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Widerspruch

LGBTI-Republikaner über Begnadigung von Chelsea Manning erbost

Die meisten LGBTI-Aktivisten zeigen sich erleichtert darüber, dass die Whistlelowerin bald freigelassen wird – mit einer Ausnahme.


Jahrelang haben sich Aktivisten für die Freilassung Chelsea Mannings eingesetzt (Bild: Quinn Dombrowski / flickr)

Die Log Cabin Republicans, die größte LGBTI-Organisation der amerikanischen Republikaner, haben die Begnadigung der transsexuellen Whistleblowerin Chelsea Manning scharf kritisiert. Obama hatte am Dienstag als eine seiner letzten Amtshandlungen als US-Präsident angekündigt, Manning zum 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, freizulassen (queer.de berichtete).

"Chelsea Manning ist keine Heldin, die Verkürzung ihrer Haftzeit ist empörend", erklärte Log-Cabins-Chef Gregory Angelo in einer Pressemitteilung. Manning sei schließlich nicht hinter Gitter gekommen, weil sie transsexuell ist. Die Behörden hätten sich vielmehr offen dafür gezeigt, ihre Geschlechtsanpassung auch im Gefängnis zu unterstützen.

Begnadigung "kein Grund zum Feiern"

Für den schwulen Republikaner ist Manning eine Frau, die viel Schuld auf sich geladen hat: "Sie wurde wegen landesverräterischer, illegaler Aktivitäten verurteilt, die das Leben von Soldaten aufs Spiel gesetzt haben. Ihre Handlungen – und Präsident Obamas Begnadingung – sind kein Grund zum Feiern", so Angelo.


Gregory Angelo ist ein gern gesehener Gast in amerikanischen Nachrichtenkanälen. Bild: Fox Business Screenshot

In den vergangenen Jahren hatten sich die LGBTI-Republikaner immer wieder gegen Initiativen gewandt, Manning zu einem Idol der LGBTI-Community zu machen. Sie kritisierten beispielsweise scharf, als der CSD San Francisco 2014 entschied, die Whistleblowerin zur Schirmfrau zu ernennen (queer.de berichtete).

Im Gegensatz zu den Log Cabin Republicans begrüßten viele andere LGBTI-Organisationen in den Vereinigten Staten die Entscheidung: Die größte ihrer Art, die Human Rights Campaign, zeigte sich über die Begnadigung erleichtert. HRC-Sprecher Jay Brown erklärte, dass sich Präsident Obama vorbildlich für eine menschliche Behandlung von Gefängnisinsassen und für die LGBTI-Gleichbehandlung eingesetzt habe. Die Begnadigung Mannings habe dieses Engagement erneut unterstrichen. "Wir hoffen, dass Manning schnell die medizinische Behandlung erhalten kann, die sie – ebenso wie alle Transpersonen – verdient", so Brown.

Manning war 2010 verhaftet worden, weil sie Hunderttausende von geheimen Dokumente der Enthüllungsplattform WikiLeaks zugespielt hatte. Diese zeigten unter anderem Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak-Krieg. Mit dem Fall machte sie weltweit Schlagzeilen, damals noch unter dem Namen "Bradley Manning". 2013 outete sie sich kurz nach ihrer Verurteilung zu 35 Jahren Haft als Transsexuelle (queer.de berichtete). (dk)



#1 Blow the whistleAnonym
  • 18.01.2017, 15:05h
  • Chelsea Manning hätte gar nicht erst in den Knast gehört. Aber wenigstens wird sie jetzt begnadigt.

    Wer Kriegsverbrechen, andere staatliche Verbrechen oder sonstige Missstände aus Politik, Wirtschaft, Militär, etc. publik macht, ist ein Held und kein Verräter.

    Wer Kriegsverbrechen, Folter, Vergewaltigung, etc. vertuschen will, ist keinen Deut besser als die Leute, die er angeblich bekämpft.
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#2 JuniAnonym
  • 19.01.2017, 19:39h
  • Antwort auf #1 von Blow the whistle
  • Naja, Recht hat nicht immer was mit Gerechtigkeit zutun.
    Nach geltendem Recht hat sie in ihrer Position als Militärangehörige Verrat begangen. Auch nach deutschem Recht, sowie in den meisten Ländern der Welt wäre sie entsprechend angeklagt worden, wenn auch in Deutschland das zu erwartende Strafmaß wesentlich niedriger angesetzt ist als in den USA.
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#3 TheDadProfil
#4 MarieAnonym
  • 27.01.2017, 07:37h
  • Ob ihr Handeln nach deutschem Recht strafbar gewesen wäre hin oder her: Welchen Hintergrund hat es denn, dass der ansonsten journalistisch einwandfreie Artikel am Ende auf Mannings Deadname hinweist? Notwendig, damit alle wissen, um wen es geht, ist das jedenfalls nicht, sie dürfte als Chelsea sogar bekannter sein als als Bradley. Auch sonst sehe ich keinen Grund dazu, das zu tun. Manning gegenüber ist es aber entwürdigend - sie hat schlicht ein Anrecht darauf, wie jeder andere Mensch auch mit dem Namen genannt zu werden, mit dem sie selbst sich vorstellen würde, früher mal geführte Namen sind obsolet, hinfällig. Wenn sie den Bradley nicht verwendet, muss das auch sonst niemand tun, wer es tut, muss sich hingegen nach dem Grund dazu fragen lassen...
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#5 TheDadProfil
  • 27.01.2017, 09:03hHannover
  • Antwort auf #4 von Marie
  • ""Wenn sie den Bradley nicht verwendet, muss das auch sonst niemand tun, wer es tut, muss sich hingegen nach dem Grund dazu fragen lassen...""..

    Das stimmt..
    Trotzdem möchte ich hier fragen, ob es zum Zweck der umfassenden Information des Lesers nicht trotzdem beiträgt ?
    Es soll dann doch Menschen geben, die nicht wissen, wer sie ist..

    Und nicht nur "The Artist formally known as Prince" spielt mit dem Gedanken, die Vergangenheit nicht vollständig zu negieren..
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