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  • 12. Mai 2005, noch kein Kommentar

Ein Dokumentarfilmer macht sich auf die Suche nach dem Ort, an dem schwule Pornografie entsteht. Mit der Cazzo-Produktion fuhr er nach Spanien.

Von Carsten Weidemann

Wo finden an einem Ort, an dem Intimität in aller Deutlichkeit offen liegt, intime Momente statt? Auf der Suche nach diesen Momenten fliegen sowohl Cazzo-Film, eine Berliner Gay-Pornoproduktionsfirma, das "Wa(h)re-Liebe"–Fernsehteam als auch Dokumentarfilmer Lukas Schmid nach Mallorca. Lukas Schmid schaute in ein scheinbares Ferienidyll, in dem andere einen Film machten. Die Protagonisten sind nach Katalog ausgewählt, einander fremd kommen sie an. Zwischen Gelegenheitsprostitution einerseits und der Suche nach Nähe andererseits wollen sie ihre Hoffnung wie auch immer ausleben. Es gibt ein Einverständnis zwischen Machern und Gemachten, das so labil ist wie es der Dokumentarist kongenial – eben intim und doch veröffentlicht – darstellt.

Ausgangspunkt für Intimitäten war die Grundsatzfrage, ob Pornografie ein dokumentarisches Genre sei. Der Gedanke faszinierte den Produzenten Tom Streuber und den Filmemacher Lukas Schmid gleichermassen. Die Frage nach Inszenierung oder Beobachtung ist für beide ein zentrales Thema. Es gab nach einer Recherche auch keinen Hinweis darauf, dass sich irgendjemand schon mit einem Pornoset dokumentarisch beobachtend befasst hat. Grund genug, sich dem Thema also anzunehmen.

Zunächst hat sich der Hetero einige Heteropornoproduktionen angesehen, aber die sind nur sehr schwer für so ein Vorhaben zu begeistern. Er musste viele Anläufe nehmen und saß in etlichen Büros, in denen sich Abbildungen von Geschlechtsteilen stapelten. Mehr und mehr merkte er, dass er mit schwulem Sex den viel unkomplizierteren Umgang hatte. Also entschied er sich für die Berliner Schwulenpornoproduktion Cazzo. Die Zusammenarbeit mit Cazzo Film war problemlos. "Vor allem Jörg, der Cazzo-Film-Chef und -Regisseur, war extrem offen und interessiert. Die Darsteller waren einfach spitze, alle großartig. Allerdings war ich der Einzige, der in den Drehpausen nur mit Badehose im Pool war", berichtet der Filmer.

Bis vor diesem Dreh hatte er mit Pornografie überhaupt nichts am Hut. Deswegen sei "Intimitäten" auch seine persönliche Aufarbeitung mit der Pornografie. "Am Set habe ich aber Pornografie nie erlebt. Da waren nur Leute, die Sex hatten, und andere, die mehr oder weniger interessiert zuschauten." Als er das Rohmaterial von Cazzo durchsah, hat er urplötzlich begriffen, wo Pornografie entsteht: "Im Kopf des Kameramanns und im Bildausschnitt, den er dann auswählt."

12.05.2005