freundlich selbst ein Chefredakteur bei der konservativen Zeitung "Die Welt" ist, wenn er einen solchen Text schreibt. Und neben der BILD ist die "Die Welt" das Flagschiff des Springerverlages. Das dort ein solcher Text überhaupt von einem Chefredakteur gedanklich verfasst werden kann, zeigt, wie LGBT-freundlich die Zeitung "Die Welt" mittlerweile ist.

    Nebenbeibemerkt es ist auch sehr erfreulich, dass der Welt-Chefredakteur klare und deutliche Kante in diesem Artikel gegen Donald Trump zeigt.

    Auch seine Schulssfolgerungen wie diesem nationalistischen Verhalten von Trump entgegenzutreten ist, begrüße ich sehr.

    Der Artikel von UUlf Poschardt ist sehr sehr zu loben, denn er attackiert Trump und ruft dazu auf, sich von Trumps Verhalten nicht einschüchtern zu lassen.
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#6 Patroklos
  • 17.01.2017, 11:16h
  • Herr Poschardt, Sie sollten sich schämen! Warum knicken Sie vor dem braunen Abschaum ein und ändern Ihren Kommentar?

    Und da wir gerade bei der braunen Soße sind: in Karlsruhe hat das Bundesverfassungsgericht ein Verbot der rechtsradikalen NPD abgeschmettert:

    www.tagesschau.de/inland/npd-urteil-101.html

    Dieses Mal kam der Verbotsantrag vom Bundesrat und das Urteil ist ein schwarzer Tag für unser Land!
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#7 Rechts-StaatAnonym
#8 BlindAnonym
#9 OlliAnonym
  • 17.01.2017, 15:58h
  • Ich weiß auch nicht, ob die Welt "schwuler" werden muss. Das ist nur ein Teil der Persönlichkeit eines Menschen. Die AfD muss schließlich auch nicht noch schwuler werden. Die Schwulen in der AfD richten schon genug Böses an. Da braucht es nicht mal eine Hete für...

    Was sich aber zeigt ist, dass wir noch keineswegs auf dem Level "Normalität" angekommen sind. Die etablierten konservativen Parteien bekämpfen uns nach wie vor und halten uns immer noch elementare Rechte vor. Und der links/liberale Rest? Der hat nur ne große Fresse, wenn er in der Opposition ist. Da kann man immer fordern, kritisieren und nach mehr Rechten und mehr Liebe für uns Homosexuelle schreien. Ich messe ne Partei erst dann, wenn sie an der Macht ist und liefert. In diesem Sinne ist eigentlich keine Partei mehr da, der ich voll Vertrauen meine Stimme geben kann. Zumal diese Parteien auch den Mund nicht aufmachen und den Chefredakteur einfach mal kritisch fragen, was er sich denn dabei gedacht hat und wenn er den Mund schon so voll genommen hat angesichts dessen, was sich da ab Freitag über die intelligente Welt ergießen wir, warum er dann nicht mal bei seinem überspitzten Statement bleibt und sich dem Shitstorm entgegenstellt.

    Nein liebe Freunde. Für uns gehts ab Freitag, wenn dieses hässliche durch und durch heterosexuelle weiße toupierte Ding an der Macht ist, abwärts. Man passt sich lieber den Deppen und Hetzern an, als dass man sich ihnen mal konsequent und argumentativ entgegenstellt. Das könnte ja Wählerstimmen aus dem Deppenlager kosten und die sind offensichtlich zahlenmäßig stärker und wichtiger als wir.
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#10 BlondblueAnonym
  • 17.01.2017, 16:31h
  • ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, unsere "Demokratie" und unsere "westlichen Werte" sorgen gerade durch ihre scheinheilige Toleranz dafür, dass ssie sich selbst abschaffen, wobei scheinheilige Toleranz im vorliegenden Fall eher mit Feigeheit zu tun hat. Die Shitstormer würde ich anzeigen. Aber machen wir uns nichts vor, "die Welt" ist ja Springer, oder täusche ich mich?
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