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Kinostart

Wenn der Mitschüler zum homophoben Fundi-Christen wird

Ab Donnerstag im Kino: In der russischen Satire "Der die Zeichen liest" krempelt ein radikaler Jung-Fanatiker seine aufgeklärte Schule um.


Der 16-jährige Benjamin (Petr Skvortsov) kämpft mit Bibelzitaten und dem Hammer gegen die Evolutionslehre, Abtreibung, Ehebruch und Homosexualität (Bild: Neue Visionen Filmverleih)

  • 18. Januar 2017, 16:52h, noch kein Kommentar

Benjamin ist Schüler an einer aufgeklärten, staatlichen Schule. Eines Tages weigert er sich, am Schwimmunterricht teilzunehmen und zwar nicht, wie seine Mutter vermutet, wegen einer unkontrollierbaren Erektion, sondern weil der Anblick seiner minimal bekleideten Mitschülerinnen seine religiösen Gefühle verletzt.

Der 16-Jährige ist zum Christentum konvertiert und bedient sich ab sofort bei einer schier unendlichen Ressource der Aggression – der Bibel. Vor den Augen seiner staunenden Mitschüler ist Benjamin auf Rebellionskurs. Ein Missionar und Kreuzzügler, der gegen "perverse" Schwule, geschiedene Frauen und die Evolutionslehre die eine oder andere Bibelstelle ins Feld zu führen weiß.

Ein Jünger Jesu auf Kreuzzug


Poster zum Film: "Der die Zeichen liest" startet am 19. Januar 2017 in einigen deutschen Kinos

So heftig und eloquent ist Benjamins Protest gegen den wissenschaftlichen Tenor der Schule, dass die Lehrerschaft bald ins Wanken gerät. Die Mädchen müssen ab sofort in Badeanzügen schwimmen, und das Kondom wird schließlich doch lieber aus dem Biologie-Unterricht verbannt. Für Benjamin reicht das allerdings noch lange nicht. Ein wahrer Jünger Jesu lässt seine Feinde nicht ungeschoren davon kommen…

Der Film "Der die Zeichen liest" des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow ist eine wilde und furiose Groteske, die seit ihrer Premiere in Cannes international euphorisch gefeiert wird, die aber auch reichlich verstört. Denn die böse Satire voll pechschwarzen Humors zeigt keine Haltung. keine Emotion und keine Sympathien. In dem fast zweistündigen Drama kommt niemand gut weg, auch nicht die Vertreter einer liberalen Erziehung.

Dass der junge Homohasser Benjamin allerdings mehrfach in angedeutet homoerotischen Situationen zu erleben ist, erscheint überaus konsequent – und inspiriert vom wahren Leben. (cw/pm)

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Der die Zeichen liest. Satire. Russland 2016. Regie: Kirill Serebrennikow. Darsteller: Petr Skvortsov, Victoria Isakova, Svetlana Bragarnik, Anton Vasiliev, Julia Aug, Aleksandra Revenko, Aleksandr Gorchilin, Nikolai Roschin. Laufzeit: 118 Minuten. Sprache: russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Neue Visionen. Kinostart: 19. Januar 2017