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Neu auf DVD

Nackt unter Heten

Die argentinischen Filmemacher Marco Berger und Martín Farina inszenieren in "Taekwondo" den Sommerurlaub einer Gruppe von Freunden als homoerotischen Blickfang zwischen Macho-Sprüchen und queerem Begehren.


Eine Cique junger Männer vergnügt sich sehr freizügig in einer Ferienvilla in der Nähe von Buenos Aires – nicht ahnend, dass sich unter ihnen ein Schwuler befindet (Bild: Edition Salzgeber)

Als Germán von Fernando, seinem Trainingspartner aus dem Taekwondo-Club, dazu eingeladen wird, den Sommer gemeinsam in der elterlichen Ferienvilla zu verbringen, zögert der junge Mann keine Sekunde. Denn schließlich schwärmt der schwule Bücherwurm schon länger für seinen Freund und freut sich über die Gelegenheit, ihm endlich ein wenig näher kommen zu können – auch wenn Germán sich nicht ganz sicher ist, ob Fernando denn überhaupt an Männern interessiert ist.

Dies herauszufinden erweist sich allerdings bald als schwieriges Unterfangen, denn neben Germán vertreiben sich noch andere Freunde von Fernando die Urlaubszeit auf dem großzügigen Anwesen. Die eingeschworene Jungsclique genießt sorglose Tage am Pool, in der Sauna und auf dem Tennisplatz. Die Männer kiffen gemeinsam, gucken Fußball und reden über Frauen – nicht ahnend, dass sich unter ihnen ein Schwuler befindet.

Beefcake fürs zeitgenössische Indie-Kino


Die Edition Salzgeber hat "Taekwondo" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Während Germán sich bemüht, sein Begehren zu verheimlichen, spürt er schnell die feinen Risse in der betont heterosexuellen Fassade seiner neuen Bekannten. Ein langer Sommer voller unausgesprochener Sehnsüchte und neugieriger Blicke bahnt sich an…

Es dauert nur wenige Minuten, da gibt es in "Taekwondo" auch schon den ersten Penis zu sehen. Eine große Sache machen die Regisseure Marco Berger ("Hawaii") und Martín Farina ("Fulboy") aus diesen nackten Tatsachen allerdings nicht: Die Körper der Darsteller werden zwar ausgiebig gezeigt, aber nicht ausgestellt. Unaufgeregte Selbstverständlichkeit sowie Beiläufigkeit prägen diesen homoerotischen Bilderreigen, der einerseits ohne Scham klassische Beefcake-Gelüste bedient, diese aber zugleich mit dem Understatement des zeitgenössischen Independent-Kinos kurzschließt.

Protagonist und Publikum müssen zappeln

So lässt sich "Takewondo" als ein einziges Anbahnen begreifen, das sowohl den schwulen Protagonisten als auch das Publikum gehörig zappeln lässt. Dass die Dramaturgie ein einziges Hin und Her ist und nach jedem Schritt nach vorne bald wieder einen zurücktritt, dürfte zumindest für die Zuschauer zermürbend sein, die eine konventionelle Story samt dramatischen Höhepunkten erwarten.

Wer sich mit der unpointierten Erzählweise von Berger und Farina jedoch anfreunden kann, der darf hier eine Menge entdecken, "Taekwondo" bietet nämlich weit mehr als bloß nackte Haut im Sonnenschein. Nicht nur als gesellschaftlicher Kommentar über bisweilen absurdes Männlichkeitsgebaren erweist sich der Film als treffsicher, er überzeugt in erster Linie als fein beobachtete Beziehungsstudie. Und als solche erlebt "Taekwondo" seine aufregendsten Momente immer dann, wenn es gerade einmal nicht viel zu sehen gibt – viel mehr als zwei Silhouetten, die sich in der Dunkelheit langsam näher kommen, braucht es da nicht, um Spannung zu erzeugen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zur DVD

Taekwondo. Drama. Argentinien 2016. Regie: Marco Berger, Martín Farina. Darsteller: Lucas Papa, Gabriel Epstein, Juan Manuel Martino. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Edition Salzgeber
Galerie:
Taekwondo
10 Bilder


#1 bingewatcherAnonym
  • 21.01.2017, 12:02h
  • Warum erscheinen solche Filme eigentlich immer nur auf DVD und nicht zum - kostenpflichtigen - Abruf online? Sei es über Onlinevideotheken oder meinetwegen auch eine eigene Seite des Verleihs. Ich habe zumindest schon seit Jahren keinen DVD-Player mehr, da ich das sonst nie brauche. Bei solchen Besprechungen ärgere ich mich aber jedes Mal, weil ich die Filme dann doch erst viel später schauen kann, obwohl ich jetzt gerne Geld dafür ausgegeben hätte. tagelang auf eine Dvd zu warten, die ich mir dann ins Regal stelle, finde ich völlig antiquiert.
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