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Medienposse

So genial reagiert das Jugendnetzwerk Lambda auf "Die Welt"

Weiter Kritik an "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt, der seine Forderung, die Deutschen sollten "schwuler" werden, nach einem rechten Shitstorm zurückzog.


Ulf Poschardts geänderter Trump-Kommentar "Soll er doch. Er kann uns mal!" erschien am Dienstag auch auf der Titelseite der gedruckten "Welt"

Zu Update springen: Poschardt ändert Text erneut

Dass Kommentare eines Chefredakteurs, die schon einmal online waren, nachträglich wesentlich und ohne Begründung geändert werden, kommt nicht so häufig vor. So beschäftigte das Verhalten von "Welt"-Redaktionsleiter Ulf Poschardt nach dem queer.de-Bericht "Deutschland soll doch nicht 'schwuler' werden" am Dienstag viele User in den sozialen Netzwerken sowie einige weitere Kollegen in den Medien.

In seinem ursprünglichen Kommentar zum künftigen US-Präsidenten Donald Trump hatte Poschardt gefordert, die Deutschen müssten sich "wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden". In einer eigenen Grafik verbreitete die "Welt" das Zitat auf Facebook, doch nach einem Shitstorm von Rechts – u.a. befeuert durch einen Facebook-Eintrag der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch – änderte der Chefredakteur das Wort "schwuler" auf der Webseite in "kreativer". So wurde der Text dann auch in der Dienstagsausgabe gedruckt. Zwischenzeitlich wurde zahreiche homophobe User-Kommentare auf der Facebookseite der Springer-Tageszeitung gelöscht.

Lambda-Chef: "Die Welt" muss mutiger und toleranter werden

Christoph R. Alms, Bundesgeschäftsführer des Jugendnetzwerks Lambda, reagierte mit einer eigenen Facebook-Meme im Look-and-Feel des "Welt"-Posts auf die Medienposse: "Wir müssen uns gegen Vorurteile, Vereinnahmung und LSBTIQ-Feindlichkeit wehren", heißt es darin. "Die WELT muss dabei besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, toleranter und multikultureller werden – und gegen Hetze und Rechtspopulismus konsequent einstehen."


Die Facebook-Grafik des Lambda-Geschäftsführers

Poschardt selbst äußerte sich gegenüber "Meedia" zur Änderung seines Textes und was er mit "schwuler" gemeint habe: "In meinem Kommentar zum Interview mit Donald Trump habe ich dazu aufgerufen, dass wir aus der Haltung des Kaninchens, das ängstlich auf die Schlange starrt, ausbrechen und uns darauf vorbereiten, dass der US-Präsident uns zur Emanzipation von Amerika zwingt, ökonomisch und verteidigungspolitisch. Wir sollten stärker werden und dabei auf unseren Werten bestehen, als eine liberale, offene Gesellschaft", zitiert das Medienmagazin den "Welt"-Chefredakteur. "Das 'schwuler' war im Sinne der Thesen von Richard Florida 'The Rise of the Creative Class' gemeint. Als dieses eine Detail vital wurde und den Rest des Kommentars zuzudecken drohte, habe ich es geändert."

Von Journalistenkollegen wurde Poschardt indes kritisiert. "taz"-Redakteur Malte Göbel nannte die Reaktion des "Welt"-Chefredakteurs "peinlich homo-panisch", hielt jedoch fest: "Wenigstens sind Poschardt und die Welt bei 'multikulturell' nicht eingeknickt." Der Medienjournalist Stefan Niggemeier nannte die Änderung des Trump-Kommentars auf seiner Facebookseite den "Ausweis einer unfassbaren Würstchenhaftigkeit". (mize)

 Update  16.55h: Poschardt ändert Text erneut

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt hat seinen Online-Kommentar am Mittwochnachmittag erneut geändert. Die Deutschen sollen nun nicht mehr "kreativer", sondern wie in der ursprünglichen Fassung "schwuler" werden, außerdem fügte der lernfähige Journalist noch ein "lesbischer" ein. Auf Twitter schrieb er dazu: "back by popular demand. jetzt noch QUEERER".

Twitter / ulfposh

Dafür erhielt Poschardt auch von uns ein Herzchen! (mize)



#1 Homonklin44Profil
  • 18.01.2017, 09:24hTauroa Point
  • ""Der Medienjournalist Stefan Niggemeister nannte die Änderung des Trump-Kommentars auf seiner Facebookseite den "Ausweis einer unfassbaren Würstchenhaftigkeit""

    Er heißt wahrscheinlich immer noch Stefan Niggemeier, und ihr müsst mal schauen, was mit der Autokorrektur nicht grade läuft. ;o)

    Auch ob das Wort "schwuler" nun tatsächlich -->vital<-- wurde, oder vielleicht "viral", habe ich nicht so ganz gebucht.

    Naja, den Tippfehlerteufel kenne ich selbst. Ein Wesen mit tausend Fingern und einem halb blinden Kopf. :o/

    "Ausweis einer unfassbaren Würstchenhaftigkeit" passt aber wie Faust auf Auge zu dieser Welt-Aktion. wenn man nicht zu dem steht, was man schreibt, sollte man es erst nicht geschrieben haben.

    Lanbda hat wunderbar in Szene gebracht, worauf es ankommt.
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  • Anm. d. Red.: Tippfehler ist bereits korrigiert, Poschardt schrieb "vital", das Jugendnetzwerk heißt "Lambda".
#2 JoonasAnonym
  • 18.01.2017, 10:09h
  • Wie die Welt vor einer kleinen, aber lautstarken, Minderheit ewiggestriger Fanatiker einknickt, ist ein Skandal.

    Wenn die Medien schon freiwiliig ihre Unabhängigkeit aufgeben und die Pressefreiheit einem wütenden Mob opfern, ist das ein schwarzer Tag für die Demokratie, aber auch für alle Medien.
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#3 FinnAnonym
  • 18.01.2017, 10:33h
  • Soweit sind wir also schon in Deutschland, dass ein paar Faschisten diktieren, was man sagen darf und was nicht...

    Aber dazu gehören natürlich auch immer zwei. Nämlich auch derjenige, der sich darauf einlässt und sich das diktieren lässt.
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#4 TheDadProfil
  • 18.01.2017, 10:38hHannover
  • Antwort auf #2 von Joonas
  • ""Wenn die Medien schon freiwiliig ihre Unabhängigkeit aufgeben""..

    Ob es sich bei den Publikationen der Springer-Presse um eine "Unabhängige Presse" handelt, muß erst noch geklärt werden..
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#5 hiltmotleyegAnonym
  • 18.01.2017, 11:03h
  • Liebes queer.de-Team, ich hoffe diese Überschrift im Clickbait-Stil wird hier jetzt nicht die Regel; das fände ich wirklich sehr bedauernswert und eurer der sehr guten politischen Berichterstattung nicht würdig.
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#6 MarioAnonym
  • 18.01.2017, 11:07h
  • Die Ursprungsfassung hat die Haltung der Welt besser auf den Punkt gebracht. Traurig ist, dass provokative Zuspitzung von rechts besser zu funktionieren scheint als aus der breiten Mitte. Rechte Populisten haben auch kein Problem damit, einem shitstorm ausgesetzt zu sein. Deshalb ist das ganze auch keine Posse, sondern Symptom für den fehlenden Kampfgeist der schweigenden (oder leicht zum Schweigen zu bringenden) Mehrheit.
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#7 stromboliProfil
  • 18.01.2017, 11:22hberlin
  • Antwort auf #4 von TheDad
  • "Ob es sich bei den Publikationen der Springer-Presse um eine "Unabhängige Presse" handelt, muß erst noch geklärt werden.."
    kicher...
    wenn wir schon in der springerpresse einen verbündeten sehn , ist es mit unseren erwartungen nicht weit her.
    Aber es gibt ja auch welche, die in der sa einen hort der homomännlichen ertüchtigung sehen.

    Die springerpresse ist ein sammlungsort reaktionärer meinungsbildung!
    Auch wenn sie scheinbar solidarisch werte einfordert, die sie auf anderem wege bekämpft.
    Das sieht man bei ihrem umgang mit "frauenbildern", ihrer "zugehörigkeit zum kleinen mann, die sie zu einem urvorbild der pegidabewegung macht.
    Und es zeigt ihre boulevardhaftige spiegelung homosexuellen "millieus", dass dann interessant wird, wenn damit schlagzeilen zu machen sind.

    Das zu durchblicken und nicht gleich auf jeden scheinbar hingereichten kleinen finger reinzufallen, ist für die heutig heterolike homogarnitur eine logistisch-intelektuelle überforderung!
    Entsprechend die empörung ob des "umfallens"!

    Aber ich will dem herrn springerjournalist gar nicht mal so sehr in den medialen hintern treten, ob seiner vorauseilenden heteronormativen loyalität.
    Kreativ sein wollen misst sich an der überschreitung/transformierung und überwindung vorhandenen materials und ideologien.
    Da muss der herr allerdings entweder erst den job aufkündigen um seine denkhoheit zurück zu gewinnen, oder eben das uns unterstellte schwul=kreativ naiv als alternative nachplappern.
    Aus einem springermitarbeiterIn wird niemals ein selbstständig denkender mensch.

    Und was da an geistiger inzucht im verlag sich tummelt, sah man bei dem trump-dieckmann interview..
    zwei frauengrabscher im selben boot!
    Das hätte dem herrn Poschardt auffallen müssen, hätte er drüber berichten können/sollen.
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#8 Julian SAnonym
  • 18.01.2017, 12:26h
  • Wie kann man nur so wenig Rückgrat und so wenig journalistisches Berufs-Ethos haben?

    Das braune Pack wünscht sich schon seit langem, die Medien unter ihrer Kontrolle zu haben. Und die "Welt" bietet sich denen sogar freiwillig an.

    Mit solchen "Journalisten" schafft sich der klassische Journalismus selbst ab.
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#9 GerritAnonym
  • 18.01.2017, 15:13h
  • Antwort auf #8 von Julian S
  • Ja, wieso sollte ich eine Zeitung kaufen oder gar abbonieren, die Sprachrohr rechter Rattenfänger ist und braune Spinner hofiert?

    Wenn man vor solchen Leuten nachgibt, macht man die erst salonfähig und so richtig stark.
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#10 Paulus45Anonym
  • 18.01.2017, 15:56h
  • Antwort auf #9 von Gerrit
  • Erstmal finde ich es als LGBT-Aktivist sehr sehr erfreulich, dass der Chefredakteuer der Welt ein so flammendes Plädoyer gegen Donald Trump gezeigt hat und wir nicht vor Ihm uns einschüchtern lassen sollen. Dafür ein grosses Dank an Ulf Poschardt.

    WARUM er oder die Online-Redaktion ("das wissen wir überhaupt nicht") dann an einer Textstelle das Wort "schwul" durch kreativ ersetzt haben, ist LINKE/GRÜNE SPEKULATION. Wir kennen die Gründe nicht !!!
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